Letzte Meldung

Nun ist es fast geschafft. Nach 2 Tagen aerztlichen Dienstes in der Zentrale (normalerweise immer ein Internist und ein Orthopaede vorort- gestern habe ich alleine beides gemacht, ich, der Hautarzt), mit einigen fuer die Kollegen doch verwunderlichen Taten (Herzrhythmusstoerungen kann man auch chirotherapeutisch innerhalb von Sekunden beseitigen – da wundert sich der Internist:-)), wollte ich meinen heutigen letzten Tag eigentlich nutzen, um etwas von Peking zu sehen. Nun regnet es wie aus Eimern, und das meine ich woertlich so, bisschen Regen und voruebergehende Schauer gibt’s hier nicht, hier gibt’s nur ganz oder gar nicht, so dass ich nun doch meine letzte Kiste packen und das Appartment der Jungs ausraumen muss, weil die sich mit ihren Maedels im Hotel vergnuegen und ihr Zimmer im Dorf nun von den einreisenden Seglern und Reitern, die verstaendlicherweise zur Abschlussfeier wollen, belegt werden muss. Kann schon sagen, dass Delegationsleiter von 4 Teams ein ziemlich beschissener Job ist, und wenn man dann noch Dienste schieben muss, ist es fast schon unfaehr, zumal ich ja dafuer auch noch teuer bezahle, denn niemand ersetzt mir meinen Praxisausfall.

Aber ich habe doch einiges gelernt:

Zum Beispiel jagt ein Australier, der mit seinem Speer in die Mensa geht sein Essen nicht unbedingt selbst.

Steine koennen singen – zumindest hier im Dorf, wir werden immernoch aus den Steinattrappen, die vor den Haeusern stehen, mit lieblichen Klaengen beschallt

Chinesen sind an sich freundlich, aber sie kontrollieren alles. Wenn man die Zimmerbelegung aendert und die Trainer anders unterbringt, kommen ploetzlich irgendwelche Reparaturtrupps und bauen die Kameras und Mikrophone um (Wirklich so geschehen hier).

Eine wirklich starke Beleidigung ist das „auf die Augen des Gegenuebers zu zeigen“ . Als der Bus nicht fahren wollte, hat Ekke dem Busfahrer deutlich die Meinung gesagt und ihm dabei mit 2 Fingern auf die Augen gezeigt. Der war so fertig, dass er wutentbrannt den Schluessel genommen hat und ganz abgehauen ist, aber sofort kam Ersatz und es ging endlich los.

Die Wahrung des Gesichts ist am Wichtigsten. Wenn man Chinesen ignoriert, trauen sie sich meistens nicht einzuschreiten. So geben wir schon lange nicht mehr unsere Taschen am Mensaeingang ab (Not allowed to take food away), sondern gehen einfach durch, am besten, wenn man den Chinesen dabei in die Augen schaut – das moegen die nicht:-)) – dabei ist es fuer uns soooo einfach stark zu wirken.

Die Eingangskontrolle zu den Wettkaempfen soll eigentlich nur Athleten der gleichen Sportart einlassen. Man nehme also 3 entsprechend akkreditierte Athleten vorweg und 30 Leute laufen einfach hinterher und ueberrennen die Kontrolle(bloss nicht stehen bleiben), klappt bis jetzt immer. So sind wir ohne Ticket zum Handball gekommen, Hockey und Leichtathletik sollen so auch zu besuchen sein.

Ich hab’s leider nur einmal zum Handball geschafft, und bin dann nach dem Ausscheiden im Athletenbus mit den Jungs zurueck gefahren. Ne Beerdigung ist lustiger…

Man lernt auch, dass Chinesen ihre Freundlichkeit sofort verlieren, wenn es um ihre Sportler geht, Fairness gibt’s nicht, da zaehlt nur das eigene Land.

Fernsehbilder und Zeitlupen von chinesischen Athleten zeigen nie die kleinen Fehler, die die z.B. beim Turnen machen.

Inzwischen broeckelt die Farbe ab, der Rost der Balkongelaender kommt durch und der Putz wirft Blasen. Es wird auf den publizierten Bildern alles schoen aussehen, aber die Substanz ist „Made in China“.

Bussfahren mit Dirk Novitzki kann gefaehrlich sein. 25 Chinesen meinten, sie muessen unbedingt noch ein Foto von „Nowalski“haben, als der Bus anfuhr. Haette Verletzte geben koennen.

Selbstverstaendlich nimmt man auch positive Eindruecke und Erlebnisse mit. Einige werde ich nach Ablauf der Publikationssperre (27.8.) hier ins Netz stellen.

Ich hoffe es war ausreichend interessant, der Blog endet hier, ich fliege morgen zurueck.

„Deutschlaaaand!

Fuenfter Platz fuer Eric und David

Heute nur kurz: wir sind raus! David und Eric haben gegen USA verloren, was an sich keine grosse Ueberraschung ist.

Nachden sie sich zunaechst an die Taktik des Trainers gehalten und ueber Dalhauser zum Erfolg zu kommen versucht hatten, ging der erste Satz deutlich verloren und wir hatten keine Break-Chance. Es spricht fuer unsere beiden, dass sie die Taktik aenderten und damit Erfolg hatten. Todd Rogers, der in diesem Turnier insgesamt nicht seine bekannte Leistung bringt, wurde erfolgreich unter Druck gesetzt, so dass wir mehrfach fuehrten. Beim Stand von 8:7 kam es dann zu der auch in der Presse diskutierten Fehlentscheidung. Dalhauser griff beim Block ueber und beruehrte den Ball, bevor David ihn gespielt hatte. Ein klarer Regelverstoss, den jeder im Stadion gesehen hat, nur die beiden Herren Schiedsrichter entschieden auf regulaeren Punkt fuer USA. Das regte Eric und David (berechtigterweise) dermassen auf, dass sie mit dem Schiedsrichter diskutierten und dann zunaecht eine gelbe Karte wegen Spielverzoegerung und dann eine rote Karte (Punkt fuer USA) erhielten. Statt 9:7 fuer uns stand es 9:8 fuer die USA. Dennoch erreichten David und Eric beim Stand von 20:18 zwei Satzbaelle (ohne die Fehlentscheidungen haetten wir den Satz bereits gewonnen), schlugen aber jeweils gaaaaanz knapp ins Aus. Danach machten die Amis, was sie koennen: cool bleiben und auf die Chance warten, die dann zum 22:24 kam.

