Rückzugsort: Bett

 

Dass Laura und Maggi in einem spannenden Spiel eine gute Leistung bringen konnten und damit verdient ins Viertelfinale eingezogen sind, dürfte sich rumgesprochen haben. Es war mega spannend und letztendlich verdient. Schade für Agatha, die mit 38 wohl nicht mehr in Paris 2024 antreten wird und die nach der Finalniederlage in Rio nun wieder an Laura gescheitert ist. Als Olympianeunter abzutreten, nach einer solch erfolgreichen Karriere ist sicher enttäuschend. Wir freuen uns auf ein spannendes Viertelfinale gegen die US-Amerikanerinnen April Ross /Alix Klineman. April Ross ist seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich, wurde 2009 schon Weltmeisterin beim Turnier in Stavanger (Norwegen), bei dem auch Jonas Reckermann und Julius Brink, die Sie aktuell im TV hören, gewannen.

Wir hoffen auf einen erfolgreichen Ausgang, der bedeuten würde, dass wir noch mindestens zwei weitere Spiele haben, Halbfinale und je nach Ausgang das Spiel um Gold oder Bronze. Niederlage bedeutet Heimflug.

Das gilt auch für die Männer. Heute 22:00 Uhr Ortszeit, entsprechend 15:00 deutscher Zeit, geht es im letzten Viertelfinalspiel um alles oder nichts.

Sieg bedeutet mindestens Platz 5, Niederlage Platz 9.

Gestern Abend kam Alex Zverev ins Haus mit Goldmedaille. Er wurde natürlich gebührend empfangen und bejubelt. Mit einer dominanten Leistung sicherte er das erste Tennisgold im Herreneinzel der deutschen Olympiageschichte.

Ich habe den Artikel Rückzugsort Bett genannt. Wie schon anfänglich berichtet, ist die Ausstattung hier mäßig. Weil es keinerlei Rückzugsmöglichkeiten gibt, man nicht immer auf dem Plastikklappstuhl im Gemeinschaftsraum sitzen mag, es sonst aber keine bequeme Stelle im Appartement gibt, bleibt einem nur das Bett. Schlafen, lesen, schreiben, Mails checken und beantworten, die Spieler informieren, alles passiert im Bett.

Dass das aus Pappe ist und mit einer dreiteiligen Matratze gepolstert gut zum Schlafen geeignet ist, habe ich schon berichtet. Bettwäsche gibt es alle 4 Tage. Zwei Laken, eines für die Matratze, das andere um darunter zu schlafen, dazu eine Steppdecke mit Tokyo 2020 Aufdruck. Dazu ein Kissen und eine LED-Klemmleuchte. So leben wir hier in unserem Bett. Vor dem Bett gibt es einen Vierfachstecker, allerdings kann man den nur mit Adaptern nutzen. Also ein Vierfachstecker, vier Adapter und dann die 3-4 Ladegeräte, die man für Uhr, Handy, Laptop, Tablet, Kindle etc.  heute braucht.

Das ganze bei Doppelbelegung also zweimal pro Zimmer. Vollständiger Rückzug ist also unmöglich. Jeder sehnt sich hier nach dem Zuhause, der Möglichkeit einmal wieder alleine zu sein, das Bad und das Zimmer nicht mit „Fremden“ teilen zu müssen.

Jeder Sieg verlängert unsere Qualen ;-))….

Nachdem ich nun schon 2 Wochen durchgehalten habe, hoffe ich inständig, dass wir um Medaillen spielen können. Dann komme ich zwar später, aber erfolgreicher heim.

…da waren´s nur noch zwei

Kommen wir zum Punkt. Borger/Sude verloren gegen das niederländische Nachwuchsteam und erreichten Historisches:

Noch nie ist ein deutsches Frauenteam bei Olympia in der Vorrunde gescheitert. Die einzigen, die das aus deutscher Sicht bisher geschafft haben, waren Brink/Dieckmann in Peking. Sie waren damals als Weltranglisten Dritter angereist und sind als 19. aus dem Turnier geflogen. Nun auch Borger/Sude, die allerdings in der Weltrangliste auf 12 stehen.

Die beiden haben uns also heute morgen still und leise verlassen und sitzen zur Stunde im Flieger nach Hause.

Dagegen haben die Jungs heute in der Hitze mit einem überzeugenden Sieg gegen Japan als Gruppenzweiter das Ticket in die K.-O.-Runde gelöst.

Wie geht´s weiter?

Die Auslosung der Damen ergab ein Hammerlos für uns – Agatha/Duda aus Brasilien, aktuell Weltrangslistenerste. Morgen, Sonntag, um 17:00 Uhr Ortszeit spielen die Mädels. Das bedeutet für die Zuschauer in Deutschland: nach dem Sonntagsfrühstück direkt um 10:00 Uhr vor den Fernseher…

Die Auslosung der Männer ergab mit den US-Amerikanern kein leichtes, aber ein interessantes Team, mit dem wir uns in der ersten K.O.-Runde auseinandersetzen müssen. Die endgültigen Spielansetzungen werden mit den TV-Sendern abgesprochen und heute abend irgendwann veröffentlicht.

Der im Falle eines Sieges im Viertelfinale bereitstehende Gegener dürften nach „Aktenlage“ die Weltmeister von Hamburg sein. Damals unterlagen Jukius und Clemens gegen die Russen in 3 Sätzen am Rotenbaum vor 15 000 Zuschauern. Aber zuerst einmal gilt es zu hoffen, dass wir abends und nicht in der Mittagshitze spielen.

