London – endlich da!

Um 13.35 hebt die Maschine nach London ab. Bestes Wetter auch in London wird uns vom Kapitän gesagt. Das Einchecken auch meines Übergepäcks (ich hatte 6 Flaschen Riesling gekauft, weil ich für den weißen, Jürgen (Trainer Brink/Reckermann) für den roten Wein, zuständig bn, klappte ohne Meckern (51 Kilo sind Sperrgepäck, aber ansonsten war alles entspannt.)

Die Ankunft in London ist schon besonders, weil der Himmel wolkenlos ist und der Pilot uns aus der Luft die olympischen Sportstätten zeigt. 20 Minuten zu früh landen wir und stehen ersteinmal auf dem Rollfeld rum, weil keine Parkposition frei ist. Dann steigen wir aus und stehen am Gepäckband, dass einen Koffer nach dem andern ausspuckt und alle sehen gleich aus. Mit mir im Flieger waren Reiter, Bogenschützen und über 30 Ruderer. Nicht einfach sein Tasche zu finden, aber schießlich habe ich alles beisammen und komme in die Ausgangszone, wo wir von einem oOffiziellen abgeholt werden.

Wir sollen Wasser kaufen und auf die Toilette gehen, man rechnet angesichts der Verkehrssituation mit 2-3 Stunden fahrt durch London , um ins Olympische Dorf zu gelangen.

Es geht tatsächlich erstmal nicht los, dann auf einen Parkplatz , wo irgendwas zu regeln ist und dann endlich in den Stadtverkehr. Stop and go die meiste Zeit, dann endlich wird es grüner und schneller und wir fahren scheinbar nördlich um die City herum. Nachdem der Busfahrer in einem Kreisel 3 Runden gedreht hat und wir schon glauben, er wisse nicht weiter, stellt sich raus, dass er schließlich doch weiß wo es lang geht und wir sind quasi im Olympischen Dorf, nur auf der falschen Seite. Drumrumfahren dauert noch mal 15 Minuten, nicht weil es so groß wäre, sondern weil es sich staut…

Dann kommt der Sicherheitcheck.Ein Soldat geht durch den Bus und schau nach, ob irgendwo ein Terrorist versteckt ist, er ruckelt an allen Verkleidungen, schaut unter die Sitze und auch von außen wird der Bus mit Spiegeln von unten abgesucht, Hunde testen aus Sprengstoff. Dann sind wir drin, ich bekomme meine aktualisierte Akkreditierung und dann geht es mit dem Bus zum Quartier.

Große Begrüßung, denn fast alle „Verwaltungs- und Organisationsverantwortlichen“ kenne ich vom letzen Mal. Ich bin diesmal „nur Arzt“ allerdings muss ich auch weiterhin einige „Teamleiter“-Funktionen wahrnehmen. Ich wohne im 8. Stock, Block D mit Blick auf das Olympiastadion, die Schwimmhalle und den Hockeyplatz.

Die Ausstattung ist spartanisch, ein Schrank für 2 Athleten, das gab es selbst in Athen nicht, keine Stühle und kein Tisch zum Arbeiten, aber ein Sofa und mit Styropor gefüllte Sitzsäcke, ein Fernseher, ein Kühlschrank. Jeder hat einen Nachttisch und darin ein abschliessbares Fach, eine LED-Leuchte zum Lesen und als ich meinen Laptop anschalte 5 WLan-Netze…. Dazu eine Matratze mit Sprungfedern. Ungesünder geht es nicht. Ich überlege spontan, ob ich mir nicht eine eigene Matratze kaufe, weil WLan kann nicht abgeschaltet werden.

Die Ausstattung ist qualitativ untere Kategorie, die Verarbeitung im gesamten Appartement schlecht. Duschwassr hat kaum Druck, die AirCondition schafft es nicht auf die angezeigten 18 Grad.

Man hat den Eindruck, als sei den Londonern nach großen Ankündigungen das Geld ausgegangen.

Das Dorf ist kompakter als in Athen oder Peking, 9 Stockwerke machen es möglich, es ist alles in kurzen Fußmärschen zu erreichen, was hier sein muss: Essenhalle mit Cocacola und McDonalds-Ständen, Busbahnhof, Krafträume, ein Internetcenter mit 80 PC´s, Spielecenter und, was es zuvor bei Olympia nicht gab, Strassenstände, die Essen anbieten, gerade wie so eine Fressmeile auf dem Alstervergnügen. Kosten uns nichts, das ist das Wichtige.

Die Busse fahren für unseren Geschmack zu selten zu den Veranstaltungsplätzen, zum Beachvolleyball ist es eine Busfahrt von 1Std15 Min, wenn es gut geht.

Ab morgen sollen auf den Strassen die Olympic Lanes geöffnet sein, also Fahrspuren, die nur Olympiafahrzeuge benutzen dürfen. Leider sind sie aus strassenbaulichen Gründen nicht durchgängig, und dann stehen unsere Busse genauso im Stau. London hat das Verkehrsproblem nicht gelöst, bedeutet es doch für uns, dass die Teams 3 Stunden vor dem geplanten Training oder Spiel losmüssen. Bloß gut, dass wir 300 m entfernt vom Centercourt ein Apparthotel haben, in dem unsere Athleten und Trainier tagsüber oder auch mal über Nacht bleiben können. Das erleichtert die Sache erheblich.

U-Bahnfahren ist auch keine Lösung, weil wir aus dem Dorf 15 Min zu Bahn laufen müssen, dann etwa 35 Minuten stehen, weil es kaum Sitzplätze gibt und dann noch mal 10 Minuten laufen, danach eine große Sicherheitskontrolle, da gewinnt man auch keine Zeit. Wir haben eine Oystercard, also die kostenlose Benutzung aller Nahverkehrsmittel, aber wirklich beschleunigen kann die das Geschehen auch nicht. Die Karte wird erst interessant, wenn man ausgeschieden ist und feiern will.

Dennoch: Central London ist sehenswert. Wir spielen in der Nähe des Buckingham Palace, an der Horse Guards Parade, und schauen vom Centercourt direkt auf eines dieser königlichen Bauten.

Allerdings war der Aufbau heute noch nicht fertig, dennoch will man am Samstag alles parat haben.

Kein Einmarsch

Manches ändert sich auch bei Olympia. Neuerdings dürfen nur Athleten einmarschieren und maximal 1 Offizieller jedes Verbandes. Dadurch wird der Einmarsch schneller und die Zeremonie nicht so gezerrt. Ich habe beim Streit um die eine Einmarschmöglichkeit meinen Verzicht erklärt, – ich hab das schon zweimal erlebt und gönne es jedem anderen. Wir werden auf dem Balkon sitzen und von dort bei einem Wein das Feuerwerk ansehen, von dem wir gestern um Mitternacht eine kleine Kostprobe bekommen haben.

Wer mich sehen will muss enweder ins Stadion kommen wenn Deutschland Beachvolleyball spielt, oder im Fernsehen genau hinschauen. Ich werde voraussichtlich hinter meinen Spielern sitzen, im Freien, leider auch bei Regen, der am Wochenende wieder einsetzen soll.

Soviel für heute!

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