Zumindest einen dritten Satz haette das Spiel verdient gehabt, und wer den gewonnen haette, werden wir nie erfahren.

Nach Rueckkehr ins Dorf wurde mir gleich eroeffnet, dass ich morgen und uebermorgen in der Medizinzentrale Dienst zu schieben habe. Find ich gar nicht komisch, weil ich eigentlich mal was von Olympia sehen wollte, aber muss ich wohl machen. Nachdem die meisten Teams nun vorzeitig nach Hause fliegen, werde auch ich versuchen, Peking den Ruecken zu kehren und mich um die Praxis zu kuemmern. Mal sehen ob man den Delegationsleiter ohne vollstaendige Delegation weglaesst, oder ob ich wegen einiger weniger doch die gesamte Zeit hier sein muss. Schliesslich ist ja Ende August wieder Deutsche Meisterschaft in Timmendorf, also schon wieder die Praxis geschlossen.

Da war es nur noch eins

Die Maedels haben es hinter sich…

Nachdem Sara und Laura nie ihre Nerven in den Griff bekommen haben und die Oesterreicher das Turnier ihres Lebens spielten, ging das Spiel trotz 14(!) direkter Aufschlagpunkte ungluecklich verloren. Wir haben zwar das Spiel dominiert und auch mehr Punkte als der Gegner erzielt, leider aber nicht die entscheidenen Punkte gemacht. Das aber unterscheidet ein gutes Team von einem besseren Team. Und an diesem Abend waren die Oesterreicherinnen, die nichts zu verlieren hatten, eben genau um das Quentchen lockerer, konsequenter und gluecklicher, um den letzten Punkt zu erzielen.

Unser „B-Team“ ;-)) hatte es etwas schwerer. Mit Brasiliens Verlegenheitsmannschaft (Ana Paul spielt fuer die Kreuzband-geschaedigte Juliana) wartete eine loesbare aber nicht leichte Aufgabe. Nachdem sich die Taktik in den ersten Ballwechseln als richtig erwies und wir 7:2 fuehrten, brauchten die Brasilieanerinnen genau eine Auszeit, um sich klar zu wereden, dass der Schluessel zum Spiel bei Stephie lag. Nach dieser ersten Auszeit wurde Stephie unter Druck gesetzt und hielt diesem nicht stand. Okka’s Bemuehungen ihr zu helfen brachten keine Stabilitaet, so dass am Ende eine schlechte deutsche Leistung zu einem klaren Sieg der Maedels aus Ipanema fuehrte. Immerhin gewann mit Ana Paula eine der Grande Dames des Beachvolleyball ihr wohl letzten Spiel bei Olympischen Spielen. Gegen die USA heute wurde Brasilien naemlich von Misty und Kerry demontiert. Mit Ana Paula verlaesst eine der Spielerinnen mit starker Ausstrahlung und beeindruckender Persoenlichkeit den Olympischen Zirkus. Von ihrer Sorte fehlen welche auf der Tour…

Ueberraschungssieg gegen China

David und Eric konnten am folgenden Morgen erstmals ihre volle Leistungsfaehigkeit abrufen und liessen sich auch nicht von den 12 000 ueberwiegend chinesischen Zuschauern beeinflussen. Deutlicher als gehofft konnten die Chinesen bezwungen werden. Allerdings wartet in diesem Baum des Spieltableaus nun USA I (Rogers/Dalhauser). Dieses Duo hatte zuletzt immer Glueck, wenn es knapp wurde und duerfte nur sehr schwer zu schlagen sein. Und falls wir diese Huerde meistern sollten waere mit Nummerdor/Schuil im Spiel um den Einzug ins Halbfinale der dritte superschwere Brocken vor uns.

Aber wir denken von Spiel zu Spiel und haben den Vorteil, dass nach den anfaenglichen Leistungen der beiden niemand mehr etwas erwartet. Vielleicht schafft das die noetige Lockerheit, die allen anderen Teams hier gefehlt hat.

 

Langsam zeigen sich Ermuedungserscheinungen

Das Hauskeeping, bei uns von Blauhemden (=unbezahlte Freiwillige) durchgefuehrt, wird immer schlechter. Gefegt wird nur in der Mitte des Zimmers, falls etwas rumliegt wird es nicht hochgehoben, sondern drum rum gearbeitet. Inzwischen schrubben wir das Bad selbst, weil die chinesischen Normen fuer Hygiene hier immer mehr Platz greifen. Dass die Waescherei ihren Namen nicht verdient, hatte ich schon mal bemerkt. Aber das gelieferte Handwaschmittel ist super. Mann legt die Sachen etwa 8 Stunden ein und muss dann gut spuelen, damit wird’s auf jeden Fall sauberer, als in der Waescherei. Und die Haende sind auch gleich sauber, man muss nur aufpassen, dass einem nicht die Haut abfaellt :-).

Gestern waren Ekke und ich erstmals im Deutschen Haus. Bier aus Glaesern, Essen von Geschirr aus Porzellan und Metallbesteck!Wer wir wir nun fast 3 Wochen nur von Pappe isst und Plastikbesteck bekommt (Green Olympics, alles wird recycelt – sagen sie jedenfalls), freut sich auf „anstaendiges Besteck und Geschirr“.

Das Deutsche Haus, im Hotel Kempinski gelegen, ist ein Treffpunkt fuer Athleten, Trainer und Sponsoren. Das deutsche Fernsehen haelt sich dort auf und dreht in einem abgeteilten Bereich. Und man kann ARD/ZDF sehen und bekommt mal etwas mit. Ansonsten ist dort alles akkreditiert, dass sich wichtig fuehlt, oder als solches angesehen wird. Natuerlich alle Olympiateilnehmer und deren vollakkreditierte Coaches. Wer zu den Hauptsponsoren gehoert, kann Leute einladen und diese haben dann den vollen Service. Das bedeutet: man kommt durch die per Fingerabdruck gesicherten Eingaenge rein und raus, man kann kostenlos essen und trinken, erlebt alle Medaillengewinner live auf der Buehne oder an der Theke, kann Promis treffen oder solche, die dafuer gehalten werden (Man glaubt es nicht, aber Frau Almsick ist live echt kein Hingucker), kann den Reisebueroservice nutzen und bekommt auch sonst bei ziemlich allem, was einem Probleme macht, Unterstuetzung. Und man darf auf Mercedes-Benz Shuttles zurueckgreifen, was angesichts der Taxifahrprobleme (die normalen Taxifahrer verstehen nichts und duerfen auch kaum irgendwohinfahren) eine wesentlich Erleichterung ist. Es ist nicht ratsam hier irgendwie zu Fuss oder gar mit oeffentlichen Verkehrsmittel zu fahren, obwohl unsere Akkreditierung ueberall als Ticket gilt und wir keine Fahrkarten brauchen. Busse/U-Bahnen sind voll und zwar im asiatischen Sinne voll. Einatmen wird schwierig, so wird da gedraengelt und eben auch geschickt geklaut.

