Schluss

Wer die Schlussfeier gesehen hat, weiß, dass die Briten sich toll präsentiert haben und stolz auf sich selbst sind. Können sie auch sein. Eine atemberaubende Show, wenn auch teils langatmig,- vor allem wenn man im Innenraum stehen muss und keinen Überblick hat, beschloß die Spiele der 30. Olympiade. Für uns heißt es nun packen, aufräumen, Leihsachen zurückgeben, Schlüssel sortieren und verabschieden. Das Dorf ist schon seit einigen Tagen spürbar leerer geworden, LKW-Container stehen rum und werden beladen, in der Mensa ist nur noch ein Teil der Essenausgaben besetzt, die Schlangen bei McDonal´s werden immer länger, im Kraftraum gibt es kein Gedränge um die Geräte mehr Nach Abschluß des Wettbewerbs konnte ich tatsächlich einmal ins Deutsche Haus gehen und feststellen, dass man Essen auch würzen kann. Hier im Dorf gibts nur Salz und Pfeffer und eine Vielzahl verschiedener Saucen, mit denen man sich Geschmack weitgehend selbst herstellen muss.

Zur Abschlussfeier wollten wir eine Gummpuppe mitnehmen, um das Geheimnis endlich zu lüften, auch der Presseattache war dafür, allein die politische Führung der deutschen Mannschaft sah eine Gefahr, dem Image zu schaden.

Typisch deutsch!

Jetzt geht es auf das Traumschiff, eine 30-stündige Rückfahrt mit Einlaufen in Hamburg. Darauf freue ich mich, denn diese Reise ist wirklich einmal nicht mit Arbeit verbunden. Und mit einem Schiff im Hamburger Hafen wollte ich schon immer mal ankommen. Ankunftszeit für Interessierte ist gegen 10 Uhr am Mittwoch den 15. August. Große Teile der Olympiamannschaft werden an Bord sein und dann zum Empfang ins Hamburger Rathaus eingeladen. Ab Mittwoch Mittag ist das Olympiaabenteuer beendet. Ab Donnerstag bin ich wieder in der Praxis.

Ihr Olympiasiegerarzt 😉

GOOOOOOLD!!!

Es ist Gold geworden, das weiß in Deutschland inzwischen so ziemlich jeder.

Aber was für ein Spiel. Beachvolleyball auf höchstem Niveau und wegen der kleinen Schwäche von Julius am Ende auch ein besonders unterhaltsames dazu. Aber der Reihe nach. Das Spiel war lange unentschieden und  plätscherte dahinund niemand konnte sich so richtig absetzen. Die Brasilianer waren unerwartet stark, sicher stärker als in den vorhergehenden Spielen. Die von Jürgen ausgetüftelte Taktik, die im Halbfinale gegen die Holländer so überlegen war, zeigte sich gut, aber eben nicht so effektvoll. Es war klar, auch die Brasilianer hatten ihre Hausaufgaben gemacht. Dennoch konnten wir den ersten Satz gewinnen. Im zweiten ging es schlechter und man bekam den Eindruck, es sei nichts zu holen. In dieser Phase agierte unser Team so, dass es dem Gegner Schläge anbot, die im dritten Satz wenig gespielt werden sollten. Und das reichte dann, um den dritten Satz bis 14:11 zu beherrschen. Und dann kam die Szene, in der uns allen der Atem stockte. Julius wehrte den Angriff von Emanuel ab und hatte die Chance, den Matchpoint zu versenken. Und er schaffte es nicht. Die beiden folgenden Bälle sollten normalerweise ausreichen, um den einen nötigen Punkt zu machen. Aber zuerst verbaggert Julius die Annahme, dann stiehlt er sich aus der Verantwortung für den in die Mitte gespielten Aufschlag und plötzlich steht es 14:14. Das Stadion kocht, die brasilianischen Fans werden Ohren betäubend laut und bei uns läuft ein Deja Vu ab. In Moskau hatte es in dieser Saison das gleiche schon einmal gegeben und das Spiel wurde 16:18 verloren. Doch Jonas macht abgeklärt den Punkt zum 15:14 und der anschließende Aufschlag ist gut. Emanuel verzieht, sehr knapp , aber ausreichend deutlich. In Zeitlupe bewegt sich der Arm des Schiedsrichters auf unsere Seite. Punkt! Satz! Olympiasieg! Jonas hat schon die Arme oben, bevor der Schiedrichter entscheidet, Julius braucht ein bißchen länger.

OLYMPIASIEGER (hört sich auch viiieeeel besser an als Silbermeaillengewinner)!

Bei uns fällt die Spannung ab und wohl alle haben Pipi in den Augen. Unfaßbar!!! Olympiasieger! Darauf durfte man hoffen, aber damit konnte niemand rechnen. Nach all den Problemen, die es im Vorfeld gab – Jonas Frau kam erst gegen 19 Uhr aus dem Krankenhaus, wir haben ihr noch einen Sitzplatz am Feld in unserer Reichweite organisiert, alle Verletzungen und Erkrankungen, all das hat das Team nicht aufhalten können. Letzlich hat sich die konsequente Planung und die Zusammenstellung des Teams mit Trainern, Psychologen, Physiotherpeuten und Ärzten als gute Kombination bewährt.

Auch wenn in den Geschichtsbüchern nur die Namen Reckermann und Brink stehen werden, ich bin stolz ein Teil des Teams gewesen zu sein.

