Beachvolleyball bei Olympischen Spielen hat eigene Gesetze

Normalerweise starten bei Turnieren 32 Teams, hier sind es nur 24, was zu der Situation führt, dass 8 Teams aus vier Gruppen eliminiert werden müssen, um in der K.O.-Phase ein 16er Feld zu haben, dass dann pro Runde halbiert wird. Bei 6  Vierergruppen sind die Gruppenletzen ausgeschieden, und die  vier schlechtesten Dritten spielen gegeneinander um zwei Plätze, die so genannten Lucky looser (glückliche Verlierer), die dann also weiter im Wettbewerb bleiben dürfen.

Alle unsere Teams sind gut durch die Gruppenphase gekommen nur beim Team Erdmann/Matysik klemmte es. Wenn sie im letzten Gruppenspiel  gegen Venezuela 2:0 gewonnen hätten, wären sie weiter dabei gewesen. Der Satzball war da, aber konnte nicht genutzt werden, also wurde es eine mühevoller 2:1 Sieg (Niederlagen hätte Ausscheiden bedeutet). Was dann kam, war übel. Das Lucky Looser Spiel wurde für 23.15 Uhr angesetzt. Bedeutete, dass ich von morgens 8.00 Uhr bis nach Mitternacht im Stadion zubringen durfte, die meisten Spiele am Fernseher verfolgend, weil man den Krach im Stadion nicht dauerhaft aushält. Zu den Spielen sitzt die Medizin dann am Feldrand im toten Winkel der Kameras. Und nachts ist es dann schon empfindlich kalt. Immerhin, in einem dramatischen, aber keineswegs hochklassigen Spiel wurden die Tschechen besiegt und aus dem Turnier verabschiedet. Kai und Joni hatten durch die Hintertür die Eliminationround, wie es hier heißt, erreicht.

Die Auslosung der K.O. Runde, die bereits  um 22.30 Uhr vollzogen wurde, ohne dass wirklich feststand, wer nun schlussendlich dabei sein würde, ergab, dass bei den Damen beide deutsche Mannschaften als erstes Spiel des Tages aufeinander treffen sollten. Die Anfangszeit wurde mit 10 Uhr kommuniziert und später auf 9 Uhr vorgezogen. Auch das brachte Probleme mit sich, weil unsere Spielerinnen schon schliefen und ihren Count down individuell eingestellt hatten. Vor den Spielen schlafen die meisten im Hotel in der Stadt, um nicht gestört zu sein. Alle konnten telefonisch erreicht werden, bis auf eine, die in einem Appartement in der Stadt mit ihrem Freund weilte. Der arme Delegationsleiter durfte also um 1.30 durch das nächtliche London laufen, in der Hoffnung die privat gemietete Unterkunft zu finden. Würde ein Name an der Tür stehen?- wohl kaum der der Spielerin? Schlussendlich konnte er das Appartement finden und die Spielerin aus dem Bett holen, um ihr zu sagen, dass sie schnell schlafen soll, um eine Stunde früher zu spielen.

Für mich bedeutete es, gegen 2 Uhr im Olympischen Dorf anzukommen, schnell schlafen zu gehen und um 6.15Uhr aufzustehen, um mit dem ersten Shuttle zum Venue zu fahren. Frühstück muss in solchen Fällen dann mal ausfallen. Die deutsch-deutsche Begegnung selbst war dann eine klare Sache.

Allerdings habe ich inzwischen die Poliklinik des Olympischen Dorfes kennengelernt. Leider hat einer unserer Spieler eine schwerere Verletzung, bei der nur eine Kernspinntomographie (MRT) Klarheit bringen konnte. Ohne Probleme war innerhalb von wenigen Stunden ein Termin vereinbart und ein exzellentes MRT erstellt, dass uns sehr geholfen hat, die richtigen Therapieentscheidungen zu finden. Nun bleibt zu hoffen, dass es gelingt, den Spieler so hin zu bekommen, dass er ohne Handicap spielen kann. Wir werden sehen…

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