Dennoch: Der Bruder eines unserer Athleten hat seine Papiere, Kreditkarte, Handy im Taxi vergessen, hatte aber gluecklicherweise die Taxiquittung in der Hosentasche. Der Fahrer ist tatsaechlich nach einem Anruf umgekehrt und hat alles unberuehrt zurueckgebracht. Ob das in Deutschland so auch passiert waere?(Bei uns gibt es ja kaum einheimische Taxifahrer:-)))

Heute ist Athletenabend im Deutschen Haus. Das bedeutet, dass keine „fremden Gaeste“ und vorallem keine Journalisten rein duerfen. Wir Nichtathleten sind geduldet, koennen aber bestimmte Bereiche nicht betreten, damit die Sportler mal unter sich sind. Diese Veranstaltung, die ich schon in Atlanta und Athen erlebt habe, ist ein echter Gewinn. Das deutsche Haus ist ueberladen an Menschen, von denen man sich fragt, was die da suchen, und da tut ein Tag, der der Kernmannschaft gewidmet ist, echt gut.

Auf jedenfall gibt’s lecker Weisswein und gutes Essen. Allerdings muessen wir morgen frueh raus, weil unsere Jungs um 10 gegen USA spielen und das interne Protokoll, der individuelle Count Down vor dem Spiel, startet bei uns 2 Stunden vorher. Und davor muss man wach sein, gefruehstueckt haben und seine Klamotten zum Shuttle tragen.

Ich hoffe doch sehr, dass das morgen nicht das letzte Mal ist, dass wir das Procedere durchlaufen. Unsere Hallenmannschaft weiss seit gestern, dass Olympia morgen endet, wenn sie nicht voellig unerwartet Brasilien schlaegt. Und das erwartet niemand, nicht mal sie selbst.

Ueberhaupt wird alles etwas lockerer hier, weil die, die fertig sind, feiern oder Olympiatourismus betreiben. Bis jetzt ist es noch so ruhig geblieben, dass man noch gut schlafen kann. Das habe ich schon anders erlebt.

Ich hoffe ich kann im naechsten Beitrag von einer erfolgreichen Schlacht gegen USA berichten. Fuer die, die es im Fernsehen verfolgen wollen: Wir spielen um 4.oo Uhr MESZ.

Erste Enttaeuschung – Medaillenanwaerter scheiden aus

Fairness zahlt sich nicht aus. Das mussten wir gestern lernen. Das nur bei Olympia aus vermeintlicher Erschwernis von Manipulationen eingefuehrte Wertungsystem hat sich selbst ad absurdum gefuehrt. Wer fair ist fliegt raus. Der Weltverband hat sich selbst ein Ei ins Nest gelegt und nun ist eine heftige Disskusion daraus entstanden. Ist es nun Dummheit, oder sind wir Deutschen zu ehrlich, zu fair?

Der Sachverhalt: Anders als auf „normalen Turnieren“ zaehlen Saetze bei der Abrechnung im Pool nicht. Stattdessen zaehlen nur die kleinen Punkte, also die Summe aller erzielten und abgegebenen Punkte, – daraus errechnet sich ein Quotient, die Pointratio.

Bei Gleichheit im Pool, also wenn zwei Teams gleichviele Spiele gewonnen haben (Saetze zaehlen nicht!), wird der direkte Vergleich gewertet. Wer also das Spiel gegeneinander gewonnen hat ist von den beiden gleichen Mannschaften vor der anderen plaziert.

Ganz anders ist es, wenn drei Mannschaften gleich sind. Da zaehlen zuerst die Punktquotienten. Dadurch ist dann eine Mannschaft Erster, die beiden anderen werden dann aber wieder nach dem direkten Vergleich bewertet.

Nun unsere Situation:

Durch den Sieg gegen Cuba und die Niederlage gegen USA waren Okka und Stephie vor dem Spiel mit 2:2 Punkten gelistet, Holland hatte nach 2 Niederlagen 0:4 Punkte. Da Cuba gegen USA verlor und damit 2:4 Punkte hatte, waren folgende Konstellationen denkbar:

Deutschland verliert gegen Holland, dann haben alle drei Mannschaften hinter den USA (6:0)  ein Spiel gewonnen und 2 verloren. Da diese drei nun gleich sind, zaehlen zuerst die kleinen Punkte, bei denen  Cuba sehr gut stand, da sie die Hollaender nach deren disastroeser Leistung hoch besiegt hatten. Nach dem Cuba also dann wegen des Punktquotienten Gruppenzweiter waere, wuerde zwischen Holland und uns der direkte Vergleich zaehlen, den Holland gewonnen haette und wir waeren letzter und damit raus.

Nun kaeme es also auf die kleinen Punkte an. Wenn wir Holland sehr hoch gewinnen liessen, so dass sie einen besseren Punktquotienten erreichten als Cuba, ergaebe sich die Konstellation, dann Holland zweiter ist und wir dritter, da Cuba den direkten Vergleich gegen uns verloren hat. Es wurde also eine hohe Niederlage dazu fuehren, dass wir dritter sind und damit zumindest noch ein Spiel um den Einzug in die naechste Runde haetten, eine knappe Niederlage haette zum Ausscheiden gefuehrt. Soweit das besonders sinnige System des Weltverbandes.

Dadurch dass die Maedels gewonnen haben, brauchte nicht gerechnet zu werden, und Holland war raus.

