Australien- Sydney – Cairns

Ich komme erholt aus Tokio an, weil Business fliegen einfach mal erholsam ist. Die Einreise ist wie immer eine langwierige Prozedur, ich bin froh, dass ich schnell aus der Maschine komme und mich beeilt habe. Eine Schlange von 600 Leuten baut sich auf, jeder  wird von Drogenhunden abgeschnueffelt, dann geht es an die Visaformalitaeten, die man mir als inzwischen Saphirkunde bei British Airways kostenlos am Flughafen erledigt hat. Ich waere unwissend ohne gueltiges Visum in Australien angekommen… Nach der Grenzpolizei geht man mit seinem Gepaeck in die naechste Schlange und wartet auf den Zoll. Der will einen Fragebogen sehen und fragt bei Medikamenten, auch Kortisoncremes, besonders nach. Man will die Einfuhr von Drogen und von Pflanzen oder Tieren verhindern, deswegen komme ich bei Pflanzenbestandteilen auch an die Reihe und erklaere die homoepatischen Medikamente, die ich dabei habe. An der Einfuhrkontrolle scheinen sich immer wieder begeisterte Szenen abzuspielen, es gibt einen Tag pro Woche, wo das Fernsehen eine Realityshow von den Kofferkontrollen live sendet… Dann bin ich drin im fuenften Kontinent, frage mich zum Geldautomaten durch und versorge mich mit lokaler Waehrung, dann einem  Zugticket und fahre dann mit dem Taxi den Rest vom Hauptbahnhof zu meinem Hostel, wo mich eine schwarze Hausdame erwartet und sofort sympathisch rueberkommt. Sie kommt aus Mauritius und lebt seit 32 Jahren in Sydney, Janette ist ihr Name. Sie rechnet mit mir ab, zeigt mir meine Bleibe, die unter dem heissen Dach ohne Klimaanlage aus dem oberen von 2 Betten besteht, unten schlaeft Janosch, 23 aus, na? Hamburg, Harburg genauer…

Das ganze Hostel ist voll mit deutschen Sprachstudenten in den 20ern, die hier jobben und eine Sprachenschule besuchen. Ich lerne einige von ihnen kennen, mutige junge Leute, die mit wenig Absicherung vielfach losgeflogen sind und sich drauf verlassen, dass es schon irgendwie wird. Weil man nachts nicht schlafen kann vor Hitze, quatschen wir, wenn  Janosch von seinen Rendezvous zurueckkommt, teils sitzen wir mit Stuehlen auf dem Buergersteig von dem Hostel und trinken Bier (gaaar nicht erlaubt in Australien, in der Oeffentlichkeit Alkohol zu trinken, aber nachts um 3 fragt keiner) und fuehren Maennergespraeche. Janosch ist ein wenig juenger als mein Sohn Benni, ich komme mir wie die Vaterfigur vor, bin aber irgendwie akzeptiert und gehe tagsueber auch mit den Jungs an den Strand… Ich bekomme sinnvolle Tipps, wie man Geld spart, wie man guenstig reist, was man sehen muss und was nicht. Ich treffe mich mit Kerri, Beachvolleyballerin, die in Manly lebt und hier auch gelegentlich deutsche Teams trainiert. Im Hostel im Gespraech mit den “erfahrenen” jungen Leuten reift auch der Entschluss, einen Camper zu mieten und einfach nach Cairns zu fahren. VonSydney sind das lockere 2400km, wenn man direkt faehrt. Ich bin ein bisschen naiv, was die Reiseplanung angeht, fahre also erstmal los in die Blue Mountains, westlich von Sydney. Der Wagen hat 311ooo km drauf, und er ist rechts gesteuert, was bei dem hier herrschenden Linksverkehr sinnvoll scheint. Was aber total ungewohnt ist, ist dass, anders als in britischen oder janpanischen Autos, die das Cockpit einfach nach recht bauen und nicht veraendern, hier das ganze gespiegelt wird. Blinker rechts, Scheibenwischer links. Wie oft ich statt zu blinken den Scheibenwischer betaetigt habe, kann ich nicht zaehlen, aber es geht allen so, selbst den gewohnten Rechtsfahrern. Ich bin dann aber raus aus der Stadt, quaele mich die Berge hoch und gewoehne mich an das Gefaehrt, das durch seine hohen Aufbau extreme seitenwindempfindlich ist. Die erste Nacht an einem Stausee, auf dem die Aussies Wasserski laufen, wird kalt. Ich schlafe in einem Billigzelt, das ich in Sydney im Sonderangebot gekauft habe, weil ich dort einfach besser schlafen kann, als in einem Caravan, der nur 2 kleine Fenster hat, die mit Mueckengitter gesichert sind. Im Zelt ist es luftiger  und mueckendicht. Nach Einbruch der Daemmerung steht das erste Kaenguruh am See. Meine erstes in freier Wildbahn. Morgens werde ich von schreienden Voegeln geweckt und bin um 6 Uhr mit den ersten Sonnenstrahlen auf. Mein Weg fuehrt nach Lithgow, wo McCafe auch schon um diese Zeit den heiss ersehnten Fruehstueckskaffee liefert. Ueberhaupt wird McCafe mein Lieblingskaffeelieferant auf diesem Abschnitt der Reise. Nach einer Runde durch die blauen Berge (von denen wir als Kinder immer gesungen haben, die wir aber nicht kannten), ein bisschen Sightseeing, fahre ich Richtung Kueste zurueck und dann nach Norden. Die erste Nacht auf einem  Campingplatz bestaetigt, was ich ahne:  die Aussis haben bezueglich der Lebenshaltungskosten ein komisches Selbstverstaendnis. Wenn ich schon 99$ pro Tag fuer einen Camper bezahle, dann verlangen sie fuer die Nutzung des Campingplatzes  nicht unter 30-$. Dafuer kann ich in Sydney ein Bett mit Waesche und Zimmerservice haben. Und es wird noch schlimmer: in South West Rock stimmt der aktuelle Lonely Planet Reisefuehrer, der 24$ pro Person anzeigt, auch nicht. Zu den 24$ fuer den Menschen kommen noch 24 fuer das Auto. Ich bin bedient und frage mich, wie die Familien hier  auf so einem Campingplatz, der zudem noch Muenzen verlangt, wenn die Dusche heiss werden soll, kein Restaurant oder aehnlichen Service bereitstellt, eine Woche bleiben sollen. Service ist Fremdwort, teuer ist Trumpf. Man bezahlt die Uebernachtungskosten fuer die Toilettenbenutzung und  Wasser, die Nutzung der allgemeinen Barbecue-Areas, die immerhin stromgetriebene Heizplatten zur Verfuegung stellen, auf denen man seine Steak braet und den Zaun, der drumrum ist. Ich kriege sogar Strom um meinen Kuehlschrank zu betreiben, der  sonst nur waehrend der Fahrt auf vollen Touren laeuft. Pecunia causae verzichte ich daraufhin, einen Campingplatz aufzusuchen, schlafe an den Rastplaetzen, die es vielfaeltig gibt. Oeffentliche Barbecue-Areas, die fuer jeden zugaengliche Elektrogrills haben, die kostenlos funtionieren, die zudem oft Wasserhaehne und Toiletten , manchmal auch eine kalte Dusche haben und den Aussies bei ihren Wochenend-Familienausfluegen zur Verfuegung stehen, sind ein beliebter Treffpunkt fuer Campingmobile.

