Galapagos

Ich sitze in Guayaquil auf dem Flughafen und nutze einen miesen oeffentlichen PC.

Galapagos liegt hinter mir und es war zu kurz. Ich war Tauchen und habe zwei der Inseln kennengelernt, aber das war‘s dann auch schon. Am ersten Tag hatte das Restaurant, in dem ich zu Abend essen sollte geschlossen, wie fast alle Restaurants am Sonntag Abend in Puerto Ayora – ich musste  teuer essen gehen in einem Hotel. Beim Tauchen bin ich nicht ertrunken, aber es war auch nicht so spektakulaer, wie man es sich wuenscht 🙂 Jedenfalls hat alles geklappt und ich weiss jetzt , dass mir auch 18 m Tiefe nichts ausmachen.

Am Folgetag hat man mich vergessen abzuholen und auf das Schiff zu bringen, das mich nach Floreana bringen sollte. Als ich denn mal nachgefragt habe – Man(n) beschwert sich in solchen Laendern ja erst nach einer halben Stunde, stellte sich raus, dass im Gegensatz zu meinem Plan, hier beide Tagesausfluege faelschlicherweise am selben Tag gebucht wurden. Also habe ich eine andere Fuehrerin bekommen und die Insel Santa Cruz, auf der ich sowieso war, erkundet.

Man ist immer von den Fernsehbildern fasziniert, hier sind die Meerechsen nach wenigen Minuten langweilig, die Darwinfinken sind grau, braun und schwarz und machen eigentlich nicht mehr her als andernorts. Am dritten Tag hab ich dann Meeresschildkroeten gesehen und den Blaufusstoelpel. Das war das Highlight. Noch besser war das Essen an Angermeiers Point, einem von Deutschen ins Wasser gebautes Restaurant an der Hafenausfahrt, wo beim Essen die Schildkroeten zum atmen auftauchen und der Wein gut und kalt ist. Leider gab es eine Moskitoplage, aber man bekommt aber vom Restaurant entsprechenden Schutzspray.

Ich hab nette Leute kennengelernt, z.B. den Justitiar des Deutschen Gewichtheberverbandes 🙂 oder Karen, eine ebenfalls weltreisende Kanadierin, die in Deutschland 4 Jahre als Abwasseringenieurin gearbeitet hat. Ich bin dann aufgefallen und hab eine Angestellte mit Rueckenschmerzen behandelt – scheinbar so erfolgreich (der Arzt hier hat 3 Wochen Spritzen gegeben ohne Erfolg – wie auch, wenn ein Zahn schuld  ist), dass ich abends 5 Angestellte und deren Kinder zur Sprechstunde hatte:-) War ziemlich lustig. Inga, eine junge deutsche Studentin konnte uebersetzen und ich hab im Hotelgarten gearbeitet. Public viewing 🙂 Zumindest musste ich seit dem keine Rechnung mehr bezahlen und alle standen Spalier als ich heute abgefahren bin.

Galapagos kostet erstmal 100 Dollar Eintritt, die Ausreise aus Ecuador dann je nach Flughafen noch mal zwischen 25 und 50. WENN man also hierher faehrt, dann mindestens 2, besser 3 Wochen. Eine Woche Tauchen, eine Woche auf einem Hotelschiff, das einem die Inseln naeher bringt und eine letzte Woche zur Erholung. Tolle Straende laden ein, aber es gibt dort keine Gastronomie, keinen Busverkehr und einen Nationalparkhueter, der einen um 18 Uhr rausschmeisst. Aber dann wird es ohnehin dunkel. Wer selbst buchen will: Hotel Mainao (zwei Punkte auf dem „i“, ich weiss nur nicht wie man das mit dieser Tastatur macht), Zimmer 20 verlangen… Ich echt toll und das Zimmer ist im vierten Stock und hat Meerblick, obwohl das Hotel in der dritten Reihe steht und deswegen ruhig ist.

Ansonsten waren die Leute echt nett, sind aber gewinnorientiert, wollen Kohle verdienen und ordentlich Trinkgeld haben. Guter Service ist aber anders. Die Insel Santa Cruz selbst ist wesentlich dichter bevoelkert als offiziell angegeben, das macht man, um nicht zugeben zu muessen, dass der Naturschutz hier relativ ist: Alle Gebiete, die wirklich regenreich und gut nutzbar sind an den Berghaengen, sind natuerlich gerodet und landwirtschaftlich genutzt. Das was man schuetzt sind ein paar Straende, die durch Mangroven ohnehin schwer erreichbar sind, die kleinen Inseln, die nicht bewohnt und knochentrocken sind und der trockene Teil der Insel, also alles was unten am Berg liegt und nicht regelmaessig Regen bekommt. Spezialisten moegen dort Spass haben, wer jeden Finken oder jede endemisch Pflanzenart bestimmen moechte ist hier richtig. Taucher auch noch. Ansonsten sind die typischen Besucher Rentner, die genug Geld haben und nicht meckern.

Aufzuchtprogramme fuer Schildkroeten und Leguane und einheimische Pflanzen, die wegen der eingeschleppten Fremdarten leiden oder gar ausgerottet zu werden drohen, sind die Projekte, auf die man Wert legt und die man an die Oeffentlichkeit verkauft. Und es ist richtig, dass eingeschleppte Ratten und Katzen dramatische Auswirkungen hatten, wie auch bestimmte Vogelarten. Ausgewilderte Ziegen und Esel schiesst man ab und hat sie zumindest auf einigen Inseln wieder ausrotten koennen, nachdem sie die gesamte Flora abgefressen hatten. Lonely George hat sich versteckt und war nicht zu sehen, nur eine seiner beiden Weibchen (die, die ihm artmeassig am naechsten sind und mit denen man Wiederaufzuchtprogramme versucht), hat sich gezeigt. Spanisch zu koennen waere ein Vorteil gewesen, die Englischkenntnisse der meisten Bedienungen und Hotelangestellten sind ziemlich mau.

Nun mal sehen, was in den Anden los ist, – mein Knie ist maessig gut, so dass an Wanderungen von mehr als 5 km nicht zu denken ist…

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