Bei den Junge ereilte uns aber das eben geschilderte Schicksal. Brink/Dieckmann haetten im zweiten Satz nicht mehr als 14 Punkte bekommen duerfen, dann waeren sie Dritter und Japan waere raus gewesen. Durch die knappe Niederlage (22:20 im zweiten Satz) wurden wir Letzter und Holland durfte um den Einzug in die naechste Runde spielen. Wer kaempft wird bestraft und wer abschenkt hat eine neue Chance – ist das der sportliche Gedanke?

Das Spiel gewannen Eric und David dann aber, so dass wir nun morgen frueh China herausfordern duerfen. Da die Chinesen vormittags und wir immer gegen Mitternacht gespielt haben, duerfte unser wesentlicher Nachteil in der Umstellung der Zeit liegen. Die Jungs haben immer bis Mittags geschlafen um nachts fit zu sein und nun sollen sie um 9 den Wettkampf beginnen. Ist zwar nicht fair, aber der TV-Forderung nach Quote geschuldet.

Heute beginnt die K.O.-Runde der Maedels, mit den Kueken gegen Oesterreich, und danach werden wir vom neu formierten Brasilienduo (eine Spielerin fiel wegen Kreuzbandrisses aus) herausgefordert. Koennte eng werden, kann aber klappen. Ich hoffe, dass heute noch nicht fuer die Maedels Schluss ist, denn ab nun bedeutet jede Niederlage das Ausscheiden (ausser im Halbfinale natuerlich).

Nach nun 2 Tagen mit reichlich Regen haben wir heute beste Bedingungen, es ist warm aber nicht schwuel und die Luft ist erstmals rein.

Heute abend bei Harald Schmidt und Harry wird HaraLd das baggern beigebracht, Studiogaeste sind Sara und Laura, die um die Zeit hoffentlich schon 5. sind!

Die Stimmung im Team ist bescheiden, was immer passiert, wenn etwas Unvorhergesehenes eintritt. Dass die Mannschaft, die sich selbst die GOLD-Medaille als Ziel gesetzt hat, nur eine maessige und zwei schlechte Leistungen zustande bringt, trifft alle schwer. Auszuscheiden, wenn man seine Leistung gebracht hat, ist okay, aber von sich selbst enttaeuscht zu sein, tut weh. Gruede gibt es viele, – dass wir unser geplantes Trainingslager nicht durchfuehren durften, ist sicher einer davon.

Ich hoffe nur, dass ich nicht heute Abend nur noch eine Mannschaft im Turnier habe und die dann morgen Mittag auch schon raus ist. Ich will zwar auch mal was von Peking sehen, aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Nun wird’s Zeit, die Maedels fahren raus und die Medizin muss mit!

Mit dem Ruecken zur Wand

Nachdem nun alle je einmal gewonnen und verloren haben, sind wir auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Die teils ueberzogenen Selbsteinschaetzungen der Teams haben sich auch in ihren Koepfen relativiert. Es geht fuer alle noch ums weiterkommen. Keiner ist sicher, obwohl wir das erhofft und bei den Jungs eingangs auch erwartet hatten. Bis auf Okka und Stephie hat keines der Teams die Erwartungen erfuellt, die sie selbst an sich stellen. Waehrend die Schweizer Maenner und auch die Amerikaner bei Olympia ihre beste Saisonleistung abgerufen haben, laufen unsere Teams ihrer Form ein bisschen hinterher. Daran moegen die wirklich nicht menschenfreundlichen Anfangszeiten mitten in der Nacht und der ungewohnte Rhythmus mit Schuld sein, aber die anderern kriegen es ja auch hin. Uns fehlt nun das Trainingslager, das wir ja aus bereits diskutierten Gruenden nicht so durchfuehren konnten, wie geplant. Nun wird die Zeit im Dorf lang, die Stimmung gereizter und die Leistung schlechter. Nicht jedem gelingt es, die Vielzahl der Eindruecke adaequat zu verarbeiten.

Medizinisch haben wir es noch im Griff. Im Gegensatz zu anderen Teilmannschaften ist bei uns niemand krank, die Verletzungen halten sich in Grenzen und wir sind mit unserer Arbeit in der Lage, bisher die Einsatzfaehigkeit zu garantieren.

Nun kommt es auf die Trainer an, die die Taktik ausarbeiten muessen und auf die SpielerInnen, die das umsetzen muessen. Ab heute Abend stehen wir mit dem Ruecken an der Wand. Wenn wir nicht alle in die zweite Runde kommen, koennen wir unser Ergebnis von Athen nicht bestaetigen. Und das obwohl wir in der Weltrangliste wesentlich besser dastehen als 2004.

Interesanterweise geht es in den letzten 4 Spielen 3 x gegen Holland.Ein 2:1 sollte drin sein. Und wenn die Schweizen dann noch so freundlich sind und die Norweger besiegen, dann duerften auch Eric und David es in den „Hoffnungslauf“ schaffen,- oder sie wachsen erstmals ueber sich hinaus und schlagen mal Nummerdor/Schuil – die designierten Olympiasieger (neben Rogers/Dalhauser).

Ich hoffe dass von unseren letzen Vorrundenspielen viel im TV in D zu sehen ist und dass uns viele dieDaumen druecken. Wir haben es noetig!

Erste Niederlagen

Der gestrige Tag lief leider nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Waehrend Okka und Stephie ordentlich, aber nicht ueberragend spielten und im entscheidenden Moment nicht die Punkte machen konnten, verloren die Maenner doch ueberraschend gegen die Schweizer. Das Spiel war weit entfernt vom eigentlichen Leistungsvermoegen der Jungs und hat mit olympiareifer Leistung nichts zu tun. Wenn wir nicht mit unendlich viel Glueck Norwegen haetten schlagen koennen, waere fuer die beiden das Kapitel Olympia schon fast vorbei. Niemand rechnet ernsthaft mit einem Sieg gegen die Hollaender uebermorgen. Da bei diesen Spielen alles anders ist, als normalerweise (anderes Netz, anderer Rhythmus und vorallem zaehlen im Pool nur die Punkte nicht die Saetze (Anm: so eine daemliche Festlegung)), -lauft es mit ziemlicher Sicherheit auf ein Lucky Looserspiel am Donnerstag hinaus, wenn nicht ueberraschend Norwegen die Schweiz schlaegt. Dann zaehlen die kleinen Punkte und wir koennten schon raus sein…Ein 17. Platz bedeutet fuer den Beachbereich Maenner einen Verlust der Hoechstfoederung. Gelder, die der Verband dringend braucht und die nur in voller Hoehe fliessen, wenn im Durchschnitt ein 8ter Platz erreicht wird. Bei einem 17. Platz waere auch durch einen Turniersieg der anderen Mannschaft dieses Ziel nicht mehr erreichbar.