Man trifft sich, ich tausche mit einem netten Lehrerpaerchen aus Bayern ein Buch und komme zu neuem Lesestoff, lerne Lina und Anne-Sophie kennen, fast fertige Tieraerztinnen, die hier 4 Wochen gearbeitet haben und nun reisen, hoere von anderen, dass man in oeffetlichen Buechereien meist 20 Minuten Internet gratis bekommt und so weiter… Tipps, wo man hin soll, und was man auslassen kann sind wertvoll. Ich habe an allen netten Tauchspots angehalten, bin tauchen gegangen, habe Haie und Rochen gesehen und in South West Rocks einen Hoehlentauchgang gemacht, werde morgen am Yongela-Wrack tauchen. Fraser Island, die groesste Sandinsel der Welt habe ich mit einem 3-Tages Ausflug besucht, gefuehrt versteht sich, denn man kann die Insel nur mit einem Allradfahrzeug bereisen. Ich habe fuer zu langes Parken in Byron Bay ein 84$ Ticket bekommen, dass gleich von der Kreditkarte abgebucht wird (das sollten die in D mal so machen, dann wuerden sich die Regeln auch durchsetzen lassen).

Nach nun ueber 3000km bin ich immer noch 800 km von Cairns entfernt, wo ich am kommenden Mittwoch ankommen und mein Auto abgeben muss. Nach einer Nacht im Hostel werde ich dann auf ein Tauchschiff gehen, meine Lizenz erweitern, damit ich in Zukunft alles ertauchen darf und fuer eine Woche das noerdliche Great Barrier Reef betauchen. Danach bleiben 2 Tage fuer Cairns und 2 weitere in Sydney, von wo ich am 26. 4. die Rueckreise antreten werde. Wenn alles gut klappt bin ich nach ueber 22 Stunden Flug am 27.4. wieder in HH. Wir werden die Praxis renovieren, einige strukturelle Dinge aendern und am 23.5. voraussichtlich wieder oeffnen. In der Vorwoche bin ich noch mal mit meinen Beachteams zu einem Turnier in Italien, denn die habe ich in den letzten Monaten wirklich vernachlaessigt. Mir graut davor, die liegengebliebene Post zu lesen und allen immer wieder alles erzaehlen zu muessen. Ich werde erstmal das Ganze fuer mich verarbeiten und hoffe, dass meine Diktate, die ich taeglich gemacht habe, geschrieben werden koennen. Dann soll den Fotos die taegliche Geschichte zugeordnet werden und wenn das dann alles so ist, wie ich denke, koennten es 3 Buecher sein. Fuer Interessierte ist auch ein Vortrag denkbar, aber… ich sollte erstmal die wichtigen Dinge regeln und mit dem Gedanken vertraut werden, wieder regelmaessig zu arbeiten. Das Fazit? Es war genau richtig, loszufahren, ich habe die Reiselust nicht verloren, im Gegenteil. Bin ich erholt? Bestimmt! Werde ich an meinem Leben etwas aendern: sicher. War es das Ganze wert? Ich weiss nicht mal genau, wie viel es mich finanziell gekostet hat, der emotionale Gewinn und die gewonnenen Erkenntnisse, die Horizionterweiterung sind nicht bezahlbar.

JA! Ich wuerde es wieder machen!

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