Wir hoffen auf mehr als 2 Spiele, die noch vor uns liegen. Ab jetzt bedeutet jede Niederlage Heimfahrt innerhalt von 48 Stunden…

Erster Sieg der Männer

Polen, eigentlich ein Angstgegner unserer Jungs, wurde in einer hochklassigen Partie in 2 Sätzen bezwungen. Taktisch diszipliniert, im Aufschlag zunehmend besser und im SideOut einigermaßen stabil wurde der Grundstein für´s Weiterkommen gelegt. Erst am 31.Juli geht´s für die Jungs gegen Japan weiter. Auch hier ist ein Sieg Pflicht, um sicher in die Runde der letzten 16 zu kommen. Je nach Ausgang des parallelen Spiels von Polen und Italien ist von Platz 1 bis 4 in der Gruppe noch alles möglich. Je besser die Plazierung in der Gruppe, desto vermeintlich leichter wird der Gegener in der ersten K.-O.-Runde.

Laura und Maggi sind durch, und beenden die Vorrunde als Gruppenzweiter. Karla und Juli kämpfen im Spiel gegen die Niederlande morgen in der 15:00 Hitze (> 50°C auf dem Platz!) ums Überleben. Sieg bedeutet die Chance weiter zu kommen, Niederlage heißt unweigerlich Heimreise innerhalb von 48 Stunden.

Was Sie im TV sehen, sind die Eiswürste, die wir aus den weißen Handtüchern basteln und sie den Spielern anbieten. Eiswürfel ins Handtuch gewickelt, das mit Tape zugeklebt, und einmal in Eiswasser getaucht, hält eine Temperatur von knapp Null Grad, wenn wir die Handtücher auf Eis lagern und nur bei den Unterbrechungen ausgeben.

Da am heutigen Mittwoch kein Spiel ansteht, wird Pflege der Spieler(innen) betrieben und etwas traininert. Die Jungs haben 3 Tage frei, Laura und Maggi, je nach Auslosung 5 oder 6 Tage. Da fällt es schwer den Focus und Rhytgmus zu behalten. Auf normalen Turnieren spielt man mindestens einmal täglich, hier maximal alle 2 Tage.

Wir schaffen es an solchen Tagen, auch selbst etwas Sport zu betreiben, etwas mehr zu schlafen, da die Abende nach den Spielen doch bis Mitternacht dauern, wenn die Spieler abends noch ausbehandelt werden, und endlich die Wäsche aus der Wäscherei zu holen.

Wäsche war und ist ein leidiges Thema, eigentlich bei allen Olympischen Spielen, an denen ich teilnehmen durfte. Man bekommt nummerierte Wäschesäcke jeweils für Unterwäsche, Bunt- und Weißwäsche. Diese darf man bis zu Hälfte füllen, weil mehr Wäsche pro Netz sonst nicht zu trocknen wäre. Bedeutet real, dass man 2 Boxershorts in den U-Wäschebeutel bekommt…:-(

Nach 24 Std kann man die Wäsche wieder abholen. Sie riecht zumindest besser, sauber wird sie nicht. Anfänglich war die Annahme und Abgabe der Wäsche so schlecht koordiniert, dass man teils 1 Std und mehr anstehen musste. Insbesondere weil Mannschaften dann einen zum Wäscheholen losschicken, der für alle die Wäsche holen soll, dauerte die Ausgabe ewig.

Inzwischen geht es schneller, aber die Wäsche ist eben einfach nicht sauber.

Ansonsten haben sich alle an den Trott hier gewöhnt. Nach nunmehr 10 Tagen ist für mich auch das Schlafproblem erledigt. Vollmond ist vorbei und wir haben lange Tage – da kann man dann auch ziemlich gut schlafen.

Die Presseauftritte haben wir reduziert, damit die Athleten den Focus nicht verlieren. Erste Athleten anderer Sportarten sind durch und fliegen heim und auch wir wissen, dass es unser Team, je nach Ausgang des Spiels morgen, schnell treffen kann.

Wollen wir hoffen, dass wir das noch ein bißchen hinauszögern können.

Taifun, Sieg und Langeweile

Wir haben, nachdem auch unsere Jungs in einem guten Spiel gegen die Silbermedaillengewinner von Rio, Nicolai und Lupo aus Italien, verloren haben, endlich den ersten sportlichen Sieg eingefahren.

In einem durchwachsenen Spiel gewannen Laura und Maggi gegen Japan, gleichbedeutend mit dem Weiterkommen in die K.O.-Runde und einem schon gesicherten 9. Platz, aus dem bei einem Sieg im Achtelfinale der 5. Platz werden könnte.

Borger Sude hatten gegen die amtierenden Weltmeister aus Kanada nicht das nötige Durchsetzungsvermögen und eine zu hohe Fehlerquote und unterlagen auch im 2. Gruppenspiel. Nun kommt es übermorgen gegen die Niederlande zum Entscheidungsspiel. Der Sieger zieht in die K.O.-Runde ein, der Verlierer reist ab.

Sportlich steht ab übermorgen Langeweile auf dem Programm. Die Jungs haben bis zum letzten Gruppenspiel 3 Tage frei, Laura und Maggi bleiben wegen des Corona-bedingten Ausfalls der Tschechen sogar, je nach Auslosung, 5-6 Tage ohne Wettkampf. Da wir nirgends hindürfen und die Freizeitmöglichkeiten im Dorf quasi NULL sind, brauchen wir Ablenkung, die wir für die Sportler zu schaffen versuchen.

Z.B. ein bißchen putten üben…

Uns helfen die Fernsehstationen, die gerne Athleten ins Studio einladen. Es dürften also in den kommenden Tagen vermehrt Beachvcolleyballer auf der Mattscheibe zu sehen geben.

