Aus der Traum

Laura und Maggi bleiben Fünfte

In einem vom Ergebnis her knappen Spiel unterlagen unsere Mädels heute morgen bei Hitze und leichtem Regen im Wechsel den US-Amerikanerinnen Ross/Klineman 19:21, 19:21. Schade, denn bis 15:15 war in jedem Satz alles drin. Als Maggi ihren Aufschlag bei 19:19 videoüberprüfte 2 cm ins Aus setzte und im Gegenzug ihren Ball nicht unterbringen konnte, war der erste Satz weg.

Auch der zweite Satz ging mit gleichem Ergebnis verloren, so dass es nun an die Planung für die Heimreise für das Trio (Trainer, und beide Spielerinnen) geht. Leider haben die Mädels ihre Leistung aus dem Achtelfinale nicht wiederholen können, – es wäre heute mehr drin gewesen.

Was also liegt heute an? Nach der sehr kurzen Nacht – bis 1:00 Uhr die Jungs behandelt, dann klingelte der Wecker um 5:30, um die Mädels auf das oben geschilderte Spiel vorzubereiten, sind wir um 7:00 uhr mit dem Bus ans Venue gefahren und haben dort die letzten Checks gemacht, die Kühlung vorbereitet, die wir für die Spielerinnen benötigen und haben dann am Spielfeld gesessen und das Drama miterlebt. Nun sind Ekke und ich wieder im Dorf und bereiten die Mädels nach und dann kommen die Jungs vom Training und wollen ebenfalls ihre Physioeinheit haben.

Die Jungs trainieren heute mittag in der Hitze, um sich noch besser an die Bedingungen zu gewöhnen. Morgen abend 21:00 Uhr (= 14:00 Uhr deutsche Zeit) kommt es zur Neuauflage des WM Finales vom Rotenbaum 2019. Damals waren die Russen siegreich.

Es wird ein sehr schweres Spiel….

Sollten wir den Sieg schaffen und das Halbfinale erreichen, wären die um 21:00 Uhr oder 22:00 Uhr. Das Match um Bronze ist am Samstag früh um 10:00 Uhr Tokyozeit, das Finale um 11:30 Uhr angesetzt. Warum in der größten Mittagshitze? Weil der in den USA übertragende Sender NBC für die ca. 7,5 Milliarden Dollar, die er für die Fernsehrechte bezahlt hat, auch die Sendezeiten und damit die Ansetzungen bestimmt. Und wenn es um Geld geht, zählt der Athlet nichts.

Sportlich wäre ein Bronzemedaillenspiel um 20:30 Uhr und eine Finale um 22:00 Uhr die bessere Entscheidung gewesen. Auch der Spielrhythmus hätte dafür gesprochen. Alle Männerspiele im Viertel- und Halbfinale sind abends 21:00 Uhr und 22:00 Uhr angesetzt, das Finale soll aber um 11:30 Uhr beginnen- wie doof.

Im kommenden Spiel also entscheidet sich, ob wir bis zum Ende der Spiele bleiben, oder alle vorzeitig nach Deutschland zurückkehren.

Wir dürfen gespannt bleiben.

Rückzugsort: Bett

 

Dass Laura und Maggi in einem spannenden Spiel eine gute Leistung bringen konnten und damit verdient ins Viertelfinale eingezogen sind, dürfte sich rumgesprochen haben. Es war mega spannend und letztendlich verdient. Schade für Agatha, die mit 38 wohl nicht mehr in Paris 2024 antreten wird und die nach der Finalniederlage in Rio nun wieder an Laura gescheitert ist. Als Olympianeunter abzutreten, nach einer solch erfolgreichen Karriere ist sicher enttäuschend. Wir freuen uns auf ein spannendes Viertelfinale gegen die US-Amerikanerinnen April Ross /Alix Klineman. April Ross ist seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich, wurde 2009 schon Weltmeisterin beim Turnier in Stavanger (Norwegen), bei dem auch Jonas Reckermann und Julius Brink, die Sie aktuell im TV hören, gewannen.

Wir hoffen auf einen erfolgreichen Ausgang, der bedeuten würde, dass wir noch mindestens zwei weitere Spiele haben, Halbfinale und je nach Ausgang das Spiel um Gold oder Bronze. Niederlage bedeutet Heimflug.

Das gilt auch für die Männer. Heute 22:00 Uhr Ortszeit, entsprechend 15:00 deutscher Zeit, geht es im letzten Viertelfinalspiel um alles oder nichts.

Sieg bedeutet mindestens Platz 5, Niederlage Platz 9.

Gestern Abend kam Alex Zverev ins Haus mit Goldmedaille. Er wurde natürlich gebührend empfangen und bejubelt. Mit einer dominanten Leistung sicherte er das erste Tennisgold im Herreneinzel der deutschen Olympiageschichte.

