GOOOOOOLD!!!

Es ist Gold geworden, das weiß in Deutschland inzwischen so ziemlich jeder.

Aber was für ein Spiel. Beachvolleyball auf höchstem Niveau und wegen der kleinen Schwäche von Julius am Ende auch ein besonders unterhaltsames dazu. Aber der Reihe nach. Das Spiel war lange unentschieden und  plätscherte dahinund niemand konnte sich so richtig absetzen. Die Brasilianer waren unerwartet stark, sicher stärker als in den vorhergehenden Spielen. Die von Jürgen ausgetüftelte Taktik, die im Halbfinale gegen die Holländer so überlegen war, zeigte sich gut, aber eben nicht so effektvoll. Es war klar, auch die Brasilianer hatten ihre Hausaufgaben gemacht. Dennoch konnten wir den ersten Satz gewinnen. Im zweiten ging es schlechter und man bekam den Eindruck, es sei nichts zu holen. In dieser Phase agierte unser Team so, dass es dem Gegner Schläge anbot, die im dritten Satz wenig gespielt werden sollten. Und das reichte dann, um den dritten Satz bis 14:11 zu beherrschen. Und dann kam die Szene, in der uns allen der Atem stockte. Julius wehrte den Angriff von Emanuel ab und hatte die Chance, den Matchpoint zu versenken. Und er schaffte es nicht. Die beiden folgenden Bälle sollten normalerweise ausreichen, um den einen nötigen Punkt zu machen. Aber zuerst verbaggert Julius die Annahme, dann stiehlt er sich aus der Verantwortung für den in die Mitte gespielten Aufschlag und plötzlich steht es 14:14. Das Stadion kocht, die brasilianischen Fans werden Ohren betäubend laut und bei uns läuft ein Deja Vu ab. In Moskau hatte es in dieser Saison das gleiche schon einmal gegeben und das Spiel wurde 16:18 verloren. Doch Jonas macht abgeklärt den Punkt zum 15:14 und der anschließende Aufschlag ist gut. Emanuel verzieht, sehr knapp , aber ausreichend deutlich. In Zeitlupe bewegt sich der Arm des Schiedsrichters auf unsere Seite. Punkt! Satz! Olympiasieg! Jonas hat schon die Arme oben, bevor der Schiedrichter entscheidet, Julius braucht ein bißchen länger.

OLYMPIASIEGER (hört sich auch viiieeeel besser an als Silbermeaillengewinner)!

Bei uns fällt die Spannung ab und wohl alle haben Pipi in den Augen. Unfaßbar!!! Olympiasieger! Darauf durfte man hoffen, aber damit konnte niemand rechnen. Nach all den Problemen, die es im Vorfeld gab – Jonas Frau kam erst gegen 19 Uhr aus dem Krankenhaus, wir haben ihr noch einen Sitzplatz am Feld in unserer Reichweite organisiert, alle Verletzungen und Erkrankungen, all das hat das Team nicht aufhalten können. Letzlich hat sich die konsequente Planung und die Zusammenstellung des Teams mit Trainern, Psychologen, Physiotherpeuten und Ärzten als gute Kombination bewährt.

Auch wenn in den Geschichtsbüchern nur die Namen Reckermann und Brink stehen werden, ich bin stolz ein Teil des Teams gewesen zu sein.

Und da ist da noch die Geschichte der deutschen Flagge, die man auf den Fotos sieht. Eine Flagge mit Adler in der Mitte, die ich bei den Spielen in Peking mitgenommen habe und die 2009 Weltmeister, 2012 Europameister und nun auch Olympiasieger wurde. Man sieht sie auf allen Siegerfotos dieser Events und demnächst in meiner Praxis. Mehr als Olympiasieg geht nicht, deswegen wird die Fahne eingemottet.

In der Presse war die Geschichte der so genannten Glückbringer zu lesen, Gummipuppen, von denen die Presse gerne Fotos gehabt hätte. Für die Leser dieses Blogs sei gesagt, es gibt Dinge, die bleiben besser intern. Die Pferdeäpfelgeschichte hat es immerhin bis in den aktuellen Stern geschafft. Meine Aktion, wie ich dem Schiedrichter helfe, der während des Viertelfinales kollabierte, kam ja live im TV. Ihm geht es gut, er ist nicht krank, er hatte eine kurze Bewußtlosigkeit, die sicherlich mit dem Stress zu erklären ist.

Die Feier der Medaille verzögerte sich, weil noch Dopingkontrollen anstanden, aber gegen Mitternach konnten wir endlich einen Happen essen und ein Bierchen trinken. Dann ging es in einen Tanzclub, in den der Hauptsponsor Red Bull einlud. Gerade als die Stimmung gut wurde, war Sperrstunde und das Licht ging an, die Musik dafür aus. Ende der Feier, nach einigem Hin und Her das Signal für mich, mit dem Trainer und dem Kollegen Kass in den Nachtbus zu steigen und zum Dorf zurückzufahren. Gut das in der Mensa McDonald´s ist. Das Frühstück war ein WRAP, der im Zimmer dann mit einer Flasche Riesling begossen wurde. 5.30h war meine bedtime.

Auch beim Aufstehen am nächsten morgen wird einem nicht klar, was passiert ist. Die erste Goldmedaile für Volleyball, die es jemals (incl. DDR-Sport) gab. Und man ist dabei.

Nachmittags hatte ich BMX-Tickets und konnte die erste Veranstaltung einer fremden Sportart hier erleben. Und jetzt gehe ich zum Hockeyfinale. Gibt zwar keine Tickets mehr, aber ich habe in vorübergehendes Upgrade bekommen und darf jetzt auch ins Hockeystadion, – zusehen, wie wir die nächst Goldmedaille holen, um vor Frankreich im Medaillenspiegel zu bleiben.

Nachtrag:

Hockey ist im Vergleich zu Beachvolleyball langweilig und im Stadion war es saukalt. Oben auf der Tribüne wehte ein heftiger Wind. Das Spiel selbst ähnelt einem Fußballspiel, nur, dass durch das Limit, dass der Stock nur mit einer Seite benutzt werden kann, viele Aktionen ins Leere laufen. Besser wäre aus meiner Sicht, das ganz frei zu geben und mehr Tore in Kauf zu nehmen, dann wäre es auch für Zuschauer interessanter. Nach dem glücklichen Sieg gegen die Holländer dauerte es noch ewig, bis endlich das Lied gespielt wurde, wegen dem wir alle da waren. Es geht nichts über eine Goldmedaille, und ich hab heute die zweite erlebt. Und fast wäre ich erfroren…

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