Nun zum Taifun: Die Warnungen kursieren, Rudern und Bogenschießen wurden verschoben, im Beachvolleyball hat man Angstm dass Windböen die Anzeigetafeln oben auf dem Stadion umwehen könnten.

Die Wahrheit hier: der Taifun ist ca. 200 km nördlich von Tokyo, wir hatten gestern erstmals Regen und eine willkommene Abkühlung. Die Luft wird durch leicht auffrischenden Wind angenehmer, unser Sport leidet nicht unter den Bedingungen, im Gegenteil, es ist weniger heiß auf dem Platz – zumindest bis jetzt.

Ich sag´s mal so: wenn das der Taifun ist, dann will ich jeden Tag einen ;-))

Lauras Siege und Niederlagen

Nach dem Sieg gegen Maggi bei der Zimmerwahl hatte Laura das große Glück, von Athleten und der Öffentlichkeit zur Fahnenträgerin für den Einmarsch ausgewählt zu werden und sich gegen vier andere Athletinnen durchzusetzen.

Ich bekam eine SMS, wie denn unser Tagesplan aussehe. Den hatte ich dem Mannschaftsbüro schon gemeldet. Ich bekam also eine weitere SMS, der CdM (Chef de Mission) möchte mich sprechen. Meine Antwort: Ja, aber erst nach dem Training, also am Nachmittag….

Gegen 16:00 trete ich also beim Chef de Mission an.

„Alles Top secret“ sind die ersten Worte… Laura trägt die Fahne. Sie muss bis 17:00 hier sein, damit wir noch Fotos machen können. Das muss aber geheim bleiben, wird erst am morgigen Donnerstag um 14:00 Ortszeit (= 7:00 Uhr deutsche Zeit) veröffentlicht.

Mein Job: Schaff die Frau ran und erklär ihr, was los ist, ohne dass alle anderen das mitbekommen:

Ich klopfe an die Unterkunft: keiner da…

Ich rufe sie an. Dabei stehe ich auf dem Gang und habe ca. 15 Leute um mich rum. Sie sieht meine Nummer und geht ran.

Ich: Wo bist Du?

Sie: im Bus (vom Training zum Dorf)

Ich: Wo genau? wann bist du im Dorf?

Sie: keine Ahnung, vielleicht in 10 Minuten- was ist denn?

Ich: Ich hol dich am Eingang ab….

Dann beende ich das Gespräch. Ich hätte ihr nicht sagen können, dass sie Fahnenträgerin ist, weil es die Umstehenden gehört hätten. Also schreibe ich eine SMS: „Du (Deutschlandfahne) top secret, 17:00 Fototermin“

Leider gibt es im Bus kein WLAN und Laura hat ihr Roaming ausgestellt, um nicht in die Gebührenfalle zu tappen. Sie bekommt die SMS etwas später.

Im Bus herrscht Panik. Die Gruppe rätselt, was sein könnte. Positiver CoViD-Test? Es gab ja schon im Beachvolleyball einige Fälle. Die Aufregung steigt und die Gruppe überlegt: wenn Laura covidpositiv wäre, hätte er doch bestimmt was von isolieren und im Bus nach hinten setzen oder so gesagt….

Ich stehe am Busbahnhof und die Gruppe stürmt auf mich los….. Was mir einfiele- so ein Anruf und dann keine Info, ich würde die Mädels psychisch belasten….

Die Erklärung ist einfach: Schau mal auf dein Handy und versteh, dass ich in der Situation des Telefonats nichts sagen konnte…Wir kriegen uns schnell wieder ein und Laura freut sich riesig.

Ich erkläre Laura die Lage und bitte sie, sich entsprechend umzuziehen und ins Mannschaftsbüro zu gehen.

Der Rest ist bekannt – Fernsehinterviews, Einmarsch (Funktionäre dürfen wieder nicht mit), Eröffnung der Spiele, die wir hier nicht mitbekommen. Nach dem Einmarsch der deutschen Mannschaft schalten wir das TV aus.

Noch ein Sieg für Laura

Nachdem zuerst der Trainer und Ehemann einer der tschechischen Gegnerinnnen an CoViD erkrankt ist und sich in Quarantäne befindet, wurde jetzt auch seine Ehefrau positiv getestet und kann nicht antreten. Die Tschechen wollen und können niemanden nachrücken lassen und so haben wir schon vorher das Spiel kampflos gewonnen.

Sportlich lief´s nicht

Wir sind um 15:00 Uhr Ortszeit gegen die Schweiz dran. Es sind 56°C auf dem Sand, Schatten gibt es nirgends. Also sitzen auch Ekkehard und ich (Physio und Arzt) in der prallen Sonne. Mit Maske versteht sich…:-((

Das Spiel beginnt eigentlich gut, aber am Ende haben die Schweizerinnen knapp in 3 Sätzen die Nase vorn.

2 Stunden später wieder Schweiz gegen Deutschland. Nur mit anderen Akteurinnen. Unser Team wird im ersten Satz abgeschlachtet…..21:8 ist ein Erdbeben. Im zweiten Satz haben wir das Glück und das Momentum auf unserer Seite und gewinnen den Satz knapp. Um dann im dritten Satz wieder gehörig auf die Ohren zu bekommen: 15:6 verlieren wir überdeutlich.

Heute dann die Jungs: schlechte Vorzeichen, weil beide in der Olympiavorbereitung schwere Verletzungen hatten und kaum zusammen trainieren konnten. Nun sind sie fit, aber noch nicht optimal eingespielt. Und es geht gegen die Silbermedaillengewinner von Rio, die aus Italien kommen. Die Jungs machen es gut, gewinnen den ersten Satz knapp, verlieren den zweiten Satz genauso knapp und im dritten Satz haben sie alle Chancen, die Italienen zu schlagen. Ohne jegliche Olympiaerfahrung fehlt am Ende der Mut, den Sack zuzumachen. Also dritte Niederlage im dritten Spiel. Das ist die schlechteste Bilanz Beachvolleyballdeutschlands in der gesamten olympischen Historie. Es ist die erste Niederlage bei Olympia für Laura Ludwig seit 9 Jahren (Viertelfinale London).