Heute spielen die „A“-Teams und es duerfte aehnlich schwer werden. Die Maedels sollten eigentlich gewinnen, bei den Jungs kann alles passieren.

Gestern hat es, wie auch vorgestern wieder wolkenbruchartige Niederschlaege gegeben, wobei diese Wolkenbrueche dann Stunden dauern. Im 6. (obersten) Stock hat es durchgeregnet, unter einem Bett stand eine Wasserlache und im anderen Raum kam das Wasser durch die Klimaanlage ins Zimmer und tropfte die ganze Nacht. Die Jungs haben dementsprechend heute die Nacht im Hotel verbracht. Die aeusserlich schoene Schein, der hier aufgebaut wird ist in der Tiefe nun mal chinesischen Qualitaetskriterien entsprechend. Es stinkt aus dem Lokus, die Duschkacheln platzen ab, die weissen Waende faerben ab. Und nun regnet es oben eben durch. Aber draussen werden die Hauser, Laternen etc. von aussen poliert, damit man keine Wassertropfen sieht und jedes runtergefallene Blatt wird sofort eingesammelt. Unmengen von Gaertnerpersonal ist den ganzen Tag und teils in der Nacht beschaeftigt, die Anlagen von verbluehten Pflanzenteilen zu befreien und den Algenwuchs einzudaemmen.

Die Sicherheit wird nachlaessig. Gestern Nacht um 1.30, als wird bei Regen ins Dorf zurueckkamen, bin ich mit kompletter Bauchtasche durch den Scanner gelaufen. Die Kontrolle, weil es ja piepte, dauerte 7 Sekunden und in meine Bauchtasche hat niemand geschaut. Fuer einen Revolver/eine Handgranate haette es gereicht…

Langsam kann ich das Essen in der Mensa nicht mehr sehen. Es gibt alles immer frisch, die Mensa ist 24 Std offen, aber es ist halt immer das Gleiche. Wird vielleicht doch Zeit fuer einen BicMaec. Obwohl ich mir fest vorgenommen habe, GOLDEN „M“ zu meiden…

Wegen der Teamleitersitzung heute 8.00 habe ich nur 4 Stunden geschlafen, ich muss jetzt mal versuchen noch eine Muetze Schlaf zu bekommen, weil es heute wieder spaet wird.

Ich hoffe es ist was in D im TV zu sehen, wir kriegen hier fast nichts mit.

Auftaktsiege

Der Auftakt ist gemacht! Okka und Stephie gewannen ihr erstes Spiel unter Flutlicht gegen Kuba nach Startschwierigkeiten in beiden Saetzen letztlich ueberzeugend mit 2:0 (19,17). Nach den zuletzt im Trainings gezeigten Leistungen und der bekannten Schwaeche gegen Kuba-  „die liegen uns einfach nicht“- ist es doch beruhigend, dass eine volleyballerisch mittelmaessige Leistung zu einem Sieg reichte. Es bestaetigt sich, dass bei Olympia durchschnittliche Leistungen reichen um vergleichsweise weit zu kommen, weil doch alle mit sich, den Stadion-Bedingungen und dem Presserummel ueberfordert sind.

Ueberlagert wurde der erste Beachvolleyballtag durch ein Attentat auf ein Mitglied der Crew von Eileen Youngs (unser Gegener  morgen), bei dem ein offensichtlich verwirrter Chinese zwei Personen verletzte und sich anschliessend selbst toetete. Der Schock sass tief bei den Amerikanern, dennoch erklaert das nicht die sensationelle Niederlage der Weltbesten Beachvolleyballer Todd Rogers/Phil Dalhauser gegen Lettland. So gut hat niemand die Letten vorher gesehen, – taktisch exellent eingestellt und emotional in enem Lauf! Dazu die etwas arrogante Einstellung der Amis, die erst 2 Tage vorher eingetroffen waren und sich noch nicht an Zeitumstellung und Klima gewoehnt hatten.

Vielleicht mag auch der Besuch von George Bush auf der Anlage am Vormittag (14 Autos, gesperrte Autobahn) dazu beigetragen haben, dass die Amis sich schlecht konzentrierten.

Schlechter als auf jedem Europaeischen Turnier ist hier der Athletenbereich, in dem es keinen Ruheraum, keine Fernsehuebertragung etc. gibt. Was hier als Athletslounge dargestellt wird ist mit einem Wartebereich in einem mitteldeutschen Kleinbahnhof vergleichbar. Dafuer sind aber die Bereiche fuer die VIP erster Klasse gut. Geht ja auch nicht um Sport hier …;-)

Ansonsten gab es sportlich keine Ueberraschung, David und Eric liessen sich von der Stimmung und den Gegebenheiten irritieren und hatten im letzten Spiel des Tages eigenlich schon verloren, als die Norweger dann den Sieg doch noch aus der Hand gaben. Nach einer staendigen Fuehrung im ersten Satz war dieser ueberraschend fuer uns zu 19 verloren gegangen, im zweiten stand es 18:14 und 20: 17 fuer Norwegen. Ich hatte meine Tasche schon in der Hand und wollte ins Dorf fahren, da wachten unsere Recken endlich auf und drehten das Spiel. Mit 22:20 und dann zu 7 im dritten Satz verliessen wir zusammen mit sichtlich geschockten Norwegern die Anlage im letzten Bus. Ankunft im Dorf um 1.30h, dann essen und Massage. Gegen 2.30h war ich im Bett um heute 7.30h die Mannschaftsleitersitzung zu besuchen. Schlaf fehlt an allen Ecken.

Bitte also nicht wundern, wenn ich heute beim Dreh mit Harald Schmidt, der von unseren Maedchen baggern lernen will, fertig aussehe. Ich habe auch fertig!