Und da ist da noch die Geschichte der deutschen Flagge, die man auf den Fotos sieht. Eine Flagge mit Adler in der Mitte, die ich bei den Spielen in Peking mitgenommen habe und die 2009 Weltmeister, 2012 Europameister und nun auch Olympiasieger wurde. Man sieht sie auf allen Siegerfotos dieser Events und demnächst in meiner Praxis. Mehr als Olympiasieg geht nicht, deswegen wird die Fahne eingemottet.

In der Presse war die Geschichte der so genannten Glückbringer zu lesen, Gummipuppen, von denen die Presse gerne Fotos gehabt hätte. Für die Leser dieses Blogs sei gesagt, es gibt Dinge, die bleiben besser intern. Die Pferdeäpfelgeschichte hat es immerhin bis in den aktuellen Stern geschafft. Meine Aktion, wie ich dem Schiedrichter helfe, der während des Viertelfinales kollabierte, kam ja live im TV. Ihm geht es gut, er ist nicht krank, er hatte eine kurze Bewußtlosigkeit, die sicherlich mit dem Stress zu erklären ist.

Die Feier der Medaille verzögerte sich, weil noch Dopingkontrollen anstanden, aber gegen Mitternach konnten wir endlich einen Happen essen und ein Bierchen trinken. Dann ging es in einen Tanzclub, in den der Hauptsponsor Red Bull einlud. Gerade als die Stimmung gut wurde, war Sperrstunde und das Licht ging an, die Musik dafür aus. Ende der Feier, nach einigem Hin und Her das Signal für mich, mit dem Trainer und dem Kollegen Kass in den Nachtbus zu steigen und zum Dorf zurückzufahren. Gut das in der Mensa McDonald´s ist. Das Frühstück war ein WRAP, der im Zimmer dann mit einer Flasche Riesling begossen wurde. 5.30h war meine bedtime.

Auch beim Aufstehen am nächsten morgen wird einem nicht klar, was passiert ist. Die erste Goldmedaile für Volleyball, die es jemals (incl. DDR-Sport) gab. Und man ist dabei.

Nachmittags hatte ich BMX-Tickets und konnte die erste Veranstaltung einer fremden Sportart hier erleben. Und jetzt gehe ich zum Hockeyfinale. Gibt zwar keine Tickets mehr, aber ich habe in vorübergehendes Upgrade bekommen und darf jetzt auch ins Hockeystadion, – zusehen, wie wir die nächst Goldmedaille holen, um vor Frankreich im Medaillenspiegel zu bleiben.

Nachtrag:

Hockey ist im Vergleich zu Beachvolleyball langweilig und im Stadion war es saukalt. Oben auf der Tribüne wehte ein heftiger Wind. Das Spiel selbst ähnelt einem Fußballspiel, nur, dass durch das Limit, dass der Stock nur mit einer Seite benutzt werden kann, viele Aktionen ins Leere laufen. Besser wäre aus meiner Sicht, das ganz frei zu geben und mehr Tore in Kauf zu nehmen, dann wäre es auch für Zuschauer interessanter. Nach dem glücklichen Sieg gegen die Holländer dauerte es noch ewig, bis endlich das Lied gespielt wurde, wegen dem wir alle da waren. Es geht nichts über eine Goldmedaille, und ich hab heute die zweite erlebt. Und fast wäre ich erfroren…

Gold oder Silber ?

Heute wird Geschichte geschrieben, so oder so! Wir haben die Jungs fit, obwohl es noch nie so schwer war, das zu schaffen und obwohl es wirklich unerwartete Probleme gab. Wenn der Wettergott mitspielt bleibt es trocken – was sicherlich ein Vorteil für uns sein wird, denn dann kommen die Aufschläge besser.

Der Countdown läuft, ich habe behandelt und bin dann ins Dorf zurückgekehrt, um mich noch einmal zu sammeln, vielleicht selbst etwas Bewegung zu haben und noch mal zum Sport zu gehen, bevor ich dann um 17.30h in den Shuttle steige und zum Stadion fahre. Alles was dann kommt, ist eingeübt.

Tee für Julius, Wärmflaschen für die Spieler, eine feuchtes Handtuch und ein trockenes, damit man die Spieler im Verletzungsfall auf dem Court so sauber bekommt, dass man Tapes kleben kann. 15 Minuten vorher gehen wir auf unsere Medizinplätze, 10 Minuten vorher laufen die Ballkinder und das Schiedsgericht ein, dann die Spieler, noch einmal 3 Minuten einspielen  (Das eigentliche Erwärmen findet auf einem Nebenplatz statt), Seitenwahl und dann gehts los….

 

Grüne Spiele?

