Eröffnungsfeier

Gestern war EINMARSCH, wir sind in Peking einmarschiert! – mit Fahne vorweg, wie es sich fuer gute Eroberer gehoert. Nach eine vergleichsweise kurzen Wartezeit von nur etwa 2 Stunden, die wir im Indoor-Stadium  verbringen mussten, in dem alle Nationen versammelt wurden, ging es los – dachten wir. Dem offiziellen Aufruf folgte das Treffen auf dem Flur, dann der Weg in der Halle zur Tuer, dann der Zickzackweg in der feuchten Hitze zum Stadion.Spaetestens hier war man nass unter dem netten spiessigen grauen Jacket. Der Weg dauerte aus zwei Gruenden so lange. Erstens, weil die Organisatoren keinen Verstand fuer die Spezies Athlet haben und nur ihre Zeremonie wichtig war (man haette das Ganze wesentlich kuerzer und weniger belastend gestalten koennen) und zweitens, weil unser Fahnentraeger ein dermassen bekannter Mann in China ist, dass er alle 2 Meter ein Autogramm- oder Fotowunsch erfuellen musste. Im Tunnel amgekommen, skandierten unsere Atnhleten:“wir wolln die Fahne sehn!“ und der arme Basketballstar musste kraeftig wedeln. Dann ging  es los und wir sind wesentlich entspannter einmarschiert, als in Athen. Ich konnte es sogar geniessen, wobei es schon komisch war, dass alle in den vorgegebenen 10er Reihen rechts gehen wollten (da standen naemlich die Kameras). Muss ziemlich unsymmetrisch ausgesehen haben, die Pulkbildung rechts…(wegen der Schuhe koennen bestimmt viele Athleten paar Tage nicht richtig laufen, meine Fuesse sind trotz Tape wund)

Ansonsten war es so, wie man es erwartet, – kaum waren wir drin und an unserer Warteposition angekommen, waren wir nicht mehr interessant, denn wenn die Fahne an ihrem Platz ist, ist das Ziel erreicht. Wir standen also planlos rum und da gleichzeitig China einlief, wurde es laut im Rund. Dirk N. aus D musste unzaehlige Fotos machen, obwohl er seinen Anzug komplett durchgeschwitzt hatte. Immerhin hab ich dann etwas einfaedeln koennen, dass es noch nicht gab: Unser Fahnentraeger trifft den ehemaligen Tennisweltranglisten-Ersten aus der Schweiz. Diese Fotos hat kein Journalist!!! Durch die Kontakte mit den Schweizern, mit denen wir das Trainingslager geplant hatten, konnte ich anfragen ob das klappt und das Geburtstagskind aus der Schweiz hielt Hof und empfing den mehr als einen Kopf groesseren Deutschen. So ist halt die internationale Reihenfolge.

Namen darf ich im BLOG nicht nennen, deswegen hoffe ich, dass mir alle folgen koennen.

Im weiteren war uns klar, dass wir am weitesten vom Ausgang entfernt standen und da die Rueckreise ins Dorf ungeordnet geplant war, also: wer im Bus sitzt, ist drin und faehrt mit und wer frueh drin ist ist auch als erster im Bett – daher habe ich meine Beacher gesammelt und mich waehrend des Olympischen Eides und der Hymne durch die Reihen der anderen Nationen gearbeitet und war dem Ausgang ziemlich nahe, als die Fackel 2 m an uns vorbeilief und dann in luftiger Hoehe die Stationrunde drehte. Mit Entzuenden des Olympischen Feuers und einigen ersten Feuerwerkskoerpern wurde der Run auf die Busse eingeleitet und wir schafften es als so ziemlich die ersten der 12 000 im Bus zu sitzen und ins Dorf zu gelangen.

Die Eindruecke sind ueberwaeltigend. Was die Chinesen tun, um ihr Land und ihre Spiele in ein positives Licht zu ruecken, waere in keinem kapitalistischen Land moeglich. Bein uns gaebe es Etatdiskussionen und Geldmangel an allen Enden, hier wird befohlen und es passiert. Dass dafuer hunderttausende Wanderarbeiter ausgebeutet werden, interessiert niemanden und wir verschwiegen, aus dem Bild geloescht, hinter bunten Beijing-Stellwaenden versteckt.

China setzt Massstaebe. Man kann Stimmung nicht kaufen, aber sie tun aus ihrer Sicht alles, damit es positiv wirkt. Wir aergern uns zwar manchmal ueber dumme, unsinnige Ablaeufe und Entscheidungen, aber die gab es auch in Atlanta oder Athen. Eigentlich kann man niemanden etwas Schlechtes nachsagen, auch wenn man sich immer kontrolliert fuehlt. Im Dorf sind ueberall Steinattrappen aufgestellt, die Lautsprecher enthalten.(ueber die KAMERAS HATTE ICH JA SCHON GESCHRIEBEN) Gestern wurde das gesamte Dorf mit chinesischer Musik beschallt, auch die Flure in den Haeusern. Wir haben uns beschwert, weil das gar nicht auszuhalten war, aber fuer die Chinesen ist das toll.

Uebernacht werden hier die Teiche abgelassen, alle Steine geschrubbt, um die Algen zu entfernen und am naechsten Morgen hat der truebe Tuempel wieder klares Wasser, – so geht das hier.

Wer auch immer die naechsten Spiele (nach London) ausrichtet, es duerfte schwer werden, das hier zu uebertreffen.

Und an meine Heimat Hamburg gerichtet: vergesst eure Olympiabewerbung! So gern ich in meinem Hamburg Olympia haette, und so sehr ich auch der Meinung bin, dass klein und fein auch schoener waere, als das uebliche Chaos hier, wer nicht mal die Kosten fuer eine Elbphilharmonie korrekt kalkulieren kann und mit diesem Gebaeude auch etwas baut, das keiner braucht, der muss noch vieles besser machen, bis er Olympia-wuerdig wird.

Hanseaten koennten das, aber nicht solange in Hamburg Kultur wichtiger ist als Sport!

In diesem Sinne! Heute folgen die ersten Spiele und ich habe nicht so ein gutes Gefuehl, weil 3 der 4 Protagonisten gestern im Stadion waren. Und das zu verarbeiten und sich auf das Spiel zu konzentrieren duerfte zumindest den Madels schwer fallen! Drueckt uns die Daumen, 19h Okka/Stephie gegen Cuba, 23 Uhr David/Eric gegen Norwegen. The games start!

© Copyright Praxis Dr. Tank