Angekommen und doch nicht da

Nach ueblem Flug (wegen des Streiks gab es an Bord abends nur tiefgefrorenen Salat und warme Getraenke, morgens Fruestueck nur fuer einige, ich hatte gar nichts, weil die Caterer der Lufthansa gestreikt haben, ein Entertainementsystem hatte die alte 747 nicht,Schlafmasken gab es auch nicht) und sanfter Landung mit 15 Min Verspaetung durfte ich mich als Delegationsleiter um 3 verschollene Mannschaftsmitglieder kuemmern, deren Einreisepapiere fehlten. Nach entsprechender Zeit war alles geregelt und wir hatten unser Gepaeck und wurden auch abgeholt, nur: ein waehrend des Fluges bekannt gegebenes Gesetz verbietet Athleten ploetzlich, in das Hotel ausserhalb des Olympischen Dorfes(OD) zu ziehen. Unsere gesamte Planung bezueglich gemeinsamem Trainingslager mit den Schweizern und dem bewussten meiden des OD, um keinen Lagerkoller zu bekommen, war dahin.

Nach einigen Querelen – u.a. der voruebergehenden Festnahme des Hotelmanagers koennen wir inzwischen im Hong Fu Garden trainineren und finden wirklich gute Bedingungen vor. Wegen eines Gewitters am Vortag war sogar die Luft klar und wir sahen die Sonne!!! Bisher klappt der Olympic Transport nicht so wie geplant, weil die Fahrspuren nicht frei sind und die Busse genauso im Stau stehen, wie alle Autofahrer. Und der Chinese liebt es zu draengeln, auch mit dem Auto…Trotzdem ist es mit Hilfe der deutschen Delegation ein Auto zu bekommen. Wenn unsere Externen (Uli Vetter und Gerald Maronde) nun noch den chinesischen Fuehrerschein bekommen, wird’s einfacher… voraussgesetzt jemand kann ein chinesisches Navi programmieren, Pfeile lesen klappt dann…uebrigens: Superbenzin kostet hier etwa 60 Cent pro Liter.

Die gigantische Mensa ist super, es gibt glutenfreie Nahrung, laktosefreie Milch, eine Ernaehrungsberatung und wirklich leckeres Essen…und auch der Kraftraum im OD ist vom Feinsten. Ich war heute schon trainieren :-))

Kleine Anekdote: Unsere P-Akkreditierten (diejenigen, die nicht im OD wohnen duerfen) haben zwar ein taeglich zu beantragendes Besuchsrecht und wuerden ihren Tagespass auch bekommen, wenn es ihnen denn gelaenge an die noetige Rezeption zu kommen.Heute kamen sie von Hong Fu, wo sie wohnen mit dem Taxi zum OD, da aber das Taxi nicht einfahren darf und Fussgaenger auch nicht passieren duerfen, wurde uns geraten, ein offizielle Auto zu bestellen, damit dann die Kontrolle (es wird nur das Auto, nicht die Insassen kontrolliert) im Auto passiert werden kann. Da ein offizielles Auto mal eben nicht zu bekommen ist, habe ich 3 der vorbeifahrenen Autos angehalten und den verdutzten Insassen je einen der Trainer auf den Sitz gesetzt. Nach 10 Metern sind sie dann hinter der Kontrolle ausgestiegen und konnten sich and der vorgeschriebenen Stelle legal den Tagespass abholen…Soviel zum Thema Problemschaffung und – loesung vorort.

ABER: wir sind da und doch nicht da wo wir eigentlich sein wollten.

Um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen, die Chinesen sind freundlich und kooperationsbereit — im Rahmen der Moeglichkeiten. Aber es gibt hier Regeln, die entbehren jeden Sinns. Mit der Begruendung : aus Sicherheitsgruenden ist das noetig stehen hier in jedem Haus Volonteers, an jeder Kreuzung stehen Verkehrsregler, obwohl im OD kaum etwas los ist und auch Polizei ist den ganzen Tag praesent und hat eigentlich doch nichts zu tun…Es gubt zumindest keinen Mangel an Freiwilligen Helfern… Und das ist doch was…

Soviel fuer heute… muss noch paar Listen schreiben..Fuer Sonntag planen wir einen Ausflug zur chinesischen Mauer und Samstag eine Radtour — bietet sich doch an in China, denk man…wir werden es probieren.