Noch ein paar Gedanken zu London und den Grünen Spielen. Ja, unser (Plastik-?)Besteck in der Spielerlounge ist kompostierbar. Auch alle Teller und Gefäße incl. Kaffeebecher. Nur im Dorf bekommen wir Metallbesteck, das gewaschen wird. Mülleimer, um im Dorf Flaschen zu entsorgen, gibt es kaum, und wenn, dann sind es Plastiksäcke. Vor geschlossenen Behältnissen gibt es eine fast schon paranoide Angst, denn es könnten ja Bomben drin versteckt werden (so geschehen in Atlanta 1996). Soweit so gut. Viele der Wettkampfstätten werden vollständig zurückgebaut, ebenso die Mensa und die angrenzenden Lagerräume, die Sicherheitsbereiche etc. Nicht zur grünen Idee passt, dass wir auch wenn wir alleine sind, im Doppeldeckerbus durch London gefahren werden. Ungrün ist auch, dass im Spielerbereich (ein großes Zelt) auch tagsüber immer Licht brennt. Meine Frage, warum? konnte keiner beantworten. Der Versuch es auszubekommen schlug fehl, weil es keinen Schalter gibt, sondern alles über Bewegungsmelder gesteuert wird…Die Sicherheitskosten betragen über 1000 Pfund pro verkauftem Ticket oder über 150 000 Pfund pro teilnehmendem Athlet. Grund sind die Sicherheitskosten. Sind olympische Spiele unter diesen Bedingungen noch eine sinnvolle Veranstaltung? Erste Stimmen werden laut, die Spiele alle 4 Jahre in Athen abzuhalten, auf den immergleichen Anlagen, die nur einmal gebaut und dann in Stand gehalten werden müssten.

 

Meine Arzttasche ist zum Kriminalfall geworden, besser das Verschwinden wird jetzt als Diebstahl betrachtet. Logische Begründung der Polizei: Fundsachen sind abzugeben, wer das nicht tut, begeht Diebstahl. Allerdings blieben alle Verhöre ohne Erfolg, das Kamerasystem im Bus war zwar vorhanden, aber nicht eingeschaltet;-).

Ich wurstle mich so durch mit meinen Restbeständen und bin froh, wenn morgen das Turnier zuende ist. Samstag und Sonntag morgens habe ich Dienst in der Medizinzentrale und dann ist es auch schon rum. Zumindest zur Abschlussfeier dürfen wir Offiziellen gehen, meine einzige Chance, einmal ins Stadion zu kommen und das olympische Feuer live zu sehen.

Aber bevor das soweit ist, kommen heute noch einmal 2 oder 3 Sätze Nervenkitzel, hoffentlich mit happy end für uns. Wenn wir heute nicht Gold holen, dürfte es auf Jahre schwer werden, wieder ein Team so weit zu bringen. Die bisher einzige Medaille ist 12 Jahre her. (Bronze in Sydney).

Das Fernsehen dürfte live übertragen, ab 21 Uhr englischer Zeit, 22 Uhr deutscher Zeit!

Daumendrücken!!!!

Medaille!!!!!!!!

Viel ist passiert seit der letzten Meldung… Die Mädels konnten ihren eigenen Erwartungen nicht gerecht werden und sind ausgeschieden. Ein fünfter Platz bei Olympia ist sicher nicht schlecht, aber die geheime Hoffnung war doch, das Halbfinale zu erreichen. Und mit einer Leistung so gut, wie in den Gruppenspielen gegen Brasilien, hätte es reichen können. Aber so flossen die Tränen der Enttäuschung.

Meine Arzttasche ist weg. Nach dem Ausscheiden der Mädels sind wir mit dem letzten Shuttle ins Olympische Dorf gefahren und ich habe im Bus meine Arzttasche stehen lassen. Es war weit nach Mitternacht und ich war wohl schon ziemlich müde. Am folgenden Morgen stellte ich dann fest: die Tasche fehlt. Die Suche bei der Transportaufsicht, im Lost and found -Büro (das so eigentlich nicht gibt- hier ist alles etwas langsam und unlogisch organisiert) ergab an den folgenden Tagen verschiedene Äußerungen, wo was lagern sollte und wer zuständig sei – allein ich hatte meine Arbeitsgrundlage verloren und einen kranken Spieler, der noch im Wettbewerb war. Stress!!!

Meine zweite Tasche mit den rudimentären Versorgungsmöglichkeiten war noch da, das Mannschaftsbüro half mit aus mit Medikamenten und Utensilien. In die Stadt fahren, Spieler im Hotel behandeln, zurück fahren, Tasche suchen, all das kostet Zeit und Nerven, besonders dann, wenn der Frauenmarathon direkt vor dem Hotel der Spieler ausgetragen wird und man die Strasse einfach nicht überqueren kann. Eingekeilt in hunderte Zuschauer stehe ich auf der einen Strassenseite und 30 m entfernt ist der Hoteleingang, indem ein Spieler wartet und man kann nichts machen. Geduld ist ohnehin nicht meine Stärke, aber diese 30 Minuten warten bis endlich die letzten der Läuferinnen vorbei sind, das war für mich wie Folter.

Immerhin, erst die Brasilaner deutlich geschlagen und dann gestern noch die Holländer dominiert, damit ist die Silbermedaille unser! Nun heißt es, die Weltmeister zu schlagen und erstmals einen Olympiasieg für eine deutsche Volleyballmannschaft zu erringen.

Ich habe schon die Deutschlandfahne eingepackt, die mit uns Welt- und Europameister wurde und die auf allen Fotos zu sehen ist. Hoffentlich kann ich sie auspacken und es wird auch eine Olympiasiegerfahne daraus.

Freitag und Samstag morgen habe ich, ungeachtet des Ergebnissen Dienst in der zentralen Medizin, was bedeutet, ich werde außer dem Spiel der Hallenmannschaft heute abend nichts von Olympia mitbekommen. Ich sehe aus meinem Zimmerfenster im Dorf auf den Olympiapark, den ich noch nicht betreten habe. Auch das Olympiastadion von innen zu sehen, dürfte eine Illusion bleiben, den Karten für Veranstaltungen gibt es nicht mehr.Bleibt die Hoffnung, bei der Schlussfeier mitgehen zu können.