Ich habe den Artikel Rückzugsort Bett genannt. Wie schon anfänglich berichtet, ist die Ausstattung hier mäßig. Weil es keinerlei Rückzugsmöglichkeiten gibt, man nicht immer auf dem Plastikklappstuhl im Gemeinschaftsraum sitzen mag, es sonst aber keine bequeme Stelle im Appartement gibt, bleibt einem nur das Bett. Schlafen, lesen, schreiben, Mails checken und beantworten, die Spieler informieren, alles passiert im Bett.

Dass das aus Pappe ist und mit einer dreiteiligen Matratze gepolstert gut zum Schlafen geeignet ist, habe ich schon berichtet. Bettwäsche gibt es alle 4 Tage. Zwei Laken, eines für die Matratze, das andere um darunter zu schlafen, dazu eine Steppdecke mit Tokyo 2020 Aufdruck. Dazu ein Kissen und eine LED-Klemmleuchte. So leben wir hier in unserem Bett. Vor dem Bett gibt es einen Vierfachstecker, allerdings kann man den nur mit Adaptern nutzen. Also ein Vierfachstecker, vier Adapter und dann die 3-4 Ladegeräte, die man für Uhr, Handy, Laptop, Tablet, Kindle etc.  heute braucht.

Das ganze bei Doppelbelegung also zweimal pro Zimmer. Vollständiger Rückzug ist also unmöglich. Jeder sehnt sich hier nach dem Zuhause, der Möglichkeit einmal wieder alleine zu sein, das Bad und das Zimmer nicht mit „Fremden“ teilen zu müssen.

Jeder Sieg verlängert unsere Qualen ;-))….

Nachdem ich nun schon 2 Wochen durchgehalten habe, hoffe ich inständig, dass wir um Medaillen spielen können. Dann komme ich zwar später, aber erfolgreicher heim.

…da waren´s nur noch zwei

Kommen wir zum Punkt. Borger/Sude verloren gegen das niederländische Nachwuchsteam und erreichten Historisches:

Noch nie ist ein deutsches Frauenteam bei Olympia in der Vorrunde gescheitert. Die einzigen, die das aus deutscher Sicht bisher geschafft haben, waren Brink/Dieckmann in Peking. Sie waren damals als Weltranglisten Dritter angereist und sind als 19. aus dem Turnier geflogen. Nun auch Borger/Sude, die allerdings in der Weltrangliste auf 12 stehen.

Die beiden haben uns also heute morgen still und leise verlassen und sitzen zur Stunde im Flieger nach Hause.

Dagegen haben die Jungs heute in der Hitze mit einem überzeugenden Sieg gegen Japan als Gruppenzweiter das Ticket in die K.-O.-Runde gelöst.

Wie geht´s weiter?

Die Auslosung der Damen ergab ein Hammerlos für uns – Agatha/Duda aus Brasilien, aktuell Weltrangslistenerste. Morgen, Sonntag, um 17:00 Uhr Ortszeit spielen die Mädels. Das bedeutet für die Zuschauer in Deutschland: nach dem Sonntagsfrühstück direkt um 10:00 Uhr vor den Fernseher…

Die Auslosung der Männer ergab mit den US-Amerikanern kein leichtes, aber ein interessantes Team, mit dem wir uns in der ersten K.O.-Runde auseinandersetzen müssen. Die endgültigen Spielansetzungen werden mit den TV-Sendern abgesprochen und heute abend irgendwann veröffentlicht.

Der im Falle eines Sieges im Viertelfinale bereitstehende Gegener dürften nach „Aktenlage“ die Weltmeister von Hamburg sein. Damals unterlagen Jukius und Clemens gegen die Russen in 3 Sätzen am Rotenbaum vor 15 000 Zuschauern. Aber zuerst einmal gilt es zu hoffen, dass wir abends und nicht in der Mittagshitze spielen.

Wir hoffen auf mehr als 2 Spiele, die noch vor uns liegen. Ab jetzt bedeutet jede Niederlage Heimfahrt innerhalt von 48 Stunden…

Erster Sieg der Männer

Polen, eigentlich ein Angstgegner unserer Jungs, wurde in einer hochklassigen Partie in 2 Sätzen bezwungen. Taktisch diszipliniert, im Aufschlag zunehmend besser und im SideOut einigermaßen stabil wurde der Grundstein für´s Weiterkommen gelegt. Erst am 31.Juli geht´s für die Jungs gegen Japan weiter. Auch hier ist ein Sieg Pflicht, um sicher in die Runde der letzten 16 zu kommen. Je nach Ausgang des parallelen Spiels von Polen und Italien ist von Platz 1 bis 4 in der Gruppe noch alles möglich. Je besser die Plazierung in der Gruppe, desto vermeintlich leichter wird der Gegener in der ersten K.-O.-Runde.

Laura und Maggi sind durch, und beenden die Vorrunde als Gruppenzweiter. Karla und Juli kämpfen im Spiel gegen die Niederlande morgen in der 15:00 Hitze (> 50°C auf dem Platz!) ums Überleben. Sieg bedeutet die Chance weiter zu kommen, Niederlage heißt unweigerlich Heimreise innerhalb von 48 Stunden.

