Jetzt haben wir fertig…

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Tja, was soll ich sagen, die Copacabana war für einen Abend fest in deutscher Hand.

Nach dem Sieg gegen Agatha/Barbara, die mit dem plötzlich einsetzenden, im Stadion böigen, Wind nicht gut zurecht kamen und nach einem knappen ersten Satz dann den zweiten deutlich abgeben mussten, gab es bei Fans und Spielerinnen kein halten mehr.

Laut singend und nur für die Hymne kurz verstummend, waren alle aus dem Häuschen, wie die Fernsehbilder ja auch zeigten.

Ich geben zu, es war ja nicht mal ein wirklich spannendes Spiel. Zu deutlich dominierten Kira und Laura das Geschehen.

Schon bei 18 Punkten im 2. Satz konnte ich beruhigt die deutsche Fahne herausholen und den Fotoapparat anschalten.

Die Bilder der Mädels mit der Fahne sind dann ja auch um die Welt gegangen.

Die eiligst organisierte Feier in der 23. Etage des Cesar Rio Park Hotel, mit Pool und schönem Blick auf den Strand von Ipanema, begann wegen Medienverpflichtungen und Dopingkontrolle für die Protagonistinnen etwas spät. Während die Feiergemeinde geistigen Getränken zusprach und auf die Medaillen wartete, kam keine Stimmung auf. Die Chill out Musik wirkte eher beruhigend, Änderungswünschen konnten die Betreiber mangels Auswahl nicht entsprechen. Als die Mädels kamen, wurde gekreischt und gesungen, eifrig aufgenommen von den Medien und deren durstigen Vertretern. Während die Vertreter des DVV (Volleyball Verband) allen Teammitgliedern eine Goldmedaille – ein Imitat aus Kunststoff, leicht, aber äußerlich dem Original täuschend ähnlich, überreichte und die geleistete Arbeit würdigten, planten die Fans schon Übles.

Und wie nicht anders zu erwarten landete zunächst Laura in voller Montur im Wasser, dann folgten Fans, Kira, der Verbandpräsident und schließlich holte mich Kira, und wir sprangen, nachdem ich mich weitgehend entkleiden durfte, ins kalte Wasser.

Einige Drinks später verabschiedeten sich die ersten und die Runde löste sich langsam auf. Unser Taxifahrer brachte uns zum Olympischen Dorf, wo wir bei Sonnenaufgang ankamen und vollständig unkontrolliert mit Sack und Pack durchgewunken wurden und alle auf unsere Medaillenimitate schielten. Im Dorf begrüßten mich früh Sport treibende Bewohner und beglückwünschten mich zu Medaille? ! Komischen Gefühl, wenn man mit meiner Statur in meinem Alter für einen Medaillengewinner gehalten wird…

Ein bisschen Schlaf, dann war der Postgang angesagt. Man glaubt kaum, welche Postenträger und Ämter sich plötzlich melden. Ein persönliches Schreiben des Bundespräsidenten, des Innenministers, der lieber zum Supercup im Fußball geht, als die Olympiamannschaft zu besuchen, von Sportverantwortlichen und Politikern aus Stadt und Land der Siegerinnen fühlen sich bemüßigt schriftlich zu gratulieren.

In diesem Zusammenhang danke ich allen, die mir geschrieben haben und vergeblich auf Antworten per SMS, Whatsapp oder Email warten, ich hatte bisher keine Zeit zu reagieren. Und muss auch jetzt zur Pressekonferenz im Deutschen Haus…

Mehr dann morgen…

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