Halbfinale!!!!!!! Schon heute wurde Geschichte geschrieben…

… aber Story ist noch nicht zu Ende.

Nachdem das Achtelfinale gegen die Schweiz im ersten Satz zu einer Zitterpartie wurde, danach aber die Sicherheit und vor allem der Aufschlag wieder kam, hatte die beiden Schweizerinnen im zweiten Satz keine Chance. Ein letztlich souveräner Sieg, der zwar zwischenzeitlich ein bisschen holperig war, aber letztlich eindeutig ausfiel.

Heute ging es dann gegen Kanada. Das letzte Duell der beiden in Porec hatten die Kanadierinnen gewonnen. Pavan, mit 1,96m die längste im Frauenbeachvolleyballturnier, hat schon einen beeindruckenden Block und die Abwehrspielerin hat es bei einem solchen Block leichter, das Feld zu verteidigen.

Entsprechend angespannt waren wir alle. Ein neunter und ein fünfter Platz bei Olympia ist das bisherige Standartergebnis der Damen gewesen. Das wollten wir auf keinen Fall noch einmal.

Ich kann melden, dass beide Spielerinnen im bisherigen Turnierverlauf durch die Pflege von Physiotherapeut Jochen Dirksmeyer immer stabiler geworden sind und auch die Menge an Tape, die vor dem Spiel verklebt wird, rückläufig ist. Immer weniger muss ich bei den jeweiligen Check-ups vor dem Spiel korrigierend eingreifen.

Nun also zum Spiel gegen Kanada. Es begann wieder ein bisschen holperig, keine Mannschaft konnte sich entscheidend absetzen. Es gelang den Block von Sarah Pavan zu umspielen und ihr wenig Gelegenheit zu geben, sich auszuzeichnen. Die kleine Abwehrspielerin hatte zunehmend Probleme mit unseren wirklich guten Aufschlägen und so wurde es mit einer souveränen Leistung ein unerwartet deutlicher Sieg mit zweimal 21:14.

Die Körpersprache der Kanadierinnen ab Mitte des zweiten Satzes war eindeutig. Sie waren völlig überfordert mit dem Druck, den Kira und Laura aufbauen konnten.

Die Freunde ist groß im deutsch en Lager: Noch nie zuvor hat ein deutsches Damenteam die letzten Vier bei Olympischen Spielen erreicht. Und wir freuen uns auch, dass wir jetzt auf jeden Fall noch zweimal spielen dürfen.

Leider nicht gegen unsere Freunde und Trainingspartner, die Schweizerinnen. Sie hatten gegen die Favoriten aus Brasilien 4 Matchbälle im zweiten Satz und konnten dennoch nicht gewinnen. Nun haben Talita und Larisse (BRA 1) sicher viel neues Selbstvertrauen gewonnen und das Halbfinale wird auch wegen der sehr einseitigen Zuschauer extrem schwer.

Morgen ist frei, da nur die Männerviertelfinals gespielt werden. Wir erwarten Gäste im Dorf und für den Nachmittag habe ich Eintrittskarten für das Boxen bestellt – wenigsten eine andere Sportart möchte ich hier sehen.

 

Sonstige Neuigkeiten:

Die Lage in Rio wird immer brisanter. Dabei sind keine Terroristen das Problem, sondern Einheimische. Das BKA hat heute eine Warnmeldung an alle rausgegeben, die ich Ihnen gerne einmal zum Mitlesen zitiere:

„…in Anbetracht der aktuellen Sicherheitslage (vermehrte Überfälle und Diebstähle auch in den Zentren sowie auf Verkehrsmittel sowie Schusswechsel in verschiedenen Teilen der Stadt) bitten wir euch dringend darum, die Mitglieder eurer Teilmannschaften nochmals eindringlich auf die erläuterten Vorsichtsmaßnahmen hinzuweisen. Insbesondere sollte –bei allem Verständnis für den „Feiermodus“ – auch hier ein verantwortungsvolles und immer kontrolliertes Vorgehen (Alkoholkonsum, Rückkehrzeit, Kommunikation im Team) selbstverständlich sein.“

 

In einigen Teilen Rios sind Spezialkräfte gebündelt und haben heute z.B. eine Favela „gesäubert“, weswegen unser Bus einen anderen Weg fahren musste.

An der Copacabana rotten sich Banden mit bis zu 50 Mitgliedern zusammen und rauben Touristen aus- die Polizei hat dort kapituliert (Zitat BKA).

Falsche Polizisten haben mit einer Straßensperre das Taxi amerikanischer Schwimmer angehalten und diese ausgeraubt.

 

Ich bekomme nicht mit, was neben der Sportberichterstattung in Deutschland davon ankommt, aber ich sehe hier täglich, das Brasilien nicht reif war, die Spiele so auszurichten, wie wir und alle anderen es erwarten. Ich bin sehr gespannt, was der IOC-Präsident sagen würde, wenn man ihn darauf anspräche. Nach seiner Verlautbarung sind das hier die besten Spiele, die es je gab. Nach Auffassung derer, die einen Vergleich haben, sicher die schlechtesten.

 

Auch unsere neue Housekeeping-Firma erscheint nur sporadisch. Inzwischen putzen einige Teams selbst. Handtuchwechsel, Bettzeugwechsel: Fehlanzeige. Toiletteneimer leeren: nur auf direkte persönliche Aufforderung durch Gesten, da eine Kommunikation in der Regel nicht möglich ist.

Gestern habe ich es nicht mehr ausgehalten und bin zu Golden M gegangen, die eine Dependance in der internationalen Zone unterhalten, in der Akkreditierte kostenlos BicMäc und Konsorten ordern können. Die Schlage ist ca. 100 m lang, ich habe 55 Minuten gewartet bis ich die Bestellung aufgeben konnte, dann weitere 10 Minuten bis ich mein Fastfoodbeutel bekam.

Aber erstmals in Brasilien konnte man sich darauf verlassen, dass es so schmeckt , wie es aussieht und man es kennt und erwartet.

Und dann habe ich fast 2000kcal auf einmal gegessen, upps…

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