Alle bejubeln die Silbermedaille, die uns schon sicher ist, als den bisher größten Erfolg des Beachvolleyballs. Aber eigentlich gilt es, fokussiert zu bleiben. Dieses eine Spiel als Mitwirkender erleben zu können ist sicher etwas, für das man lange arbeiten muss und das man für Geld nicht kaufen kann. Es ist die Krönung dessen, was man als Mannschaftsarzt erreichen kann, eine Erfahrung, die einem niemand mehr weg nimmt. Bis die Spieler so fit sind, wie wir es uns wünschen, ist es noch mehr als ein Tag und selbst dann könnte es wahrscheinlich noch besser sein. Aber mehr geht dann nicht, es muss auch so reichen. Vielleicht kann ich eines Tagen einmal publiziren, was hinter der Medaille steckt – aus medizinischer Sicht.

22:00 Uhr deutscher Zeit: Daumen drücken!!!

Sonntags bei Olympia

Sonntag in London. Die Spiele gehen weiter, sollte man meinen. Wir sind noch mit 2 Teams im Wettbewerb und haben unser Minimalziel, so gut wie in Athen zu sein und besser als Peking, schon erreicht. Heute abend 23 Uhr (Entspricht NULL Uhr deutscher Zeit – wer denkt sich so eine bescheuerte Zeit aus???- der Weltverband wahrscheinlich, wenn da überhaupt jemand denkt), spielen die Mädels gegen Brasilien I (Larissa/Juliana, die amtierenden Weltmeisterinnen). Gute Chancen einmal ein wichtiges Spiel zu gewinnen und dann 2 weitere Spiele um eine Medaille zu haben, bestehen. Wir haben zwar echte Verletzungsprobleme, abermit vereinten Kräften haben wir als medizinisches Team die Spielerinnen so weit, dass es keinen körperlichen Grund geben sollte, dass es nicht klappt.

Heute ist als Sideevent der Marathon der Frauen gewesen. Unsere Venue war nicht mit dem Bus zu erreichen, weil die Marathonstrecke ebendort vorbei führte. Ich wollte/musste ins Hotel fahren, um einen Spieler zu behandeln. 1,5 Std Buss statt 45 Min, ein Umweg und dann stehe ich Vis a vis des Hotels und komme nicht über die Strasse. Rucksack, Arztkoffer, meinen Regenschirm habe ich dummerweise im Bus vergessen, stehe ich da und will nur über die Strasse. Man verweist mich an einen crossing point am Trafalgar square, den ich wegen der Menschenmassen nicht erreiche. Ich stehe eingekeilt in hunderte Zuschauer auf dem Bürgersteig, kann nicht vor und nicht zurück und mein Spieler wartet. Mich erreicht die Information, die Strasse ist in etwa 30 Minuten zu überqueren, wenn ich bis dahin an den Übergang gelangt bin. Was nicht so sein wird, weil niemand sich hier bewegen kann. Langsam verstehe ich, was bei einer Massenpanik im Gedränge passieren kann. Wie vieles bei diesen Spielen, ist es alles zu kurz gedacht. Es gibt keine Hinweise, was man wie erreichen kann, wir warten auf die Nachzügler, die Spitze des Marathonfeldes ist lange vorbei, man könnte einfach einige Absperrgitter entfernen und die Situation entlasten, aber das passiert nicht. Nach gut 20 Minuten begreifen aber auch die Offiziellen, dass in den nächsten 10 Minuten keine Läuferin mehr kommen wird und machen -endlich- auf.  Ich werde sehnlichst erwartet und kann meinen Job machen, um dann zurück ins Dorf zu fahren. Der Shuttle kommt tatsächlich pünktlich, braucht aber über eine Stunde zurück ins Dorf, weil immernoch Ausweichstrecken gefahren werden müssen.

Und dann ist Sonntag…. Zwar läuft der Betrieb weiter, die Geschäfte sind offen, aber am Checkpoint ins Dorf, an dem alle Busse von unten und innen untersucht werden, ob jemand heimlich eine Bombe angeheftet hat, sind nur 2 von knapp 20 Untersuchungsszelten besetzt. Die Soldaten haben Wochenende. Busse und PKW stauen sich aus dem Dorf bis auf die Zufahrtskreuzung. Safety first.. Nach 5 Stunden bin ich zurück im Dorf. 5 Std für eine einzige Untersuchung und Injektion… Und heute abend das gleiche noch einmal, hoffentlich ohne Verkehrsstörungen. Geplante Rückkehr ins Dorf nach dem Spiel ca. 1.30 Uhr… Montag morgen, versteht sich.

So ist es eben, sonntags bei Olympia…

Beachvolleyball bei Olympischen Spielen hat eigene Gesetze

Normalerweise starten bei Turnieren 32 Teams, hier sind es nur 24, was zu der Situation führt, dass 8 Teams aus vier Gruppen eliminiert werden müssen, um in der K.O.-Phase ein 16er Feld zu haben, dass dann pro Runde halbiert wird. Bei 6  Vierergruppen sind die Gruppenletzen ausgeschieden, und die  vier schlechtesten Dritten spielen gegeneinander um zwei Plätze, die so genannten Lucky looser (glückliche Verlierer), die dann also weiter im Wettbewerb bleiben dürfen.