Dann muss es bei den Mädels morgen klappen gegen Kanada (schweres Spiel) und Japan (sollte machbar sein).

Kanada findet vor dem Aufstehen statt (5:00 Hamburgzeit), Japan 13:00.

Drücken Sie die Daumen…..

Tokyo 202(1)

Die ersten Tage im Dorf

Nach dem Komplettcheck aller Papiere incl. installierter Apps in Hamburg durch Lufthansa ging es nach Frankfurt. Nach knapp 3 Stunden Aufenthalt wurde beim Einsteigen nach Tokyo erneut alles, was schon vorgezeigt war, erneut überprüft. Dabei kann es zu erheblichen Verzögerungen, weil PCR-Tests nicht älter als 72 Std sein dürfen – und zwar minutengenau auf den Abflugzeitpunkt getimed. Und wer z.B. keine Uhrzeit oder eine zu lange Spanne zwischen Test und Abflug hatte, durfte nicht mit… Also ca. eine Stunde in der Schlange stehen und noch mal alles prüfen lassen, dann darf ich ins Flugzeug. Nach rumpeligem Flug mit Turbulenzen über Russland erfolgte die Landung in Haneda, Tokyo. Durchsage: alle sitzen bleiben, es kommt jemand an Bord, der Zettel verteilt.

Nach 10 Min gibt´s ein CoviD-Symptom-Abfrage-Bogen.

Ausgefüllt ist der in 2 Minuten, warten dürfen wir insgesamt 45 Min, bis die „Olympioniken“ nach den „normalen“ Gästen das Flugzeug verlassen können.

Die Sportler – es sind auch Brasilianer Serben, Litauer, Kroaten, Franzosen an Bord, die man alle an den uniformen Sportbekleidungen erkennt – werden in einem Gang gesammelt und gehen dann gemeinsam zum Ankunftsstaffellauf. An neun (!) Stationen werden die Papiere, Bordkarte, PCR-Tests, Fragebögen, Einladungsschreiben und vorläufige Akkreditierung, Reisepass, App-Aktivierung (Ohne Smartphone keine Einreise – wer keins hat, muss eines leihen) etc. gecheckt. Man bekommt einen gelben Laufzettel, der zwischen Olympiateilnehmern und normalen Einreisenden unterscheidet und läuft entsprechende Stationen ab. Incl. Spucktest, mit dem ein PCR-Schnelltest durchgeführt werden soll.

Wenn man diese etwa 3-stündige Prozedur hinter sich gebracht hat, wartet man auf das Testergebnis. Auf einem Display werden die Nummern der ausgewerteten Tests eingeblendet, dann darf man in die nächste Schlange, vor dem Schalter stehen, der einem das Testergebnis schriftlich bestätigt, damit man dann zum Zoll und den Visa-erteilenden Beamten gehen darf.

Ich werde also in einen Wartebereich geführt und wundere mich, dass sonst keiner von den Sportlern auch da ist. Es gibt einen Automaten, an dem man nach nun 3 Stunden theoretisch Getränke kaufen kann – mit Kreditkarte.

Auf dem Display laufen die Nummern quälend langsam durch und befinden sich bei 3256, meine Nummer ist aber 6379. Ich werde nach 1 Stunde ungeduldig und frage mal nach.

Die erste Japanerin holt die zweite, die dann mit dem Chef spricht und in den PC schaut. Dann geht alles ganz schnell. Ich bin „versehentlich“ in die falsche Gruppe aufgenommen worden, weil mein gelber Laufzettel in japanischen Schriftzeichen wohl „normaler Einreisender“ statt „Olympiateilnehmer“ draufstehen hat. Im Galopp geht es dann allen vorbei, meine vorläufige Akkreditierung wird in eine aktivierte umgewandelt und mir um den Hals gehängt, Zoll und Einreise gehen schnell, das Gepäck ist schon seit Stunden neben dem Rollband geparkt und ich darf – in den Warteraum für Olympiateilnehmer. Es gibt immerhin Getränke und ein paar Süßigkeiten und ich darf mit den anderen Sportlern und Funktionären – warten.

Nach etwa 30 Minuten kommt jemand und teilt mir und anderen mit, dass unsere Tests negativ sind und es nun losgehen kann. Wir werden zum Bus geführt – Vorsicht, es gibt welche zum Segler-Dorf, zum Radfahrer-Dorf und zum Olympischen Dorf – am Ende fährt der für mich richtige Bus dann los. 4 Std 53 Minuten von Landung bis Abfahrt – ein durchschnittlicher Wert, zwischen 3 und 7 Stunden ist schon alles vorgekommen…

Wir fahren etwa 20 Minuten zum Olympischen Dorf und – warten. Es sieht linker Hand von außen bei der Zufahrt wie eine Industriebrache aus, ungepflegt und teils rostig. Rechts befindet sich die Fußballschule von Real Madrid – zumindest das Bürogebäude.

Nach 45(!) Min fahren wir die fehlenden 100 m weiter und dürfen austeigen. Die DOSB-Verantwortlichen empfangen uns und bringen uns zur deutschen Unterkunft: Haus 20.

Kleiner Empfang mit Getränken und Snacks, dann werde ich ins Büro geführt und bekomme die Schlüssel für mein Appartement und die aller Beachvolleyballer.

