Regen und Diebe im Paradies und die spinnen, die Amis

Von Seattle ging es ueber LA nach Tokio, Flugroute ueber Alaska und Sibirien mit wunderschoenen unberuehrten Schneeelandschaften im noerdlichen Russland. Das Meer war zugefroren und brach Richtung Japan langsam auf – ein wunderschoener Anblick. In Japan war es dann alles andere als schoen. Der Flughafen liegt 66km ausserhalb, in der Rushhour dauerte es ueber 2 Stunden um im Hotel fuer 100Euro ein Wohnklo zu bekommen, und dann am kommenden Morgen, frueh gegen 7,  wieder 2 Stunden raus zum Airport zu fahren…

Der Flug nach Yap fuehrt ueber Guam, man darf also die vollstaendige Einreise der USA durchlaufen(Daten sammeln), obwohl man nur Transitpassagier ist (und ich war 2 Tage vorher aus USA ausgereist…). Die Ami’s spinnen und gehoeren bestraft fuer die Dreistigkeit, mit der sie die Flugpassagiere unsinnig quaelen. TSA (Die Transport und SicherheitsAgentur, die Sicherheitsbehoerde der USA) wird von Amis nur Thousands Stand Around genannt).

Yap dagegen ist ein Paradies. Barbusige Maedels stehen am Flueghafen abend um 10 Uhr und reichen Blumenkraenze zur Begruessung. Das Hotel (Manta Ray Bay Resort) ist Spitze, nur das Arbeitstempo der einheimischen Bevoelkerung ist klischeehaft typisch: Langsam, bloss nicht anstrengen, was bei 29 Grad Luft und ebenso warmen Wasser verstaendlich ist. Die Hoechstgeschwindigkeit fuer Autos ist ueberall 25 Meilen, wenn die Strasse asphaltiert ist, sonst 15 Meilen pro Stunde, da wird jede Inselrundfahrt zum Tagesausflug. Und warum die Einheimischen 3-Liter-Toyotas fahren versteht keiner. Uebrigens sind das (fast) alles Japan-Importe mit Steuer rechts, aber es wird „Deutsch“ gefahren – immerhin war die Insel mal unter deutscher Kontrolle und es gibt einen von unseren Vorfahren geschaffenen Kanal, der einen schneller zu den Tauchgebieten bringt. Die Autos fahren (schleichen) also auch rechts.

Hier laufen manche Maenner noch im Lendenschurz rum, freitags tragen alle Blumenkraenze, aber auch hier wird der amerikanische Einfluss deutlich, die einstmals huebschen Menschen sind ueberwiegend aufgedunsen und teils sogar richtig fett. Die USA zahlen jaehrlich etwa 200 Mio US$ an die FSM (Foederierten Staaten von Mikronesien) und sichern sich, wie auch in Palau (500Mio US$) das Recht im Bedarfsfall Militaerbasen auf den Inseln errichten zu duerfen.

Der erste Tauchtag auf Yap haette auch mein letzter sein koennen, die (nagelneue) Leihausruestung hatte 8 Loecher im Luftschlauch der Tarierweste, so dass ich zwar Luft einpumpen konnte (Test positiv:-)), aber diese schnell wieder verlor (war an Land nicht zu merken). Nach 4 Minuten und 12 m Tiefe war klar, dass was faul ist und ich konnte es mit Muehe und dem Tauchguide an die Oberflaeche und aufs Boot schaffen. Ab dem zweiten Tag war alles okay und die Mantas konnten kommen.

Tatsaechlich sitzt man auf 21m Tiefe rum und wartet im trueben Wasser bei etwa 5 m Sicht. Schatten naehern sich und ploetzlich schwimmen die Riesenrochen mit 5 m Spannweite direkt ueber einen hinweg, weil sie scheinbar das Kribbeln unserer Atemluft am Bauch gerne spueren. Je nach Tauchtiefe und Luft kann man etwa 25 Minuten da unten bleiben, bevor einen die Sicherheitsregeln wieder in flacheres Wasser fuehren. Yap war schon eine tolle Erfahrung, Haie Rochen und durchaus einige Korallen, sogar Mandarinfische und ein Wrack sind zu sehen. Aber insgesamt sind die Riffe nicht besonders bunt und auch wenig fischreich, teils sogar kaputt.