Alle unsere Teams sind gut durch die Gruppenphase gekommen nur beim Team Erdmann/Matysik klemmte es. Wenn sie im letzten Gruppenspiel  gegen Venezuela 2:0 gewonnen hätten, wären sie weiter dabei gewesen. Der Satzball war da, aber konnte nicht genutzt werden, also wurde es eine mühevoller 2:1 Sieg (Niederlagen hätte Ausscheiden bedeutet). Was dann kam, war übel. Das Lucky Looser Spiel wurde für 23.15 Uhr angesetzt. Bedeutete, dass ich von morgens 8.00 Uhr bis nach Mitternacht im Stadion zubringen durfte, die meisten Spiele am Fernseher verfolgend, weil man den Krach im Stadion nicht dauerhaft aushält. Zu den Spielen sitzt die Medizin dann am Feldrand im toten Winkel der Kameras. Und nachts ist es dann schon empfindlich kalt. Immerhin, in einem dramatischen, aber keineswegs hochklassigen Spiel wurden die Tschechen besiegt und aus dem Turnier verabschiedet. Kai und Joni hatten durch die Hintertür die Eliminationround, wie es hier heißt, erreicht.

Die Auslosung der K.O. Runde, die bereits  um 22.30 Uhr vollzogen wurde, ohne dass wirklich feststand, wer nun schlussendlich dabei sein würde, ergab, dass bei den Damen beide deutsche Mannschaften als erstes Spiel des Tages aufeinander treffen sollten. Die Anfangszeit wurde mit 10 Uhr kommuniziert und später auf 9 Uhr vorgezogen. Auch das brachte Probleme mit sich, weil unsere Spielerinnen schon schliefen und ihren Count down individuell eingestellt hatten. Vor den Spielen schlafen die meisten im Hotel in der Stadt, um nicht gestört zu sein. Alle konnten telefonisch erreicht werden, bis auf eine, die in einem Appartement in der Stadt mit ihrem Freund weilte. Der arme Delegationsleiter durfte also um 1.30 durch das nächtliche London laufen, in der Hoffnung die privat gemietete Unterkunft zu finden. Würde ein Name an der Tür stehen?- wohl kaum der der Spielerin? Schlussendlich konnte er das Appartement finden und die Spielerin aus dem Bett holen, um ihr zu sagen, dass sie schnell schlafen soll, um eine Stunde früher zu spielen.

Für mich bedeutete es, gegen 2 Uhr im Olympischen Dorf anzukommen, schnell schlafen zu gehen und um 6.15Uhr aufzustehen, um mit dem ersten Shuttle zum Venue zu fahren. Frühstück muss in solchen Fällen dann mal ausfallen. Die deutsch-deutsche Begegnung selbst war dann eine klare Sache.

Allerdings habe ich inzwischen die Poliklinik des Olympischen Dorfes kennengelernt. Leider hat einer unserer Spieler eine schwerere Verletzung, bei der nur eine Kernspinntomographie (MRT) Klarheit bringen konnte. Ohne Probleme war innerhalb von wenigen Stunden ein Termin vereinbart und ein exzellentes MRT erstellt, dass uns sehr geholfen hat, die richtigen Therapieentscheidungen zu finden. Nun bleibt zu hoffen, dass es gelingt, den Spieler so hin zu bekommen, dass er ohne Handicap spielen kann. Wir werden sehen…

… und mäßig weitergegangen

Nach gutem Start am ersten Tag und einer ersten Niederlage am zweiten Tag stellte sich der dritte mit einem Sieg und der vierte mit 2 Niederlagen als unbefriedigend heraus. Während Sara und Laura heute in einem Spiel auf höchstem Niveau unglücklich gegen Brasilien unterlagen und Lust auf mehr machten, sind Kai und Joni kläglich eingegangen. Gegen Holland gab es mit 21:9 die höchste Niederlage in einem Satz bisher bei diesen Olympischen Spielen, im zweiten Satz besserte sich das an Arbeitsverweigerung grenzende Spiel zwar, aber beide konnen nicht annähernd zeigen, was sie wirklich können. Nun stehen wir mit dem Rücken zur Wand, im letzten Spiel muss Venzuela geschlagen werden, um als Dritter eine Chance zu haben, weiter zu kommen.

Sicher weiter sind bisher nur Jonas und Julius, die am Mittwoch abend gegen die Schweizer Freunde Heyer/Chevalier um den Gruppensieg spielen.(Dürfte im Fernsehen zu sehen sein, im Zweifel Livestream auf ARD/ZDF-Homepage)London hat sich inzwischen an die Spiele gewöhnt. Im Verkehr läuft es besser, wer sich nicht interessiert, hat die Stadt verlassen, alle anderen haben sich scheinbar arangiert. Der Kartenverkauf ist wie erwartet zusammengebrochen, VIP-Tickets, die nicht benutzt werden, sollen nun auch in den Verkauf gelangen um die leeren Ränge bei den ausverkauften Veranstaltungen zu füllen.

Ticketpreise sind ein eigenes Thema. Hier kosten Karten für Schwimmveranstaltungen locker 200 Pfund(250 Euro), auch beim Beachvolleyball ist die günstigste Kategorie mit 25 Euro nicht gerade billig und man sitzt so weit weg, dass man eigentlich ein Fernglas braucht.Auf dem Schwarzmarkt werden Leichtathletikkarten über 1000€ gehandelt. Stichwort Schwarzmarkt. Einer unserer Betreuer versuchte überzählige Karten (zum Nennwert)  zu verkaufen und wurde prompt von drei Polizisten vorübergehend festgenommen. Wachsam sind sie, die Briten.

