Ankunft der Beacher

6 Uhr ist die Nacht vorbei. Ich werde vor dem Wecker wach und beeile mich. Die Lufthansa ist pünktlich um 5:05 gelandet und der Bus mit den Athleten steht bald am Eingang. Gemeinsam mit dem Koordinator Spielsport Jürgen Barth gehe ich zum Welcome-Center, wo neben den Beachern auch die Handballer, Segler etc stehen. Nach der Gepäckdurchleuchtung erfolgt die Akkreditierung und dann sind die Spieler drin. Auch der serbische Trainer von Borger/Büthe, Srdjan Veckov, ist dabei. Wir fahren mit dem Dorfbus zur Unterkunft und die Athleten beziehen die Zimmer. Gestern habe ich noch die Dusche geputzt, weil das Hausekeepingteam nichts tut, was anstrengend ist.

Die Toilette ist natürlich nicht repariert, aber es gibt ja zwei weitere. Nach 10 Minuten sind wir wieder zusammen und haben das erste Meeting: Unsere BKA-Beamten sprechen über Sicherheitsaspekte. Dass in Rio pro Wochenende ca. 30 Menschen ermordet werden, dass die Straßenkriminalität um 30 % zugenommen hat und wie wir uns verhalten sollten.

Dann regeln wir die Kommunikation, alles auf Englisch, sonst kann Srdjan nicht folgen, verteilen das großzügige Geschenk des IOC an alle Teilnehmer, eine S7 edge-Handy. Wir fragen uns, was die Teilnehmer aus Schwarz-Afrika damit wohl tun, denn sie haben oftmals weder ein Netz noch das Geld, es zu verwenden.

Nach der Einweisung in Wäscheservice, Dopingteste, Transportwesen und Aspekte, die die interne Kommunikation und das Verhalten innerhalb der Olympiamannschaft betreffen, schreien alle nach Essen. Nach einem kleinen Rundgang, der die wichtigsten Orte im Dorf erklärt, geht es erst einmal in die DiningHall, die zunehmend voller wird.

Auf dem Weg treffen die Athleten schon Bekannte aus anderen Sportarten. In der Mensa erkennt man sich an der Kleidung und kommt mit anderen deutschen Athleten ins Gespräch. Allerdings fehlen die wirklichen Stars bisher. Die US-Basketballer residieren außerhalb des Dorfes auf einem Schiff, die Tennisasse wie Djorkovic kommen kurz ins orf und verschwinden dann wieder ins Hotel und mache kommen gar nicht erst nach Rio. Die Fußballer und -innen des DFB fliegen nicht nur Business, sondern sie leben in adäquaten Hotels, was faktisch bedeutet, dass die extern zugewiesenen Hotels als nicht gut genug befunden wurden, sondern man sich „bessere“ gesucht hat. Dazu muss man wissen, dass die ersten Spiele bereits vor der Eröffnung stattfinden und dass Fußball in Stadien verteilt über ganz Brasilien gespielt wird. Deswegen wohnen Fußballer und –innen natürlich in Hotels an den Spielstandorten, normalerweise jedenfalls. Was ich nur klar machen will: auch hier gibt es eine Mehrklassengesellschaft.

Auch wir haben Außenquartiere als Tagesunterkünfte, damit die Spieler sich mal zurück ziehen können, Besprechungen in den eigenen vier Wänden stattfinden können und damit wir, ungesehen von Gegnern, unsere Athleten behandeln können. Diese zusätzlichen Unterkünfte beziehen wir aber erst in einigen Tagen.

Nachdem die Ankömmlinge geschlafen und wir am Nachmittag Fotos gemacht haben, die der Pressesprecher in Frankfurt braucht, geht es wieder zum Essen. Die Spieler bereiten sich auf das Training vor, dass abends stattfindet. Die Gewöhnung an Flutlicht, das hier ab ca. 17:30 nötig ist, ist wichtig, denn unsere Spiele werden alle nicht bei Tageslicht stattfinden.

Sonderwünsche, wie Training am Strand, wenn am Eröffnungstag die Sportanlagen gesperrt sind, erfülle ich nebenbei. Pele, der am Strand Volleyballfelder vermietet, ist aber nicht telefonisch erreichbar. Also fahre ich mit einem Brasilianer los, um an dem Strandabschnitt nach ihm zu suchen. Der Fahrer, ein Helicopterpilot, fährt jetzt für die deutsche Delegation, weil er während der Olympischen Spiele keine Panoramaflüge machen darf, denn der Luftraum über der Stadt ist gesperrt. So verdient er wenigstens Geld.

Und er kennt sich wirklich gut aus. Obwohl wir die Olympic Lane benutzen dürfen und eine privilegierte Situation haben, dauert die Fahrt nach Ipanema über eine Stunde. Pele ist eine lokale Berühmtheit. Ich finde ihn schnell. Ein breites Lächeln mit sehr weißen Zähnen in einem schwarzen Gesicht, dazu ein muskulöser, wohlgeformter Körper, alles bekleidet mit einer kleinen schwarzen Badehose. Er ist nass, er war gerade schwimmen. Klar dass man ihn am Telefon nicht erreicht. Bei dem Wetter hat er eben fast nichts an und schon lange keinen Platz für ein Telefon. Unser Gespräch dauert 2 Minuten, dann ist klar, wann wir welche Plätze haben und wie hoch das Netz sein muss. Anschließend geht es wieder eine Stunde zurück. Auch so kann man seine Zeit rumkriegen.

Administrative Tätigkeiten runden den Tag ab. Gleich mache ich noch Sport und gehe um 21. 00 zur Sitzung der Teilmannschaftsleiter… Der Tag endet spät.

© Copyright Praxis Dr. Tank