Was Sie im TV sehen, sind die Eiswürste, die wir aus den weißen Handtüchern basteln und sie den Spielern anbieten. Eiswürfel ins Handtuch gewickelt, das mit Tape zugeklebt, und einmal in Eiswasser getaucht, hält eine Temperatur von knapp Null Grad, wenn wir die Handtücher auf Eis lagern und nur bei den Unterbrechungen ausgeben.

Da am heutigen Mittwoch kein Spiel ansteht, wird Pflege der Spieler(innen) betrieben und etwas traininert. Die Jungs haben 3 Tage frei, Laura und Maggi, je nach Auslosung 5 oder 6 Tage. Da fällt es schwer den Focus und Rhytgmus zu behalten. Auf normalen Turnieren spielt man mindestens einmal täglich, hier maximal alle 2 Tage.

Wir schaffen es an solchen Tagen, auch selbst etwas Sport zu betreiben, etwas mehr zu schlafen, da die Abende nach den Spielen doch bis Mitternacht dauern, wenn die Spieler abends noch ausbehandelt werden, und endlich die Wäsche aus der Wäscherei zu holen.

Wäsche war und ist ein leidiges Thema, eigentlich bei allen Olympischen Spielen, an denen ich teilnehmen durfte. Man bekommt nummerierte Wäschesäcke jeweils für Unterwäsche, Bunt- und Weißwäsche. Diese darf man bis zu Hälfte füllen, weil mehr Wäsche pro Netz sonst nicht zu trocknen wäre. Bedeutet real, dass man 2 Boxershorts in den U-Wäschebeutel bekommt…:-(

Nach 24 Std kann man die Wäsche wieder abholen. Sie riecht zumindest besser, sauber wird sie nicht. Anfänglich war die Annahme und Abgabe der Wäsche so schlecht koordiniert, dass man teils 1 Std und mehr anstehen musste. Insbesondere weil Mannschaften dann einen zum Wäscheholen losschicken, der für alle die Wäsche holen soll, dauerte die Ausgabe ewig.

Inzwischen geht es schneller, aber die Wäsche ist eben einfach nicht sauber.

Ansonsten haben sich alle an den Trott hier gewöhnt. Nach nunmehr 10 Tagen ist für mich auch das Schlafproblem erledigt. Vollmond ist vorbei und wir haben lange Tage – da kann man dann auch ziemlich gut schlafen.

Die Presseauftritte haben wir reduziert, damit die Athleten den Focus nicht verlieren. Erste Athleten anderer Sportarten sind durch und fliegen heim und auch wir wissen, dass es unser Team, je nach Ausgang des Spiels morgen, schnell treffen kann.

Wollen wir hoffen, dass wir das noch ein bißchen hinauszögern können.

Taifun, Sieg und Langeweile

Wir haben, nachdem auch unsere Jungs in einem guten Spiel gegen die Silbermedaillengewinner von Rio, Nicolai und Lupo aus Italien, verloren haben, endlich den ersten sportlichen Sieg eingefahren.

In einem durchwachsenen Spiel gewannen Laura und Maggi gegen Japan, gleichbedeutend mit dem Weiterkommen in die K.O.-Runde und einem schon gesicherten 9. Platz, aus dem bei einem Sieg im Achtelfinale der 5. Platz werden könnte.

Borger Sude hatten gegen die amtierenden Weltmeister aus Kanada nicht das nötige Durchsetzungsvermögen und eine zu hohe Fehlerquote und unterlagen auch im 2. Gruppenspiel. Nun kommt es übermorgen gegen die Niederlande zum Entscheidungsspiel. Der Sieger zieht in die K.O.-Runde ein, der Verlierer reist ab.

Sportlich steht ab übermorgen Langeweile auf dem Programm. Die Jungs haben bis zum letzten Gruppenspiel 3 Tage frei, Laura und Maggi bleiben wegen des Corona-bedingten Ausfalls der Tschechen sogar, je nach Auslosung, 5-6 Tage ohne Wettkampf. Da wir nirgends hindürfen und die Freizeitmöglichkeiten im Dorf quasi NULL sind, brauchen wir Ablenkung, die wir für die Sportler zu schaffen versuchen.

Z.B. ein bißchen putten üben…

Uns helfen die Fernsehstationen, die gerne Athleten ins Studio einladen. Es dürften also in den kommenden Tagen vermehrt Beachvcolleyballer auf der Mattscheibe zu sehen geben.

Nun zum Taifun: Die Warnungen kursieren, Rudern und Bogenschießen wurden verschoben, im Beachvolleyball hat man Angstm dass Windböen die Anzeigetafeln oben auf dem Stadion umwehen könnten.

Die Wahrheit hier: der Taifun ist ca. 200 km nördlich von Tokyo, wir hatten gestern erstmals Regen und eine willkommene Abkühlung. Die Luft wird durch leicht auffrischenden Wind angenehmer, unser Sport leidet nicht unter den Bedingungen, im Gegenteil, es ist weniger heiß auf dem Platz – zumindest bis jetzt.

Ich sag´s mal so: wenn das der Taifun ist, dann will ich jeden Tag einen ;-))

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