 

Vor dem Haus steht ein Pferd

Seit ein paar Tagen steht vor unserem Eingang ein schwarz-rot-goldenes Pferd, auf dem sich die Olympiamannschaft verewigen soll. Niemand weiss so genau, warum wir ein Pferd haben und keinen Adler, – die Australier haben drei Emus, aber vielleicht hat es ja damit zu tun, dass man schon wußte, dass die heutigen ersten Goldmedaillen durch die Reiter eingefahren werden würden.

Pferde stehen auch an  unserer Wettkampfstätte der Horse Guards Parade. Zwei Pferde mit Reitern in Schmuckuniform stehen draussen rum, zwei weitere bewachen symbolisch die die Eingänge. Die wirklichen Wachen sind Soldaten und Polizei mit Maschinenpistolen, wie sie auch durchs Dorf patroullieren.

Die Briten, die vor 150 Jahren ihre Kolonien ausquetschten, um sich mit deren Geld die gesamt Anlage dort zu bauen, leisten sich heute eine teure, sinnentleerte Tradition. Für Touristen sind diese Pferdewachen schöne Fotoobjekte, aber der Unterhalt der gesamten Anlage und das Personal dürften den englischen Steuerzahler ne Menge kosten. Die Pferde stehen geduldig, wie die Soldaten des Wachbataillons, aber – im Gegensatz zu den Menschen- scheiden sie ihre Stoffwechselendprodukte eben dort aus, wo sie stehen.

Was lag also näher, als echte Pferdescheisse einzusammeln und unserem Pferd im Olympischen Dorf unter den Hintern zu legen? Gesagt- getan, Handschuh an, Pferdeäpfel in einen der Regenponchos gewickelt und in den Rucksack gestopft. Bei der Eingangskontrolle am Dorf wurde der Rucksack gescannt, aber nicht als auffällig eingestuft. Geschafft –!! schon hat unser deutsches Pferd echte englische Pferdeäpfel. Zumindest in den letzten 24 Std hat sich noch keiner bemüßigt gefühlt, das wegzumachen;-)

Noch ein Wort zu London und seinen Bewohnern. Auch wenn die meisten der Freiwilligen, die hier helfen, nicht aus London und oft nicht einmal aus England kommen, hat man doch den Eindruck einer ehrlichen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft mit dem nötigen Quäntchen Humor. Polizisten geben Ihren Hut ab, wenn man ein Foto damit haben will, schenken einem noch einen Pin der englischen Polizei und sind ansonsten völlig locker. Ich gebe zu, dass ich noch keinen gefragt habe, ob ich seine Maschinenpistole mal haben kann;-).

PINS, also kleine Anstecker meistens mit der Nationalität drauf sind, wie bei allen Spielen, die ich bisher besucht habe, der Renner und so etwas wie eine Währung. Wir haben 25 vom Deutschen Olympischen Sportbund bekommen und sind so gut ausgestattet für einen regen Handel. Eine weitere Währung sind Weingummirollen, die es bei uns am Wettkampfort gibt.

42 g, ca. 200kcal – man sollte sie nicht essen, aber man kann sie tauschen. Oft gegen guten Willen und hier im Dorf gegen Wein und Bier, dass es offiziell nicht gibt im Olympischen Dorf.

Jetzt heisst es Daumen drücken für die 3 Teams, die noch nicht sicher weiter sind! Wer das ganze live verfolgen will, möge sich die entsprechende kostenlose App runterladen (London2012).

Donnerstag abend wissen wir mehr!

Gut losgegangen

Die Eröffnung der Olympischen Spiele ist DAS Highlight auf der Welt. 160 Staats- und Regierungschefs versammeln sich im Stadion, Security steht über allem. Strassensperren und ausgesetzer Busverkehr für Athleten erschweren die bewegung in der Stadt und allen müssen sich unterordnen dem einen Ziel: Tolle Bilder zu liefern.

Wer die Feier im TV gesehen hat, mag beeindruckt gewesen sein, alle die ich gesprochen habe und auch jene, die live dabei waren, haben sich so geäußert.

Nachdem wir Funktionäre diesmal nicht mit einmarschieren durften, konnten wir zumindest die Fernsehbilder live im TV und die Begleitaktionen (Bond-Fallschirme etc) live aus dem Fenster sehen, weil wir aus dem Zimmerfenster direkt auf das Stadion schauen.

Für mich war es eine gut gemachte Show, aber was das mit Sport und Olympia zu tun hatte, konnte sich mir bisher nicht erschließen. Und beim Feuerwerk wurde ziemlich gespart.

Vile wichtige als die Feier war für uns, dass es endlich los geht. Und wie! 2 Siege am ersten Tag, viel Nervosität, die schließlich erfolgreich in Leistung umgesetzt wurde. Da hat die Psychologie gute Arbeit geleistet. Bisher sind alle auf den Punkt fit gewesen und auch für heute sollte es so sein, dass körperliche Gründe für ein sportliches Versagen keine Rolle spielen sollten.

Ab jetzt orientiert sich alles an den Spiel und Trainingsplänen der Teams. Vorbereitung und Nachbereitung bei 4 Teams individuell zu halten fällt schwer, weil wir vom Olympischen Dorf zum Verantaltungsort immer ca. 1 Stund incl. Fußweg rechnen müssen und einige Teams es bevorzugen, sich vor Spielen in verschiedenen Hotels aufzuhalten. Eine sinnvolle Entscheidung, dass hier der Abstand zum Trubel im Dorf gesucht wird, aber für die Medizin eine zusätzliche Belastung.