Eröffnungsfeier

Gestern war EINMARSCH, wir sind in Peking einmarschiert! – mit Fahne vorweg, wie es sich fuer gute Eroberer gehoert. Nach eine vergleichsweise kurzen Wartezeit von nur etwa 2 Stunden, die wir im Indoor-Stadium  verbringen mussten, in dem alle Nationen versammelt wurden, ging es los – dachten wir. Dem offiziellen Aufruf folgte das Treffen auf dem Flur, dann der Weg in der Halle zur Tuer, dann der Zickzackweg in der feuchten Hitze zum Stadion.Spaetestens hier war man nass unter dem netten spiessigen grauen Jacket. Der Weg dauerte aus zwei Gruenden so lange. Erstens, weil die Organisatoren keinen Verstand fuer die Spezies Athlet haben und nur ihre Zeremonie wichtig war (man haette das Ganze wesentlich kuerzer und weniger belastend gestalten koennen) und zweitens, weil unser Fahnentraeger ein dermassen bekannter Mann in China ist, dass er alle 2 Meter ein Autogramm- oder Fotowunsch erfuellen musste. Im Tunnel amgekommen, skandierten unsere Atnhleten:“wir wolln die Fahne sehn!“ und der arme Basketballstar musste kraeftig wedeln. Dann ging  es los und wir sind wesentlich entspannter einmarschiert, als in Athen. Ich konnte es sogar geniessen, wobei es schon komisch war, dass alle in den vorgegebenen 10er Reihen rechts gehen wollten (da standen naemlich die Kameras). Muss ziemlich unsymmetrisch ausgesehen haben, die Pulkbildung rechts…(wegen der Schuhe koennen bestimmt viele Athleten paar Tage nicht richtig laufen, meine Fuesse sind trotz Tape wund)

Ansonsten war es so, wie man es erwartet, – kaum waren wir drin und an unserer Warteposition angekommen, waren wir nicht mehr interessant, denn wenn die Fahne an ihrem Platz ist, ist das Ziel erreicht. Wir standen also planlos rum und da gleichzeitig China einlief, wurde es laut im Rund. Dirk N. aus D musste unzaehlige Fotos machen, obwohl er seinen Anzug komplett durchgeschwitzt hatte. Immerhin hab ich dann etwas einfaedeln koennen, dass es noch nicht gab: Unser Fahnentraeger trifft den ehemaligen Tennisweltranglisten-Ersten aus der Schweiz. Diese Fotos hat kein Journalist!!! Durch die Kontakte mit den Schweizern, mit denen wir das Trainingslager geplant hatten, konnte ich anfragen ob das klappt und das Geburtstagskind aus der Schweiz hielt Hof und empfing den mehr als einen Kopf groesseren Deutschen. So ist halt die internationale Reihenfolge.

Namen darf ich im BLOG nicht nennen, deswegen hoffe ich, dass mir alle folgen koennen.

Im weiteren war uns klar, dass wir am weitesten vom Ausgang entfernt standen und da die Rueckreise ins Dorf ungeordnet geplant war, also: wer im Bus sitzt, ist drin und faehrt mit und wer frueh drin ist ist auch als erster im Bett – daher habe ich meine Beacher gesammelt und mich waehrend des Olympischen Eides und der Hymne durch die Reihen der anderen Nationen gearbeitet und war dem Ausgang ziemlich nahe, als die Fackel 2 m an uns vorbeilief und dann in luftiger Hoehe die Stationrunde drehte. Mit Entzuenden des Olympischen Feuers und einigen ersten Feuerwerkskoerpern wurde der Run auf die Busse eingeleitet und wir schafften es als so ziemlich die ersten der 12 000 im Bus zu sitzen und ins Dorf zu gelangen.

Die Eindruecke sind ueberwaeltigend. Was die Chinesen tun, um ihr Land und ihre Spiele in ein positives Licht zu ruecken, waere in keinem kapitalistischen Land moeglich. Bein uns gaebe es Etatdiskussionen und Geldmangel an allen Enden, hier wird befohlen und es passiert. Dass dafuer hunderttausende Wanderarbeiter ausgebeutet werden, interessiert niemanden und wir verschwiegen, aus dem Bild geloescht, hinter bunten Beijing-Stellwaenden versteckt.

China setzt Massstaebe. Man kann Stimmung nicht kaufen, aber sie tun aus ihrer Sicht alles, damit es positiv wirkt. Wir aergern uns zwar manchmal ueber dumme, unsinnige Ablaeufe und Entscheidungen, aber die gab es auch in Atlanta oder Athen. Eigentlich kann man niemanden etwas Schlechtes nachsagen, auch wenn man sich immer kontrolliert fuehlt. Im Dorf sind ueberall Steinattrappen aufgestellt, die Lautsprecher enthalten.(ueber die KAMERAS HATTE ICH JA SCHON GESCHRIEBEN) Gestern wurde das gesamte Dorf mit chinesischer Musik beschallt, auch die Flure in den Haeusern. Wir haben uns beschwert, weil das gar nicht auszuhalten war, aber fuer die Chinesen ist das toll.

Uebernacht werden hier die Teiche abgelassen, alle Steine geschrubbt, um die Algen zu entfernen und am naechsten Morgen hat der truebe Tuempel wieder klares Wasser, – so geht das hier.

Wer auch immer die naechsten Spiele (nach London) ausrichtet, es duerfte schwer werden, das hier zu uebertreffen.

Und an meine Heimat Hamburg gerichtet: vergesst eure Olympiabewerbung! So gern ich in meinem Hamburg Olympia haette, und so sehr ich auch der Meinung bin, dass klein und fein auch schoener waere, als das uebliche Chaos hier, wer nicht mal die Kosten fuer eine Elbphilharmonie korrekt kalkulieren kann und mit diesem Gebaeude auch etwas baut, das keiner braucht, der muss noch vieles besser machen, bis er Olympia-wuerdig wird.

Hanseaten koennten das, aber nicht solange in Hamburg Kultur wichtiger ist als Sport!

In diesem Sinne! Heute folgen die ersten Spiele und ich habe nicht so ein gutes Gefuehl, weil 3 der 4 Protagonisten gestern im Stadion waren. Und das zu verarbeiten und sich auf das Spiel zu konzentrieren duerfte zumindest den Madels schwer fallen! Drueckt uns die Daumen, 19h Okka/Stephie gegen Cuba, 23 Uhr David/Eric gegen Norwegen. The games start!