Als Teilmannschaftsleiter bin ich das Mädchen für alles.

DIE ZIMMER

Die Zimmer sind spartanisch eingerichtet, Pappbett (in dem man wirklich gut schläft), ein klappriges Regal als Schrank, je Bewohner ein Stuhl und für alle gemeinsam ein runder Klapptisch. Außerdem hat jeder einen kleinen Nachttisch, der ein abschließbares Fach hat, damit man die Wertsachen wenigstens ein wenig sichern kann. Außerdem hat jeder einen kleinen Wäscheständer.

Wir haben sogar einen Kühlschrank, den aber der DOSB bezahlt, und manche – wir auch- haben einen großen UHD-Fernseher vom Hauptsponsor Samsung. WLAN-Netze gibt es gleich mehrere, eines, das überall auf allen olympischen Arealen funktioniert und eines, das nur in unserem Haus geht.

Ich komme an, suche mir das Zimmer und das Bett aus. Als erster hat man Vorteile ;-).

Nachdem ich die Koffer ins Zimmer gebracht habe, treffe ich mich mit Jogi, dem Ressortverantwortlichen für Beachvolleyball beim DOSB. Wir unternehmen einen Rundgang durch das Haus und die nähere Umgebung (wo sitzt die Medizin, wo gibt es Eis für unsere Athleten, wo sind die Wäscherei, die Polyklinik, der Kraftraum, die Mensa?) und essen schließlich gemeinsam. Nach einem Besuch im Büro des NOK/DOSB ist der Tag dann rum. Restprogramm: Koffer zumindest teilweise auspacken- weil in das Schrankregal sowieso nicht alles passt und dann endlich duschen.

Das Bad besteht aus einer Toilette, einem kleinen Waschbecken und einer Badewanne mit Duschkopf. Alles zusammen keine 2 Quadratmeter groß. Soll für 4, in manchen Zimmern für 6 Personen reichen…. für deutsche Verhältnisse kaum denkbar – im olympischen Vergleich seit 2004: einmalig klein.

Ich schlafe ein und bin mitten in der Nacht wach…

Zur Erinnerung, es sind 7 Std vor deutscher Sommerzeit. Ich erwache zur besten Tagesschauzeit – und nun?

Kindle. Ich fange an, mein erstes Buch zu lesen. Nach etwa 2 Std wird es draußen relativ schnell hell. Ich stehe auf und mache Fotos vom Sonnenaufgang im Dorf. Dann sortiere ich die Vielzahl von Papieren, die in den kommenden Tagen benötigt werden, damit hier alles seinen bürokratischen Gang geht.

Um 7 Uhr öffnet das Mannschaftsbüro und ich bin einer der ersten, der sich nach den CoViD-Tests erkundigt. Am Anreisetag wurde ich ja am Flughafen getestet, nun muss ich täglich einen Speicheltest machen, wie jeder hier.

Die Röhrchen werden individualisiert und mit entsprechenden anonymen Etiketten versehen und müssen bis 8.30 Uhr im Mannschaftsbüro sein, wenn das Ergebnis am gleichen Tag vorliegen soll. Bis 17:30 Uhr abgegeben, bekommt man das Resultat am folgenden Morgen. Allerdings werden nur positive Testergebnisse kommuniziert, wer nichts hört, ist negativ.

Als CLO (CoViD Liason Officer) bin ich dafür verantwortlich, dass meine Mannschaft ihre Proben abgibt, und zwar bei mir. Ich schleppe die dann durchs Haus zum Mannschaftsbüro und von dort bringt eine der CHEF-CLOs die „deutschen“ Proben zum Testzentrum – zweimal täglich. Es gibt Angenehmeres als mit den durchsichtigen Röhrchen rumzulaufen. Zumal die Aufsteck-Trichter für das Befüllen des Röhrchens, die es am Flughafen gab, hier eingespart werden. Man muss also ziemlich genau zielen, um sich nicht auf die Finger zu spucken. Und das, was daneben geht klebt am Röhrchen und seinem Etikett…

Ich bin nur froh, dass man Corona nicht mit „K“ schreibt.

KLO möchte ich nicht sein…

Die anderen kommen – und Lauras erster Sieg

Ich bin einen Tag vor meinem Team gereist, dass heute, Sonntag, eintreffen soll.

Und zwar am Nachmittag oder frühen Abend.

Ich habe die Zimmer vorzubereiten. Kühlschränke anschließen, Getränke besorgen und einstellen, damit die Sportler und Trainer nach Ankunft erstmal versorgt sind. Die Appartements sind bereits zugeteilt, die Zimmerbelegung ist Sache der Bewohner.

Allerdings muss man wissen, dass es sehr wenige Einzelzimmer gibt, einige kein Fenster nach draußen und keinen Balkonzugang haben und sie in der Größe etwas variieren. Es gibt also Zimmer und Betten, die man bevorzugt und welche, wo keiner schlafen will. Durch die frühe Anreise 5 Tage vor der Eröffnung der Spiele und weil ausgeschiedene Athleten und ihre Funktionäre nach 48 Stunden Japan verlassen haben müssen und, im Gegensatz zu allen anderen Olympischen Spielen zuvor, eben nicht feiern und Kontakte knüpfen, sich andere Sportarten ansehen, Sponsoren treffen und Sightseeing betreiben dürfen, ist die Fluktuation im Dorf hoch und die Zimmerbelegung geringer. Was für unsere Teams zunächst bedeutet, dass alle Beachvolleyballer Einzelnutzung ihrer Zimmer haben.