Am 3. Tag wurden meine Badehose und mein T-Shirt sowie meine Badelatschen Groesse 48 aus dem (bewachten) Umkleideraum geklaut, – Badehose und T-Shirt versteh ich ja noch, aber wer auf der Insel will meine Riesenlatschen tragen… vielleicht will einer damit surfen, dachte ich.

Regen und tropische Stuerme legten 2 mal die Insel lahm: Stromausfall, einmal ueber 1 1/2 Stunden lang, so dass man im Restaurant eine Taschenlampe bekam…

Am Abreisetag kommt dann ein Angestellter und bringt mir meine Badelatschen zurueck, die auf dem Gelaende gefunden worden sein sollen. Damit war der wichtigste Verlust ausgeglichen, denn Schuhe in meiner Groesse sind schwer zu kriegen.

Die Tauchschule verzichtete wegen des Ausruestungsfehlers vom ersten Tag und der Diebstaehle aus Kulanz vollstaendig auf die Berechnung der Leihausruestung – ein unerwarteter aber fairer Zug des verantwortlichen Managers Jan aus Belgien, der wegen seines Golferarms seit Monaten leidet und nun nach meiner Schnelldiagnose „Zahnprobleme im re Oberkiefer“ im August in HH aufschlagen und sich behandeln lassen wird.

Der Weiterflug nach Palau dauert nur 45 Minuten, eroeffnet aber eine andere Welt. Palau ist formal zwar unabhaengig, real aber mit einem Aussenhandelsdefizit von etwa 70 Mio US$ bei einem BIP von 170 MIo US$ voellig von den Zuwendungen der USA abhaengig. Auch hier gilt ein Geschwindigkeitslimit von 25mph, an einigen Stellen der gut ausgebauten Strasse zur Hauptstadt, die aus einer 1999 fertiggestellten Nachbildung des Capitol in Washington als Regierungssitz Palaus besteht, darf man 40 mph fahren.

In Palau wird die eigene Tradition kaum noch gepflegt, lediglich das allgegenwaertige Betelnusskauen, mit vollem Mund sprechen und das damit verbundene „Rumgerotze“, das besonders von Europaeern als unappetitlich empfunden wird, gilt als Tradition und laesst sich von den ueberwiegend auslaendischen Arbeitgebern nicht abschaffen.

Palau besteht aus hunderten kleinen Inselchen und ist nahezu vollstaendig von einem Riff umgeben, an dessen Aussenrand der Fels zunaechst auf etwa 50 m und dann in viele km Tiefe abfaellt. Es gibt innerhalb des Riffs viele flache sandige Stellen, die das Wasser helltuerkis faerben. Man kennt diese Farbe von den kitschigen Maledivenfotos, aber genauso sieht es hier aus. Haie sind schon am Strand beim Schnorcheln zu erkennen, wobei es sich um die kleinen (max 1,50m groessen) Weissspitzenriffhaie oder Schwarzspitzenriffhaie handelt.

Die Tauchplaetze sind erst nach 45 – 60 minuetiger Anfahrt im Speedboot erreichbar, dann aber wunderschoen. Die Sicht betraegt 20-30 m, es gibt unglaublich viele Fische, es wimmelt von Haien (grauer Riffhai, ca 3m), Thunfischen, Zackenbarschen, Baracudaschwaermen, Riesenpapageifischen (ca. 1m), Schildkroeten, Seeschlangen, verschiedensten Rifffische…Korallen in ungekannter Groesse und unglaublich farbenpraechtig bilden das Geruest der Riffe, Nahrung und Heimstatt der Bewohner. Nicht umsonst ist Palau als eines der besten 10 Tauchziele der Welt gewaehlt worden.