Los gehts jetzt zum zweiten Spieltag, an dem Sara und Laura sowie Kai und Joni ihre ersten Auftritte haben weren. Ich hoffe die Nerven halten, denn keines der Spiele ist schon gewonnen. Leichte Gegner gibt es hier nicht.

Eingewöhnen – das Dorf wird voller

Der dritte Tag – nachdem fast alle SpielerInnen da sind (heute kommen noch Brink/Reckermann mit Trainer, der hoffentlich den versprochenen Rotwein einfliegt und dem nicht das mMißgeschick passiert, dass, wie bei mir eine Flasche kaputt geht), ist geprägt von organisatorischen Kleinigkeiten. Z.B. haben die Duschen Filter, die den Wasserfluss regulieren, die aber mit wenigen Handgriffen ausgebaut werden können, damit überhaupt mal genug Wasser rauskommt. Unsere Fenster sind verriegelt, damit niemand rausfallen oder bößwillig runterspringen kann, wenn er nicht gewonnen hat. Aber auch die Fensterverriegelung haben wir inzwischen geknackt, jetzt können wir wenigstens mal lüften. Der Himmel zieht sich zu,vieles spricht für Regen am Eröffnungstag. Es ist stickig und die Aircondition verdient den Namen nicht.

 

Durch die Öffnung der Olympic Lanes wird unsere Fahrzeit zum Training um etwa 30 Minuten kürzer, es sind nur noch 40 Minuten Fahrt. Erste Trainingseindrücke der Spieler sind interessant. Der Sand ist tiefer als auf jedem anderen Turnier, was bedeutet, dass die Sprunghöhe etwa 5 cm niedriger ist im Durchschnitt. Große Spieler sind im Vorteil, kleine haben es schwerer auf Höhe zu kommen und sind in ihrm Spiel eingeschränkt. Es wird anfänglich viele  Netzkantenbälle im Angriff geben. Da de Trainingscourts nicht so tief sind, muss sich jedes Team erst einml an den Centercourt gewöhnen. Ich bin gespannt, ob wir Überraschungen erleben werden.

Das Dorf füllt sich langsam, täglich reisen Gruppen an und werden im Haus verteilt, gestern kamen die Schwimmer.

In der Mensa sind zu Stoßzeiten die Sitzplätze knapp, im viel zu kleinen Fitnesscenter drängen sich die Mannschaften morgens und nachmittags.

Ich war heute im Kraftraum, ein bißchen Sport muss auch der Doktor machen, denn heute reist Julius Brink an, der gerade einen Film über den fettesten Tank aller Zeiten dreht und mich täglich zu meinem Gewicht und meinen Eindrücken interviewt. Begonnen hat er bereits in Klagenfurt. Die Ausstrahlung wird nur intern vorgenommen:-))

Wir leben uns ein, suchen noch einen geeigneten Ablauf für alle Teams und ein Kommunikationssytem, in dem alle das Nötige wissen und nicht mit zuviel Input überfordert werden. Wenn das Turnier läuft gehen alle Teams ihrer eignen Routine nach und wir Funktionäre müssen uns an alle Teams gleichzeitig anpassen – das wird stressig, aber ist durch die Erfahrung der letzten beiden Spiele leichter zu bewältigen.

Der Höhepunkt kommt noch…mehr wird nicht verraten.

Die Hockeyspielerin, die die Fahne beim Einmarsch tragen wird, wohnt 2 Etagen unter uns und feierte die Entscheidung in der Mensa. Gute Stimmung im Haus!

London – endlich da!

Um 13.35 hebt die Maschine nach London ab. Bestes Wetter auch in London wird uns vom Kapitän gesagt. Das Einchecken auch meines Übergepäcks (ich hatte 6 Flaschen Riesling gekauft, weil ich für den weißen, Jürgen (Trainer Brink/Reckermann) für den roten Wein, zuständig bn, klappte ohne Meckern (51 Kilo sind Sperrgepäck, aber ansonsten war alles entspannt.)

Die Ankunft in London ist schon besonders, weil der Himmel wolkenlos ist und der Pilot uns aus der Luft die olympischen Sportstätten zeigt. 20 Minuten zu früh landen wir und stehen ersteinmal auf dem Rollfeld rum, weil keine Parkposition frei ist. Dann steigen wir aus und stehen am Gepäckband, dass einen Koffer nach dem andern ausspuckt und alle sehen gleich aus. Mit mir im Flieger waren Reiter, Bogenschützen und über 30 Ruderer. Nicht einfach sein Tasche zu finden, aber schießlich habe ich alles beisammen und komme in die Ausgangszone, wo wir von einem oOffiziellen abgeholt werden.

Wir sollen Wasser kaufen und auf die Toilette gehen, man rechnet angesichts der Verkehrssituation mit 2-3 Stunden fahrt durch London , um ins Olympische Dorf zu gelangen.