Grosse Mauer – kleine Haeuser

Ni haou aus Beijing!

Gestern waren wir auf der Chinesischen Mauer. Nach zunaechst 30 Minuten in praller Sonne, weil der Bus nicht da war, wo wir ihn hin bestellt hatten und mehreren genervten Athleten fuhren wir nach Norden Richtung Mutianyu. Dort wurden wir von einer Horde von Hollaendern in Oranje ueberrascht. Wie sich spaeter rausstellte, waren es die Bediensteten des Hollaendischen Hauses hier in Peking, die einen Betriebsausflug machten. Unser Guide Kong Lin war aber clever und besorgte die Karten fuer die Seilbahn, mit der man auf die Mauer kommt, so schnell, dass wir die Oranjes ueberholen konnten. Der von uns besuchte Abschnitt der „Grossen Mauer“ ist restauriert, so dass man sich gut vorstellen kann, wie die kleinen Chinesen hier durch Mini-Schiessscharten und zwischen den Zinnen hindurch die 5 Meter tiefer stehenden Angreifer bekaempft haben muessen. Die Treppenstufen sind so klein, dass der europaeische Normalfuss kaum drauf passt und eine zuegige Fortbewegung gefaehrlich ist. Da die Mauer genau auf den Gipfeln/Kaemmen der Berge gebaut ist (700 – 400 vor Chr!), macht sie relativ viele Hoehenmeter. Wir jedenfalls waren nach dem etwa 2 km- Spaziergang geschafft und nass. Bei gestern blauem Himmel und 35Grad gibt es ausser in den alle 200-300m errichteten Festungstuermen keinen Schatten. Der Weg hinab erfolgte mit einer Schlittenfahrt. Eine 1,5 km lange Schlittenbahn, – in etwa eine breite Dachrinne mit 1m Durchmesser ermoeglicht mit einem auf Gummiraedern laufenden Schlitten und einer Bremse eine recht gute Kontrolle der Geschwindigkeit. Vor jeder Kurve steht ein Chinese und bruellt mit Megaphon: Break, Break!  Weil einige von uns doch ein bisschen Schiss bekommen haben, mussten die Nachfolgenden leider bremsen und warten…:-((  dabei hatten wir eigentlich ausgemacht: wer bremst – verliert!Meine ueber 100 Kilo waren eine klarer Rennvorteil!

Nachmittags wollten wir die Altstadt Pekings ansehen (Hutons). Die Rikschafahrer wollten 15 Euro fuer einen Trip, wir boten 2 Euro und erlebten zum ersten Mal, dass wir doch zu hoch gepokert hatten. Fuer diesen Preis wollte uns keiner fahren. Bei allen anderen Verhandlungen vorher war ein Preisnachlass um bis zu 90% drin. Brillen, – nachgemachte Markenprodukte – werden bei der ersten Preisvorstellung mit etwa 45 Euro angeboten, wenn man gut handelt bekommt man eine fuer 5 Euro und noch ein Etui dazu. Den Chinesen macht Handeln Spass. Die Souvenirhaendler und auch die Staendeinhaber auf den Maerkten sind aufdringlich und fassen einen an und zerren rum. Man muss da schon deutlich gegenhalten, aber sie nehmen es einem nicht uebel, wenn man klar seine Vorstellungen durchzusetzen versucht.

So gingen wir zu Fuss durch die Hutons und lernten an den Eingaengen erkennen, wir hoch der Rang des jeweiligen Hausbesitzer war (als die Haueser gebaut wurden). Die Schwelle ist etwa 10 cm hoch, weil der boese Geist nicht huepfen kann und so nicht ins Haus schweben kann. Leider ist Alkohol in China traditionell –  und so mancher Hausherr kann nach entsprechendem Genuss dann auch nicht mehr huepfen. Da wird es eine Menge kaputter Fuesse gegeben haben und immer wieder geben. Leider konnten wir einen Huton nicht von innen sehen. Das Gelaende, dass von einer sichtbaren Mauer umgeben ist, schliesst zwei Hoefe ein, – einen auf dem die Bediensteten wohnen, und einen, wo das Haus der hoechsten zu respektierenden Person steht. Links von diesem Haus wohnen die Toechter, rechts die Soehne, wobei der Erstgeborene das beste Haus erhaelt. Eine Familie ohne Soehne wird schlecht angesehen, deswegen wird solange Nachwuchs gezeugt, bis mindestens ein Sohn da ist.

Beide Hoefe sind durch eine Mauer getrennt, die einen Durchlass hat, den die Toechter erstmals im Leben passieren duerfen, wenn sie verheiratet werden und damit zum Ehemann ziehen. So jedenfalls war es frueher.

Das olympische Dorf ist langsam gefuellt, nun werden die Resourcen knapp. Der Kraftraum ist zu klein und deswegen zu den gewoehnlichen Zeiten ueberfuellt. Auch in der Mensa werden die Wege laenger, weil immer mehr Tische besetzt werden.

Gut dass wir so zeitig hier waren, deswegen haben wir unseren Rhythmus gefunden und sehen die Dinge gelassener. Wenn die staendige Buerokratie nicht waere, koennte man es hier echt aushalten. Die Beacher kennen sich untereinander und regeln Trainingseinheiten etc. unter sich. Nur das Organisationskommitee (BOCOG) meint, alles schriftlich und mit Deadline haben zu muessen und ist dann unflexibel, wenn sich spontane Aenderungen ergeben.

Wir koennen heute erstmal auf den Centercourt (Strenge Vorgabe von Zeitfenstern pro Nation und strenge Zugangskontrolle!) und wir haben mit Hong Fu Garden zum Glueck einen Ausweichplatz, auf dem wir zusaetzliche Trainingseinheiten absolvieren koennen. Nach meiner Erfahrung haben wir ab jetzt etwa 1 Woche Stress, wenn die Gruppenphase vorbei ist und sich das Teilnehmerfeld lichtet, dann stehen wieder mehr Traininigscourts zur Verfuegung und das ewige Gerangel um die beste Zeit  hoert auf.