Gleich geht´s los!

Ob unser Zubringerflug startet und wir zeitgerecht nach Frankfurt kommen, ist noch nicht klar. Seit nunmehr 6 1/2 Stunden streikt die Lufthansa, weil sie 10(!)% mehr Geld wollen. Angesichts einer seit 1996 nicht geänderten ärztlichen Gebührenordnung müßte ich meine Preis dann wohl verdoppeln;-)). Ich hoffe doch, dass wir diesmal Glück haben und unser Flug geht. Für die Intercontinentalflug nach Peking gibt es die klare Ansage: wir fliegen, dem DOSB sei Dank.

Nicht geklärt ist immernoch, ob ich meine Medizinkoffer mitbekomme, schließlich sind wir auf 30 kg Gepäck limitiert und ich brauche neben der vorgeschriebenen Olympiakleidung auch ein bißchen Unterwäsche und natürlich Lesestoff. Wer zahlt das Übergepäck???

Für die Teams habe ich ein Peking-Quiz ausgearbeitet – es wird nicht leicht sein, das zu lösen und die Teams haben nur eine Woche Zeit. Ich hoffe, sie so von der Fixierung auf Olympia ein bißchen ablenken zu können und den Focus auf Land und Leute zu richten. Nicht ist schlimmer als 4 Wochen in einem Lager eingesperrt zu sein, sich nur auf vorbestimmten Wegen und mit ständiger Kontrolle bewegen zu können.

Wir werden sicher Sightseeing machen,  – nicht nur in Peking –  und wir werden versuchen, unsere Adaptation an die Zeit und die klimatischen Bedingungen spielerisch und mit anderen Sportarten als nur Beachvolleyball zu erreichen!

Hong Fu Garden, unsere Station für das Trainingslager bis zum Einzug ins Olympische Dorf, soll sehr kleine Zimmer haben und kaum Ablageflächen. Die Mail der Schweizer, mit denen wir uns die Beachanlage teilen und auch gemeinsam trainieren, kam gestern. ABER: wir können Fleisch essen. BOCOG (Das Organtsationskommitee der Spiele) hat seit Monaten allen Hotels die Fleischlieferanten vorgeschrieben und überwacht das Fleisch. Wir hatten Angst durch den Genuß von Fleisch positiv auf Dopingmittel getestet zu werden, weil in der Viehzucht Dopingmittel eingesetzt werden.

Aber für die Olympioniken bedeutet das auch, dass sie eben nicht in dem Geheimtipp, dem kleinen von Einheimischen geführten Restaurant abseits der Touristenströme essen gehen können, auch wenn die Küche noch so gut ist.

Jetzt werden wir noch mal schnell ein bißchen deutsche Luft atmen, was uns diesbezüglich in Peking geboten wird?… wer weiß!?

Nun ist es amtlich!

Okka Rau und Stephanie Pohl heissen die beiden letzten Olympiateilnehmer, die sich im Beachvolleyball qualifizieren konnten. Das gelang mit einem historischen Sieg in Frankreich. Die beiden sind damit das erste deutsche Damen-Team, das je ein Weltserienturnier gewinnen konnte.

Bereits am 28.7. fliegen wir nach Peking, um uns an die klimatischen Bedingungen und die Wettkampfstätten zu gewöhnen. Am 8.8. beginnen die Olympischen Spiele, Beachvolleyball startet am 9.8. Ich werde als Teamleiter und Arzt in Doppelfunktion vorort sein und mich um die Delegation des DVV kümmern.

Vorbereitung auf die Spiele – ruhige Tage

Nachdem wir unseren Ausflug hinter uns gebracht haben und nun erstmals auf den Center Court konnten, wird die Stimmung immer heisser. Es soll endlich losgehen. Morgen ist offizielles Einschreiben auf dem Beachgelaende. Alle werden gecheckt und muessen ihre UNIFORMS und die ACCESSORIES zeigen, damit ja alles kontolliert ist und nichts ins BILD kommt, was nicht abgesegnet ist. Und fuer alles muss vorher eine schriftliche Meldung abgegeben werden.