Umsonst ist hier allerdings nichts, Preise sind happig und man versucht aus allem Geld zu machen. Die Tauchschule war ein Chaos, schlecht organisiert und zu klein… Aber immerhin hat meine abschliessende konstruktive Kritik (Ich hab denen mal eine Konzept geschrieben, wie das Ganze besser und kundenfreundlicher gestaltbar ist), dazu gefuehrt, dass man das Gespraech mit mir gesucht hat, mir Geld zurueckerstattet hat, dass ich schon bezahlt hatte, und im selbst geschaffenen „Drunter und Drueber“ einen Beleg verschlampt hat, so dass man mir Waren im Wert von 90 US$, die ich im Tauchshop gekauft hatte, nicht in Rechnung gestellt hat – da hab ich denn mal meinen Mund gehalten… das kann ich dann auch 🙂

Der Vorteil der beiden Tauchparadiese noerdlich des Aequators liegt einmal darin, dass hier Englisch gesprochen wird und darin, dass die zu dieser Jahreszeit im suedlichen Pazifik vorkommenden Zyklone (Fidji hat es ziemlich erwischt), eben suedlich des Aequators bleiben. Regen gibt es trotzdem, aber der ist warm und stoert nicht weiter…

Ich sitze jetzt in Tokio, hab die Nacht kaum geschlafen, weil die Abreise nachts um 1 erfolgt und aergere mich noch immer ueber die Idioten von palauischen Amis und ihre uebertriebene Sicherheitsbestimmungen. Trotz meines internationalen Tickest nach Australien durfte ich nur 23 kg Gepaeck haben, ich reise aber immer mit etwa 26kg, die Differenz von 3 kg sollte bei Continatal Airlines schlappe 85 US$ kosten.

Das Angebot, „nimm doch was raus, und tus ins Handgepaeck“ ist so unlogisch wie daemlich, aber der amerikanische Weg, den selbst auferlegten Bestimmungen gerecht zu werden. Versteht zwar keiner, Business-Passagiere duerfen auch mehr mitnehmen und der Flieger war halb leer, aber Bestimmungen sind halt Bestimmungen, selbst denken ist fuer Angestellte der Amis nicht erwuenscht. Also schleppe ich das Gewicht eben selbst.

Dummerweise hab ich mein Necessaire rausgenommen und vergessen, dass da meine Scheren und Nagelfeile etc.. drin ist. Bei der Handgepaeckkontrolle fiel das natuerlich auf. Neue Zahnpaste 4 US$ – weg, Shampoo – weg, 2 Scheren, Nagelfeile – weg. Da hab ich Rabbatz gemacht und gesagt, das ist ein gesamtes Set, dass ich vor vielen Jahren von einer Freundin geschenkt bekommen habe, dass will ich behalten.

Alle Versuche, die Kleinteile in einem Umschlag in den Haenden des Bordpersonals mitzukriegen scheiterten. Meinen Hals kann sich jeder vorstellen,- wenn die Kuh beim Checkin mal nachgedacht haette, dass ich ein Businessticket nach Sydney fuer den gleichen Tag habe, dann haette sie das Gepaeck durchgehen lassen muessen und nichts waere passiert. Aber Continental will ja keine zufriedenen Customer, jedenfalls kriegen die auch eine fette Mail von mir.

Immerhin hat sich eine der Sicherheitsbeamtinnen meinen Vortrag angehoert, wie es ist, wenn man Geschenke von Freunden wegschmeissen muss, die einem was bedeuten und ich sollte dann meine Adresse in ihr Buechlein schreiben, sie will mir die Sachen zuschicken und sie wollte nicht mal das Porto haben. Mal sehen, ob das ankommt…

Wegen des nicht durchgecheckten Gepaecks sitze ich jetzt, statt in der Businesslounge in Tokio, im Starbucks und schmeisse pro 10 min einen Euro in den PC, denn ohne Bordkarte keine Lounge, und Bordkarte gibt es erst, wenn nach 7 Stunden der Schalter aufmacht… Vielleicht sollte man die Japaner ermutigen mal wieder Krieg mit den Amis anzufangen (es liegen 35 Wracks aus dem zweiten Weltkrieg in Palau), dann waer das Problem mit dem Check-in wohl auch geloest… :-))

Jedenfalls war das heute ein gebrauchter Tag. Morgen in Sydney muss es einfach besser werden.

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