Fuer mich beginnt die Zeit der regelmaessigen Meetings. Einerseits treffen sich die Mannschaftsleiter taeglich um 7.30h, andererseits muss ich mich um die Belange von 4 Teams kuemmern, die alle einen anderen Rhythmus fahren. Wer nachts spielt, traininert auch nachts so dass wir die Medizin ab 0.30h oder spaeter machen mussen. Der ganze Ablauf der deutschen Zentrale ist aber auf einen “ normalen Tagesablauf “ abgestellt. Da bleibt kaum Zeit zu schlafen, da ich auch die Spiele vorort life betreuen muss. Unter diesem Aspekt muss dann die deutsche Mannschaftsleitung mal ohne mich auskommen –  bzw. ich ohne die Infos.

So und nun findet gleich unser Teammeeting statt.

Big brother is watching you

Heute will ich berichten, dass wir alles am Laufen haben und es eigentlich kaum Probleme gibt. Nachdem alle wissen, was wo ist und wie sie welche Dinge bekommen, sind es nur noch Kleinigkeiten und Routine, die angewickelt werden muessen. Es gibt, wie nicht anders zu erwarten erste Konflikte im Team, die sich nicht vermeiden lassen. dem hatten wir versucht zu entgehen, indem wir eigentlich ins Trainingslager wollten. hat nicht geklappt, und nun haegen die Leute aufeinander und nerven sich gegenseitig. Es ist alles im Rahmen, aber dadurch, dass es noch keinen Druck und keine konkrete Spielvorbereitungen gibt, entstehen Freiraeume in denen sich einige zu laten anderer ausbreiten. Ich habe eine Teammeeting angesetzt und erwarte auch von dem erfahreneren der Trainer die angekuendigte Unterstuetzung.

Sonntag ist der Tag durch eine Tour zur Mauer und einen Besuch der Hutons verplant, – einigen ist eine Tagestour zu lang –  aber ich halte es fuer noetig, um aus dem Trott zu kommen und den Kopf mit anderen Dingen als essen, trainineren,behandeln und schlafen zu fuellen.

Und nun zum Thema. das Dorf fuellt sich langsam und selbst der Kraftraum (war heute zum zweiten Mal dort trainieren) ist so voll, dass man kaum an die Geraete kommt. Die Polizeipraesenz wurde nochmal verstaerkt und es fliegt ein sehr lauter Hubschrauber regelmaessig das Gelaende ab. An jeder Ecke steht polizei, den leeren Blick frei in die ferne gerichtet, bewegungslos – menschliche Dekorationsstuecke, die einen eindrucksvollen Kontrollapparat repraesentieren.

In jedem Haus stehen Voluteers (blaues Hemd = keine Bezahlung) und halten die Tueren auf, putzen und laecheln –  diese Chinesen freuen sich dabei zu sein und sind stolz, einen Beitrag leisten zu koennen, wobei die Sprache meist ein unueberwindliches Hindernis bleibt. Heute wurde das chinesische Haus von aussen abgewischt von vielen vielen Blauhemden, damit es immer schoen aussieht. Neben den Blauhemden sehe ich eine zunehmende Zahl an Rothemden. Rothemden sind bezahlt und koennen etwas, fuer dass es sich offensichtlich lohnt Geld auszugeben.Sie scheinen in der Hierarchie hoeher, haben Kontrollfunktionen. Gelbhemden sorgen dafuer dass niemand seine Tasche mit in die Mensa nimmt, denn es ist verboten sich etwas zu essen mitzunehmen. Getraenke gibt es ausserhalb an Automaten, wenn man zu den Privilegierten gehoert, die ein Welcome/Package bekommen haben. Da ist ein elektronischer  Schluessel drin, den man an den Automaten haelt und dann kommt das gewuenschte Getraenk auf Knopfdruck. Wegen der hohen Zahl an Teilnehmern hat aber nicht jeder Funktionaer so etwas bekommen.

Jedenfalls muss man sich schon etwas einfallen lassen, um einen Apfel mitzunehmen, – offiziell jedenfalls. Bisher gelingt es immer, die Gelbhemden so abzulenken, dass man mit Tasche reinkommt oder sich so etwas mitnehmen kann. Dabei soll keineswegs der Eindruck entstehen, wir muessten uns essen mitnehmen. Es gibt alles 24 stunden am Tag/Nacht frisch.

Schraeg ueber die Strasse gehen ist inzwischen ebenfalls verboten. Da steht einer mit Leuchtweste und Leuchtstab und weist einem den rechtwinkligen Weg. Ueberhaupt wird man freundlich darauf hingewiesen, wie man sich zu verhalten hat und man ist nie alleine. Da kommen ungefragt Leute in die Zimmer um Toiletten zu reparieren, die eigentlich funktionieren oder Birnen zu tauschen, wo das Licht brennt. Diese „Monteure“ haben natuerlich keine Sprachkenntnisse, so dass Kommunikation nicht ermoeglicht wird. Ich bin mir nicht sicher, ob es sich um Kontrollen handelt, oder ob da wirklich etwas nicht funktioniert. Es ist aber nicht moeglich, eine Ersatzrolle Toilettenpapier vorraetig zu bekommen, erst wenn die eine alle ist, wird die naechste angebracht.

Man wundert sich langsam nicht mehr, wieso ein so grosses Land mit 1,3 Mrd Menschen gerade die Wirtschaftskraft der 80 Mio Deutschen erreicht. Der wichtigste Beruf ist Kontrolleur. Hier kontrolliert jeder jeden, Regeln werden gemacht und kontrolliert und die Kontrolleure kontrollieren sich gegenseitig auf verschiedenen Hierachieebenen. Es gibt wirklich viele intelligente, weltoffene Chinesen hier, aber das System erlaubt ihnen nur eine eingeschraenkte, kontrollierbare Entfaltung. Dabei koennen die Cleveren durchaus am System vorbei Geld verdienen. Unser Tourguide fuer Sonntag ist ein solcher Nebenverdiener.

Andererseits muss unsere Radtour morgen ausfallen, weil es einem chinesischen Luxushotel nicht moeglich ist mit 3 Tagen Vorlauf 8 Fahrraeder zu organisieren. Die Antwort war, dass es einen Radverleih nicht (mehr) gebe, weil die Chinesen jetzt alle Auto fahren. Da koennen wir ahnen, was der Planet zu erwarten hat, wenn demnaechst in West-China auch der Lebensstandart der Ostkueste ankommt.

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