Alle sind bis jetzt fit und von Krankheiten verschont geblieben. Unsere praeventiven Massnahmen haben bisher Erfolg gezeigt. Ich hoffe es bleibt so. Ich selbst habe es in der ersten Woche, die nun hinter uns liegt, 3 x in den Kraftraum geschafft, immerhin – denn mit Fuellung des Dorfes ist kaum ein Rankommen an die Geraete. Der zunaechst so grosszuegig erscheinende Bereich ist voll, wenn da 2 Handball- und 3 Basketballmannschaften trainineren und die Einzelsportler ihr Recht verlangen.

Immerhin, die Stars sind da. Ich habe heute mit Dirk Nowitzki gesprochen, den ich fast nicht erkannt haette, weil er sich die Haare sehr kurz geschnitten hat. Roger Federer und Rafael Nadal haben wahre Auflaeufe produziert, alle wollten Fotos, die beiden kamen kaum zum Essen. Beide werden nach 2 Tagen in ein Hotel ziehen, weil sie im Dorf keine 10 m laufen koennen, ohne angehalten zu werden.

Ansonsten stellt sich langsam das erwartet bunte Bild ein, die Sportler aus Malawi haben doch tatsaechlich bunte Wollschals als Ausruestung bekommen.

Die Physiognomien, die man hier sieht, haetten vor 200 Jahren ausgereicht, um damit einen Zirkus zu fuellen. Vom extrem dicken Kugelstosser oder Gewichtheber, bis zum 2,13m langen Basketballer (wohnen neben uns) bis zu Turnerinnen aus Fernost, die nicht aelter als 12 aussehen, aber auf dem Papier wohl 16 sein muessen,  sieht man hier, dass die Sportarten bestimmte Koeperformen hervorbringen. Eine gutes Beispiel, wozu der menschliche Koerper in der Lage ist, – Adaptation an extreme Anforderungen fuehren eben zu extremen Formen.

China macht alles moeglich, Arbeitskraefte gibt es ohne Begrenzung und deswegen werden einzelne Blaetter von Rasen geklaubt, Laternen und Haeuser von aussen geputzt und selbst die Gummiabtreter vor den Tueren von Hand geschrubbt. Alles sieht immer schoen aus, es gibt keine haesslichen Fotos. Entlang der Strasse in den Aussenbezirken zum Trainingshotel sind grosse Plakatwaende mit dem Logo der Spiele aufgestellt, damit man von der Strasse das Elend dahinter nicht sehen kann. Das ist wie wenn man die Kontrollleuchte im Auto kaputtschlaegt, wenn der Oelstand nicht stimmt. Hilft nix, aber keiner nimmt’s mehr wahr.

Peking hat 360 000 Ueberwachungskameras installiert und wertet diese auch aus. In bestimmten Laternen im Dorf finden sich Rundum-Kameras, aber keine Birne. Sieht schoen versteckt aus, ist aber sichtbar. Hinter doppeltem Zaun und von bis zu 35 000 Soldaten bewacht, fuehlt man sich sicher, – wobei sich die Frage stellt, wer hier vor wem geschuetzt wird…Eine Sicherheitsbelehrung des BKA, die wir gestern erhielten, zeigt uns deutlich, dass es nicht so einfach ist, wie es hier gerne dargestellt wird. Immerhin haben wir jetzt eine Karte, auf der in chinesisch steht, dass wir Mitglied der deutschen Olympiamannschaft sind und die Adresse des Dorfes, damit man sie dem Taxifahrer direkt zeigen kann.

Eine weiter Entscheidung ist gefallen: Ich marschiere ein! Zwar werde ich dann vieles der Eroeffnungsfeier nicht mitbekommen, aber da Deutschland nach dem chinesischen Alphabet als Nation Nummer 199 einlaeuft, brauchen wir nicht so lange zu stehen. Und ich kann meinen Superphysio Ekke nicht allein gehen lassen.. Also aufgepasst an den Bildschirmen, wir werden vermutlich weit hinten in der deutschen Horde eingaloppieren, von einem geordneten Marsch kann nach meinen Erfahrungan aus Athen keine Rede sein.

Soweit fuer heute, nun faengt der Stress an. Ich hoffe dass die naechsten Meldungen Siege sind!

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