Ankunft in Rio

In Madrid und auf dem Flug nach Rio gab es keine Komplikationen. Im Liegendtransport lässt sich die Strecke gut bewältigen. Nach dem Lunch mit ein bißchen Wein schlafe ich gut und wache auf, als der Bildschirm exakt Halbzeit anzeigt. 5200 miles Gesamtdistanz. Und 4 MB freie Download-Kapazität im WLAN. Ich bekomme SMS und kann mich aus der Luft mitten über dem Atlantik in die Behandlung von Kira einmischen, die zeitgleich in Klagenfurt im Halbfinale steht, aber gesundheitlich angeschlagen ist. Nach einem kleinen Abendimbiss landen wir 20 Minuten vor dem Zeitplan.

Ich stürme aus der Maschine und beeile mich. Einreise mit Passformalitäten kann dauern, das weiß ich aus Erfahrung, deswegen gebe ich Hackengas. Es ist etwa 1 Kilometer, den ich laufen muss, und in den leeren Gängen treffe ich genau 2 Arbeiter und einen Sicherheitsbeamten. An der Passkontrolle laufe ich auf eine argentinische Delegation auf, es dauert aber unerwartet kurz bis ich dran bin. Irgendwelche Unstimmigkeiten lassen die Beamtin mit meiner vorläufigen Akkreditierung und dem Reisepass verschwinden, aber als sie nach 3 Minuten wieder da ist, ist scheinbar alles ok. Ich bekomme die Stempel und kann weiter zum Gepäckband. Meine Koffer stehen schon abseits, offensichtlich sind sie aufgefallen durch die Medizin, die man beim Durchleuchten gefunden hat. Jedenfalls warte ich nicht auf mein Gepäck, sondern bin mit Trolly in der Lage sofort zum Ausgang zu gehen. Zollkontrolle und Probleme beim Einführen von Medikamenten, wie vorher immer gewarnt: Fehlanzeige.

Am Ausgang erwartet mich eine Horde Fotografen und Kamerateams. Aber ich bin nicht das Ziel ihres Wartens. Keine Kamera klickt, kein Kopf wendet sich. Ich werde als nicht als potentieller Olympionike eingeschätzt und muss mich erst energisch an einen der bunt behemdten Volontiers wenden. Nach meiner Akkreditierung gefragt, weiten sich seine Pupillen, „Teamleader“ und „Germany“ sind die Worte, die er liest und laut wiederholt. Seine Haltung strafft sich und ich werde hinter die Absperrung gewunken. Die Türen öffnen sich und man bittet mich zu einem wartenden Bus.. Helfende Hände laden das Gepäck ein, und ich kann einsteigen. Bis jetzt bin ich einziger Businsasse. Rio beginnt gerade dunkel zu werden und es ist erst 17:30. Außerdem liegt eine dicke Wolkendecke über dem Flughafen.

Langsam füllt sich der Bus, ich bin gespannt wie lange wir warten und wie lange dann die Fahrt durch das abendliche Rio dauert. Der Flughafen ist ganz im Norden und das Olympische Dorf im Südwesten. Ich habe was von 48 km gelesen, und rechne mit 2 Stunden Fahrzeit.

Nach 90 Minuten ist alles erledigt, ich bin akkreditiert und im deutschen Hochhaus angekommen.

Eine Begrüßungsorgie mit all denen, die man alle paar Jahre mal sieht und mit denen einen dennoch viel gemeinsam Erlebtes verbindet, folgt.

Das Zimmer, das ich bekomme ist immerhin erstmals ein Einzelzimmer (6qm) mit eigener Dusche und WC. Erreichbar durch die Küche, die bislang aus einem Waschbecken und einem Durchlauferhitzer besteht. Das Bett ist gut, es gibt einen (abschließbaren) Nachtschrank und den Kleiderschrank. Stuhl, Tisch, Nachttischlampe suche man vergebens, ebenso einen Spiegel im Bad. Der Kleiderschrank ist aus Plastikgewebe, das mit einem Gestänge aufgespannt ist, nichts ist zu verschließen.

Ich schleppe meine Sachen in den gefliesten (Küchen-)Vorraum und geht erstmal eine Runde machen, orientieren, essen in der Main Dining Hall, in der es statt der draußen herrschenden 21 Grad etwa 17 Grad kalt ist. Nur wenige Athleten und offizielle sind bis jetzt da, dennoch schein das Küchenpersonal etwas überfordert.

Die Besonderheit von Olympia, dass man sehr variantenreich 24 Stunden täglich frisches Essen bekommt, ist hier noch nicht ganz umgesetzt. Die Erzählungen der ersten, die hier ankamen belegen aber, dass sich alles bessert, langsam zwar, aber immerhin. Ich bin guter Hoffnung und falle dann müde ins Bett.

Bis um 3 Uhr nachts geht alles gut, dann weckt mich ein schriller an- und abschwellender Ton. Feueralarm! Ich stehe schlaftrunken auf und bemühe den Zimmerschlüssel, um in der Hausflur zu gelangen. Ich öffne die Tür und das Pfeiffen wird lauter, außerdem sind Lichtblitze zu sehen. So plötzlich, wie es angefangen hat, hört es auf. Wie von Geistern gesteuert verstummt das Geräusch und die Blitze sind weg.

Einer der BKA-Beamten, die mit in meinem Appartement wohnen kommt raus und klärt mich auf: WWenn es pfeifft, Ruhe bewahren. Wir sind im 2 Stock und kommen notfalls vom Balkonaus raus. „ Außerdem hat es in den letzten Nächten mehrfach Fehlalarme gegeben.

Wir gehen wieder zu Bett, um in der folgenden Stunde 3 x erneut geweckt zu werden. Hier brennt nichts – aber was wäre, wen doch???

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