Es geht tatsächlich erstmal nicht los, dann auf einen Parkplatz , wo irgendwas zu regeln ist und dann endlich in den Stadtverkehr. Stop and go die meiste Zeit, dann endlich wird es grüner und schneller und wir fahren scheinbar nördlich um die City herum. Nachdem der Busfahrer in einem Kreisel 3 Runden gedreht hat und wir schon glauben, er wisse nicht weiter, stellt sich raus, dass er schließlich doch weiß wo es lang geht und wir sind quasi im Olympischen Dorf, nur auf der falschen Seite. Drumrumfahren dauert noch mal 15 Minuten, nicht weil es so groß wäre, sondern weil es sich staut…

Dann kommt der Sicherheitcheck.Ein Soldat geht durch den Bus und schau nach, ob irgendwo ein Terrorist versteckt ist, er ruckelt an allen Verkleidungen, schaut unter die Sitze und auch von außen wird der Bus mit Spiegeln von unten abgesucht, Hunde testen aus Sprengstoff. Dann sind wir drin, ich bekomme meine aktualisierte Akkreditierung und dann geht es mit dem Bus zum Quartier.

Große Begrüßung, denn fast alle „Verwaltungs- und Organisationsverantwortlichen“ kenne ich vom letzen Mal. Ich bin diesmal „nur Arzt“ allerdings muss ich auch weiterhin einige „Teamleiter“-Funktionen wahrnehmen. Ich wohne im 8. Stock, Block D mit Blick auf das Olympiastadion, die Schwimmhalle und den Hockeyplatz.

Die Ausstattung ist spartanisch, ein Schrank für 2 Athleten, das gab es selbst in Athen nicht, keine Stühle und kein Tisch zum Arbeiten, aber ein Sofa und mit Styropor gefüllte Sitzsäcke, ein Fernseher, ein Kühlschrank. Jeder hat einen Nachttisch und darin ein abschliessbares Fach, eine LED-Leuchte zum Lesen und als ich meinen Laptop anschalte 5 WLan-Netze…. Dazu eine Matratze mit Sprungfedern. Ungesünder geht es nicht. Ich überlege spontan, ob ich mir nicht eine eigene Matratze kaufe, weil WLan kann nicht abgeschaltet werden.

Die Ausstattung ist qualitativ untere Kategorie, die Verarbeitung im gesamten Appartement schlecht. Duschwassr hat kaum Druck, die AirCondition schafft es nicht auf die angezeigten 18 Grad.

Man hat den Eindruck, als sei den Londonern nach großen Ankündigungen das Geld ausgegangen.

Das Dorf ist kompakter als in Athen oder Peking, 9 Stockwerke machen es möglich, es ist alles in kurzen Fußmärschen zu erreichen, was hier sein muss: Essenhalle mit Cocacola und McDonalds-Ständen, Busbahnhof, Krafträume, ein Internetcenter mit 80 PC´s, Spielecenter und, was es zuvor bei Olympia nicht gab, Strassenstände, die Essen anbieten, gerade wie so eine Fressmeile auf dem Alstervergnügen. Kosten uns nichts, das ist das Wichtige.

Die Busse fahren für unseren Geschmack zu selten zu den Veranstaltungsplätzen, zum Beachvolleyball ist es eine Busfahrt von 1Std15 Min, wenn es gut geht.

Ab morgen sollen auf den Strassen die Olympic Lanes geöffnet sein, also Fahrspuren, die nur Olympiafahrzeuge benutzen dürfen. Leider sind sie aus strassenbaulichen Gründen nicht durchgängig, und dann stehen unsere Busse genauso im Stau. London hat das Verkehrsproblem nicht gelöst, bedeutet es doch für uns, dass die Teams 3 Stunden vor dem geplanten Training oder Spiel losmüssen. Bloß gut, dass wir 300 m entfernt vom Centercourt ein Apparthotel haben, in dem unsere Athleten und Trainier tagsüber oder auch mal über Nacht bleiben können. Das erleichtert die Sache erheblich.

U-Bahnfahren ist auch keine Lösung, weil wir aus dem Dorf 15 Min zu Bahn laufen müssen, dann etwa 35 Minuten stehen, weil es kaum Sitzplätze gibt und dann noch mal 10 Minuten laufen, danach eine große Sicherheitskontrolle, da gewinnt man auch keine Zeit. Wir haben eine Oystercard, also die kostenlose Benutzung aller Nahverkehrsmittel, aber wirklich beschleunigen kann die das Geschehen auch nicht. Die Karte wird erst interessant, wenn man ausgeschieden ist und feiern will.

Dennoch: Central London ist sehenswert. Wir spielen in der Nähe des Buckingham Palace, an der Horse Guards Parade, und schauen vom Centercourt direkt auf eines dieser königlichen Bauten.

Allerdings war der Aufbau heute noch nicht fertig, dennoch will man am Samstag alles parat haben.

Kein Einmarsch

Manches ändert sich auch bei Olympia. Neuerdings dürfen nur Athleten einmarschieren und maximal 1 Offizieller jedes Verbandes. Dadurch wird der Einmarsch schneller und die Zeremonie nicht so gezerrt. Ich habe beim Streit um die eine Einmarschmöglichkeit meinen Verzicht erklärt, – ich hab das schon zweimal erlebt und gönne es jedem anderen. Wir werden auf dem Balkon sitzen und von dort bei einem Wein das Feuerwerk ansehen, von dem wir gestern um Mitternacht eine kleine Kostprobe bekommen haben.

Wer mich sehen will muss enweder ins Stadion kommen wenn Deutschland Beachvolleyball spielt, oder im Fernsehen genau hinschauen. Ich werde voraussichtlich hinter meinen Spielern sitzen, im Freien, leider auch bei Regen, der am Wochenende wieder einsetzen soll.

Soviel für heute!

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