Als die Beachdelegation eintrifft und ich sie nach dem Empfang auf die Zimmer begleite, gibt es bei einem Team Streit. Laura und Maggi können sich nicht einigen, wer welches Einzelzimmer bekommt. Die Entscheidung ist wichtig, weil nur eines ein Außenfenster besitzt und Blick auf den Hafen hat und das andere ein Fenster zum innen liegenden Gang. Und jedem ist klar, welches das schönere Zimmer ist. Es kann nur durch Schnick Schnack Schnuck geklärt werden, ein in der Mannschaft übliches Verfahren J. (Schere, Stein, Papier). Schnick Schnack Schnuck – beide Stein, zweiter Durchgang – Laura Papier, Maggi wieder Stein. Laura feiert ihren Sieg wie einst in Rio.

Ich versammle alle Ankömmlinge für einen kleinen Rundgang, bevor wir gemeinsam zum Essen in die Main Dining Hall gehen.

Essen in Tokyo

Die Mensa besteht aus 2 Ebenen. Auf beiden Ebenen finden sich lange Tischreihen, die alle mit Plexi-Trennwänden in Einzelplätze unterteilt sind. Man sieht sich, aber man hört sich kaum. Unterhaltung ist schwierig – soll sie ja auch sein, weil das böse Virus unter all den negativ Getesteten um sich greifen könnte.

Man wird gebeten sich die Hände zu desinfizieren – das gab es früher bei anderen Spielen auch schon. Dann soll man sich Plastikhandschuhe überziehen. Gar nicht leicht mit gerade feuchten, weil desinfizierten Händen. Und für Menschen mit Händen wie ich – nicht machbar in die Einheitshandschuhe zu passen. Dann nimmt man sich ein Tablett und – oh Wunder – Metallbesteck. In Rio hatten wir Einmal-Besteck aus Bambus.

Was fehlt sind normale Servietten, dafür steht auf jedem der ca. 5000 Sitzplätze eine Spender mit feuchten Desinfektionstüchern.

An unterschiedlichen Ständen stellt man sich an und holt sich sein Essen. Asiatisch, japanisch, Gegrilltes, Halal, vegeratisch, glutenfrei, Pizza/Pasta…

Die Portionen werden ausgegeben auf Papptellern, die Getränke vom Wasser über Limonaden bis zu Fruchtsäften, alle vom Hauptsponsor geliefert, nimmt man sich aus den Kühlschränken.

Es gibt richtiges Brot, dass auch schmeckt, immer frische Früchte, Joghurt, Speiseeis, Kuchen, Müsli. Die Auswahl ist groß. Im Gegensatz zu Rio schmeckt es auch. Kleiner Nachteil, es gibt kaum warme Saucen, keine Salzstreuer an den Tischen, sondern in der Halle versteilt, Stände mit Gewürzen und kalten Saucen (Soja, Teryaki, Mayonaise, Ketchup, Chilisause etc.)

Man muss also sein Essen weitgehend selbst würzen. Leider kann man erst beim Essen am Platz merken, ob das so funktioniert hat, wie es dem individuellen Geschmack entspricht, wenn nicht – mehr Salz oder Pfeffer gibt es nur an diesen Stationen, also muss man wieder hinrennen und anstehen.

Die Mensa ist 24/7 geöffnet und alles wird frisch zubereitet.

Sie ist der Ort, wo man eigentlich Kontakte knüpft und gemütlich zusammensitzt, mutiert aber durch die vorgegebenen Umstände zur Abfütterstation. Gemütlich ist anders, Unterhaltung schwer.

Gerade in der Mensa konnte man früher mit Weltstars an einem Tisch sitzen, Sportler und Funktionäre anderer Disziplinen kennen lernen und Kontakte knüpfen. Das war einer der großen Reize an den Olympischen Spielen und spiegelte den Sinn dieses internationalen Treffens wider.

Erster Besuch auf dem Veranstaltungsgelände

Am Montag fuhren die ersten Busse zum Trainings- und Spielgelände – wenn sie es denn fanden. Der Busbahnhof im Dorf ist nur ca. 200 m vom unserer Unterkunft entfernt. Die Busse folgen einem Plan- meist halbstündlich werden die Venues angefahren. Wenn der Busfahrer diese denn findet. Martin, einer unserer Trainer, erlebte eine Busfahrt, bei der der Fahrer im 3. (!) Anlauf die richtige Zufahrt fand. Weil das mit den online-Reservierungen von Trainingsplätzen und Meeting-Räumen nicht klappt, war er gezwungen, raus zu fahren.

Die schöne Onlinewelt klappt hier vielfach eben nicht so gut. Allerdings sind auch die persönlichen Kontakte schwierig, weil viele der eingesetzten Japaner keine Englisch verstehen und dann immer jemanden suchen, der weiterhelfen kann. Alles sehr bemüht und überfreundlich, aber leider oft inkompetent.

Die Athletenlounge und Umkleiden sind im Großen und Ganzen okay. Organisatorisch gibt es wie immer Probleme, die wir aber in Zusammenarbeit mit den technischen Delegierten, die vom Volleyball Weltverband eingesetzt werden, versuchen zu korrigieren. Dank meiner langjährigen Zugehörigkeit zur Beachvolleyballfamilie kenne ich einige der Entscheidungsträger seit Jahren und habe einige auch schon behandelt. Das macht vieles leichter.

Der Sand ist top, das Stadion riesig, aber leer und es gibt eines nicht: Schatten.

Da im Stadion auch kaum Wind weht, dürften es für uns Betreuer harte Stunden in praller Sonne werden.

