Erste Hoffnungen begraben

Nachdem sich Böckermann/Flüggen im letzten Gruppenspiel gegen Russland erwartungsgemäß nicht durchsetzen konnten, ist für sie das Abenteuer Olympia als Aktive zu Ende. Die Bürde, nicht nur gewinnen zu müssen, sondern auch mindestens 12 Punkte gut machen zu müssen, erwies sich als schwere Last auf den Schultern. Die Russen machten sehr schnell klar, dass sie nicht auf ein knappes Ergebnis hoffen, sondern aus eigener Kraft das Weiterkommen sichern wollten. So bleibt den beiden nur, sich endlich mit den Freunden und Bekannten zu treffen, die nach Rio gekommen sind, mit ihnen gemeinsam die verbliebenen Teams zu unterstützen und sich vielleicht die eine oder andere Sehenswürdigkeit Rios oder andere Sportarten anzusehen.

Bei den Damen gelangen Borger/Büthe nach der Niederlage gegen Kanada wenigstens der Einzug ins Lucky Loser-Finale, wo Venezuela keine wirkliche Hürde darstellte.

Bei der Auslosung wollte es das Schicksal, dass der weitere Gegner vom Ausgang der Partie zwischen Tschechien und Russland abhing, da festgelegt ist, dass niemand in der ersten K.O.-Runde auf eine Mannschaft treffen darf, gegen die sie im Pool bereits gespielt hat. Hätte Tschechien gewonnen, wären Borger/Büthe auf Spanien getroffen, eine vermeintlich lösbare Aufgabe. Da aber die Russen Tschechien besiegten, lautete unser Gegner Brasilien, und zwar das vermeintlich bessere Team des Gastgebers, Larissa/Talita. Gegen diesen Gegner in dessen Land vor einem sehr einseitigen Publikum zu spielen, ist eine besondere Situation. Zum einen werden die Gegner Brasiliens beim Aufschlag ausgebuht, zum anderen wird jeder brasilianische Punkt in ohrenbetäubender Lautstärke abgefeiert, natürlich unterstützt von den brasilianischen Moderatoren im Stadion. Bei brasilianischen Punktgewinnen hört man das nervige Geknatter der Luftüberwachung – es sind ständig Hubschrauber in der Luft, teils direkt über der Arena- für kurze Zeit nicht.

Borger/Büthe lieferten ihre beste Turnierleistung ab, aber scheiterten am Ende an einer etwas zu hohen Eigenfehlerquote. Platz 9 entspricht nicht den Erwartungen des Teams und auch nicht den eigenen Ansprüchen.

In der Abschlussbesprechung erfolgte die einvernehmliche Trennung vom Trainer Srdjan Veckov, der in Erwartung der zweiten Vaterschaft ein dringendes Bedürfnis hat, nach Serbien zurückzukehren.

 

Damit ist nur noch ein Team im Wettbewerb, auf das nun alle Augen gerichtet sind. Kira/Laura treffen heute auf die Schweiz. Eine eigentlich gut lösbare Aufgabe, aber keineswegs ein Selbstgänger. Die Schweizer sind taktisch und psychologisch von ihrem deutschen Trainerstab bestens vorbereitet. Außerdem hat man diverse Trainings gemeinsam abgehalten und kennt sich gut.

In Brasilien bedeutet 15:oo Uhr Spielbeginn, beim heutigen Wetter durchaus eine Hitzebelastung, in Deutschland können Sie das Spiel live zur besten Sendezeit am Abend sehen.

 

Was gibt es noch zu berichten?

Die beiden letzten Tage waren wirklich anstrengend. Um 23:00 Uhr zu spielen bedeutet, dass wir danach noch die Spieler ausbehandeln und erst den 1:15-Suttle ins Dorf bekommen, wo wir gegen 2:30 Uhr ankommen. Das war am Mittwoch. Bis nachts um 2 Uhr auf die Ansetzung der Spiele zu warten, die zwar ausgelost sind, aber je nach Angebot der Fernsehanstalten für Übertragungszeiten angesetzt werden, bedeutet den allerletzten Shuttle um 2:15 Uhr ab Copacabana zu nehmen und um 3:30 Uhr im Dorf anzukommen, wissend, dass das nächste Spiel um 16:00 Uhr angesetzt ist, was real bedeutet, dass wir den Bus zum Stadion um 12 Uhr nehmen müssen. Bleiben also 8 Stunden um zu essen, schlafen, duschen, die Handys zu laden, die nötigen Administration im Mannschaftsbüro abzuwickeln, die täglichen Zugangsberechtigungen für Wettkampfstätte und Olympisches Dorf zu organisieren, und sich mit dem Team zu besprechen. Außerdem kommen immer wieder Wünsche nach Eintrittskarten auf mich zu, die ich mit dem Mannschaftsbüro abgleichen und abwickeln muss.

Schlafmangel wird somit ein zunehmendes Problem. Essen dagegen weniger. Es schmeckt einfach nicht in der Dining Hall, es gibt seit nun 2 Wochen täglich das gleiche Essen, die Variationen sind bescheiden. Da freue ich mich wirklich darauf, wieder zu Hause selbst zu kochen.

In der zum Spielfeld hin offenen Kommentatorenkabine, in der auch deutsches Personal arbeitet, hing vor dem Spiel gegen Talita/Larissa ein Din-A-4 Blatt mit folgender Aufschrift:

BRA 1

GER 7

Der unmissverständliche Hinweis auf das legendäre Fußballresultat von vor 2 Jahren, das bei den Brasilianern noch tief unter die Haut geht, wenn man es anspricht.

Anett, die Sportpsychologin von Kira und Laura hat heute Geburtstag.

Es regnet im Gegensatz zu den beiden letzten Tagen voraussichtlich nicht.

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