Endlich geht´s los

Nach dem wir den Fehler beim Einschreiben korrigieren konnten, steht nun einer Teilnahme unserer Teams nichts mehr im Wege.

Ich hatte demnach gestern vergleichsweise wenig zu tun. Morgens habe ich das Außenquartier unserer Damen übernommen, eine Privatwohnung in Ipanema.

Hier werden sich die Damen zurückziehen können und haben mehr Ruhe als im Olympischen Dorf. Gleiches erfolgte heute für das Herrenteam, das nun, 5 min Fußweg vom Stadion, ein Tagesquartier hat.

Nachteil dieses Auszugs aus dem Dorf ist, dass man das Team nicht zusammen hat. Als Teamleiter muss ich im Dorf sein, aber als Betreuer wäre ich gerne dichter dran. Die unnützen und langen Wege von mindestens 1 Std pro Richtung, die Tatsache, dass Impanema nicht vom einem Shuttle angefahren wird und jeder, egal ob Sportler zum Arzt oder Arzt zum Sportler ein Taxi braucht.

Taxen fahren aber lange, weil sie im Verkehr feststecken, der schlechter läuft, weil oftmals eine Fahrspur für Olympiafahrzeuge reserviert ist. Positiv macht sich bemerkbar, dass in Rio seit gestern Ferien sind und viele die Stadt verlassen haben.

Nachdem das Fernsehen gerade bestimmt hat, wer gegen wen in welcher Trikotfarbe spielen muss, wer welche Seite im Stadion bekommt und wir heute beim Technical Meeting den auf die Sekunde geplanten Countdown jeder einzelnen Partie nahegebracht bekamen, ist nun eigentlich alles geregelt.

Herr Gauck hat abgesagt, Herr de Maiziere auch, also kann die Deutsche Mannschaft nun hinter Timo Boll in das Stadion einlaufen. Funktionäre sollen nicht mit, einige wenige dürfen natürlich trotzdem. Ich habe es nicht geschafft unseren Physiotherapeuten Ekkehard Schurig zu einem der begehrten Marching-Pässe zu verhelfen. Also geht von uns niemand hin. Die Spieler nicht, weil sie in den ersten zwei Tagen danach sopielen müssen, Die Funktionäre aus eben geschilderten Gründen auch nicht. Also machen wir ein Teamtreffen im Deutschen Haus und schauen dort fern.

Zum Verständnis: Einmarsch bedeutet um 17:45h loszugehen, in den Bus zu steigen, dann in die Nebenhalle des Maracana-Stadions gefahren zu werden und dort nach Alphabet aufgereiht zu warten bis der Einmarsch beginnt. Dumm dass Alemanha ziemlich vorne im Alphabet kommt und wir früh einlaufen, aber dann lange stehen müssen. So um 2 Stunden muss man rechnen. Danach darf man sich die Reden anhören, die die Spiele eröffnen, sieht das Olympische Feuer entflammen und bekommt abschließend ein Feuerwerk zu sehen. Dann strömen 10000 Athleten zu den Bussen und werden zurück ins Dorf gebracht. Voraussichtliche Rückkehr: Nach Mitternacht.

Das schlaucht einen dermaßen, dass aus sportfachlicher Sicht ein Einmarsch für alle, die in den ersten 2 Tagen Wettkampf haben, nicht empfohlen wird. Manche tun es trotzdem und müssen dann die sportlichen Konsequenzen tragen.

Das Deutsche Haus ist traditionell die Begegnungsstätte, die der DOSB mit den Sponsoren betreibt und wo sich jeder, der sich für wichtig genug hält und einen Promistatus hat und zusätzlich einen Einladung ergattern kann, sehen lassen kann und reichlichst bewirtet wird. Alle Pressekonferenzen, alle Präsentationen von Medaillengewinnern, alle Ehrungen etc. finden hier statt und man trifft alle Athleten, Funktionäre, Industriebosse, Promis und ehemalige Olympioniken und kann durchaus nette Bekanntschaften machen und Kontakte pflegen. Auch das Fernsehen dreht hier und ich habe gestern unsere beiden Beach-Olympiasieger aus London mit ihren jeweiligen Fernsehkollegen getroffen.

Im Deutschen Haus haben alle Akkreditierte Zugang und können, wie wir finden, endlich mal wieder gut essen. Bei keinen Olympischen Spielen war das Essen qualitativ so schlecht wie hier im Dorf. Inzwischen bekommt die Deutsche Mannschaft Brot aus dem Deutschen Haus geliefert, damit man sich wenigstens auf das Frühstück freuen kann.

Unsere Unterkunft bleibt eine Baustelle, im Eingangsbereicht steht ein Eimer, der das aus dem Loch in der Decke tropfende Wasser auffängt, während die Klempner seit 2 Tagen nicht in der Lage sind, dass Leck zu beseitigen.

Olympia ist und bleibt Improvisation und Vertrauen, dass es auch schlimmer kommen könnte.

In diesem Sinne gehen wir voll Vertrauen in das erste Spiel morgen.

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