Ich treffe beim ersten Training Rüdi, Rüdiger Franzen. Uns verbindet eine lange gemeinsame Geschichte. Wir haben schon Beachvolleyballturniere zusammen gespielt. Rüdiger wurde Schiedsrichter und hat ein olympisches Halbfinale gepfiffen und ist jetzt der leitende Videoschiedsrichter. Er wird im Hintergrund versuchen zu ergründen, ob bei einer strittigen Schiedsrichterentscheidung alles richtig war. Alle Mannschaften können pro Satz zweimal eine Entscheidung des Schiedsrichters unter bestimmten Bedingungen überprüfen lassen. Haben sie Recht bekommen, behalten sie das Recht auf weitere Challenges, wie die Überprüfungen genannt werden, lag der Schiedsrichter richtig, ist ein Einspruchsrecht verwirkt.

Das obligatorische hoch bürokratische Einschreiben dauert knapp 30 Minuten pro Team. Neben Papieren, die wir vorbereitet haben, werden alle von uns verwendeten Kameras mit einem Klebchen versehen und wir bekommen eine Zugangskarte für die Videositzplätze im Stadion. Die Athleten müssen alles vorzeigen, was sie mit aufs Feld nehmen. Die Ausrüstung wird fotografiert und darauf kontrolliert, ob Logos in Form und Größe vorhanden sind, die nicht erlaubt sind. Selbst die Ohrringe der Spielerinnen und ihre Halskettchen werden fotografiert und geprüft.

Ein Spieler, so berichtet Ed aus Kanada, der die Einschreibung und Kontrollen leitet und der bereits seit 1996 außer in Athen bei allen Spielen zuerst als Athlet, nun als Funktionär des Weltverbandes vor Ort war, habe sich das Logo eines Sportartikelherstellers gut sichtbar tätowieren lassen. Er wird es abdecken müssen…. Ed kenne ich als Spieler der Kanadier 1996, aber wir haben uns in seiner Funktionärslaufbahn schon öfter über mehr oder weniger sinnvolle Vorgaben des Verbands bei internationalen Turnieren und Weltmeisterschaften nennen wir es – respektvoll auseinandergesetzt.

Als die Einschreibung ohne Probleme geschafft ist, entspannt sich für mich einiges, die Spieler werden allerdings langsam immer aufgeregter und auch dünnhäutiger.

Der Abflug kommt näher

Vorgestern PCR-Test

Gestern PCR-Test

heute: Ergebnisse auf englisch und japanisch abholen, PDF draus machen und hochladen und hoffen, dass die OCHA-App alles annimmt..

Hurra! Es erscheint ein QR-Code… hoffentlich der, den ich morgen zum Check-in brauche….

Ich bin negativ – wie erwartet. Und ich habe Antikörper (habe ich testen lassen) und ich habe Gedächtniszellen (habe ich auch testen lassen). Ich bin geschützt und stecke nach Adam Riese niemanden an…. Zumindest legen die Zahlen aus den Altenheimen das nahe. Da stirbt niemand mehr an CoViD seit die Betreuer geimpft sind…Das interessiert zwar OCOG nicht, sie behandeln alle, als ob jeder die größte Gefahr wäre..aber ich bin CoViD-sicher. Toll!

Ich bin gespannt, ob sich da vor Ort noch einige Entspannungen zeigen werden. Die bisherige Regeln sind spaßfrei, vor allem bei zu erwartenden Temperaturen über 30°C und hoher Luftfeuchtigkeit.

Die Praxis ist seit gestern für mich vorbei, ich komme erst wieder in der 3. Augustwoche zum Dienst. Aber die Arbeit nimmt kein Ende. Täglich bekomme ich Emails mit dutzenden Anhängen, weil man nahezu alles bei den Olympischen Spielen mit Zetteln belegen muss. Gesundheitszeugnis, welche Trikots man in welcher Kombination trägt, ob man Bandagen braucht, Pulswärmer trägt (bei zu erwartenden 30 Grad:-))), welches Cap und welche Werbeaufdrucke man  hat, welche Kamera, welchen Typs mit welcher Nummer von welchem Team  für einen Videomitschnitt genutzt wird (Wir beobachten alle Spielen und werten sie taktisch aus- dafür haben wir je einen Scout in Tokyo und einen in Deutschland, die sich die Nächte um die Ohren schlagen werden, um die Trainer mit den neuesten Info´s zu füttern.)

Die besagten Zettel sind olympiaeigene Vordrucke, die natürlich von den Delegationsleitern oder noch besser, von einem „NOC Representative“ zu unterzeichnen sind.

Eigentlich alles überflüssig, alle Teilnehmer haben bereits mehrere Turniere in diesem Jahr gespielt, haben gültige Lizenzen, die dem Weltverband auch vorliegen. Die Kamera ist seit vielen Jahren die gleiche und eigentlich kann es dem Organisator auch egal sein, mit was für einer Videokamera die Teams filmen, – veröffentlichen dürfen sie ohnehin nichts.

Aber man macht jedes Mal eine Bürokratieorgie daraus.

Genau wie bei der Einreise am Flughafen in Japan, bei der die „normalen Gäste“ das Flugzeug getrennt von den Olympioniken verlassen. Wir  müssen dann die (!) 9 Stationen ablaufen und noch einen PCR-Test machen….

Jedenfalls kümmern sich meine Nachbarn hoffentlich um meine Tomatenzucht und die Post und die Wohnung und überhaupt alles….Bin froh, dass es sie gibt.

Morgen geht’s also los – ich melde mich dann  mal wieder aus Tokyo – hoffentlich wohlbehalten, und leistungsfähig und nicht aus irgendeiner Quarantäne.

Tokio 2021 – Reisevorbereitungen

Die Spiele nahen, die Vorbereitungen laufen für uns auf Hochtouren. CoViD-bedingt ist diesmal alles anders. Keine Zuschauer, strenge, teils überzogene Regeln und eine überbordende Bürokratie erwarten uns.

Seit Anfang Juli messe ich täglich meine Körpertemperatur. Nicht, weil ich krank bin, sondern weil OCOG das so will. OCOG ist übrigens das Organising Committee of the Olympic Games. Es hat bestimmt, dass ich 14 Tage vor Abreise täglich meine Temperatur erfassen und nachweisen muss. Dazu gibt es eine APP, die auch für alle anderen Reiseangelegenheiten gedacht ist. Da muss ich 96h und 72h vor Abflug aus Deutschland in vorgegebenen Laboren jeweils einen PCR-CoViD-Test machen, zweisprachig und mit Reisepassdaten versteht sich – und die Ergebnisse muss ich hochladen – wenn die App es denn zulässt. Vorher habe ich schon meinen Activity-Plan über den DOSB an Japan mailen lassen müssen, der festlegt, welche Orte ich im Zuge der Olympischen Spiele aufsuchen darf. Dieser muss aber aus Japan genehmigt werden, bevor ich die App vollständig nutzen kann. Z.B. darf ich als Beachvolleyballer nicht ins Leichtathletikstadion. Ich darf auch nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, kein Sightseeing machen, mich nicht mit Japanern treffen und überhaupt eigentlich nicht das Olympische Dorf  und meine Wettkampfstätte verlassen. Ich soll keinen engen Kontakt zu Athleten haben, egal ob Deutsche oder die anderer Nationen, soll mich immer 2 m von Athleten fernhalten, 24/7 auch draußen eine Maske tragen, die ich zum Essen, Trinken abnehmen darf – und wenn mir eine Hitzeschlag droht, – dann auch.

In Fahrstühlen, die ich mit mehreren benutze, darf ich nicht sprechen wegen der Aerosole, die ich trotz Maske ja versprühe, ebenso verhält es sich in Autos – von denen wir  nur die benutzen dürfen, die für uns vorgesehen sind. Dass wir täglich CoViD-Tests machen müssen versteht sich. Die Kontaktsperren gelten übrigens für alle, auch für die Athleten untereinander. Handballer trifft Ruderer etc. wird es wohl nicht geben.

Ich bin übrigens geimpft, hatte vorher Anfang 2020 unbemerkt die Erkrankung, wie Antikörper in meinem Blut bewiesen haben und bis auf einen Sportler sind in unserer Teilmannschaft alle geimpft. Aber Safety first…

Übrigens sind die Olympischen Spiele in Tokyo 1964 in den Oktober gelegt worden, weil es im August so heiß ist. Auch der Marathon 2021 findet in Sapporo statt, weil es in Tokyo hohe Temperaturen erwartet werden.

Ich bin schon gespannt, wie es bei 60° Sandtemperatur mit Maske so ist…

Aber zurück zur Reise. Vor HAM nach FRA dann nach HAN (Haneda. intern. Flughafen Tokyo) – allein das macht schon ca. 17 Stunden aus. Nach Ankunft muss ich meine App und den QR-Code zeigen, dann auf meinem Smartphone die COCOA-App aktivieren (entspricht in etwa der CoronaAPP), damit ich immer zu orten bin. Außerdem muss ich noch jede Menge Papier mitführen. Wenn ich kein Smartphone hätte – solche Teilnehmer gibt es ja auch – dann müsste ich mir eines leihen- ohne kommt man nicht rein. Als Sportler bekommt man eine neues Samsung-Smartphone geschenkt, als Funktionär sinnvollerweise eines zusätzliches vom DOSB gestellt.

Dann werden am Flughafen 9(!) Stationen abgelaufen, mit PCR-Test und Papierkontrolle – Dauer je nach Andrang zwischen 4 und 7 Stunden, in denen man nicht versorgt wird, nichts kaufen kann und eigentlich überwiegend wartet. Erst dann darf ich mein Gepäck holen und mich in die vorgegeben Gefährte ins olympische Dorf begeben.

Dort darf ich dann das Organisatorische für meine Teilmannschaft erledigen, die am nächsten Tag in Japan eintreffen wird.

Ich kann vielleicht auch noch das Olympische Dorf erkunden, essen gehen, und dann die letzte Nacht alleine schlafen, bevor Ekkehard kommt und das Bett neben mir belegt.

Da erinnere ich mich an eine Gespräch dass ich 1999 mit dem Sportdirektor Siggi Köhler führte: Ich wollte unbedingt  2000 nach Sydney zu den Spielen – wurde aber nicht nominiert. Siggi fragte mich: „Was willst Du bei Olympischen Spielen? Mehr Stress, weniger Kollegen, Atmosphäre wie in der Jugendherberge. Fahr doch zu ner Weltmeisterschaft – da hast Du ein tolles Sternehotel, Ruhe und kannst vernünftig arbeiten…“ Recht hat er. Nach inzwischen 11 Weltmeisterschaften, die ich betreuen durfte, muss ich ihm einfach zustimmen. Die reduzierte Anzahl an Akkreditierungen bei Olympischen Spielen, verlangt von allen Opfer – Sportlern  wie Funktionären. CoViD macht das Arbeiten noch einmal schwieriger – genauer gesagt, nicht das Virus, sondern die bei einem maximal kontrollierten und weitgehend geimpften Kollektiv verordneten und aus meiner Sicht zumindest teilweise überzogenen Maßnahmen lassen die Spiele 2021 nicht zu dem werden, was Olympische Spiele eigentlich sein sollen: eine Begegnung der Jugend der Welt. Die Japaner sprechen schon von den „verfluchten Spielen“. Jetzt kommt es auf uns an, das beste daraus zu machen.

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