Tokio 2021 – Reisevorbereitungen

Die Spiele nahen, die Vorbereitungen laufen für uns auf Hochtouren. CoViD-bedingt ist diesmal alles anders. Keine Zuschauer, strenge, teils überzogene Regeln und eine überbordende Bürokratie erwarten uns.

Seit Anfang Juli messe ich täglich meine Körpertemperatur. Nicht, weil ich krank bin, sondern weil OCOG das so will. OCOG ist übrigens das Organising Committee of the Olympic Games. Es hat bestimmt, dass ich 14 Tage vor Abreise täglich meine Temperatur erfassen und nachweisen muss. Dazu gibt es eine APP, die auch für alle anderen Reiseangelegenheiten gedacht ist. Da muss ich 96h und 72h vor Abflug aus Deutschland in vorgegebenen Laboren jeweils einen PCR-CoViD-Test machen, zweisprachig und mit Reisepassdaten versteht sich – und die Ergebnisse muss ich hochladen – wenn die App es denn zulässt. Vorher habe ich schon meinen Activity-Plan über den DOSB an Japan mailen lassen müssen, der festlegt, welche Orte ich im Zuge der Olympischen Spiele aufsuchen darf. Dieser muss aber aus Japan genehmigt werden, bevor ich die App vollständig nutzen kann. Z.B. darf ich als Beachvolleyballer nicht ins Leichtathletikstadion. Ich darf auch nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, kein Sightseeing machen, mich nicht mit Japanern treffen und überhaupt eigentlich nicht das Olympische Dorf  und meine Wettkampfstätte verlassen. Ich soll keinen engen Kontakt zu Athleten haben, egal ob Deutsche oder die anderer Nationen, soll mich immer 2 m von Athleten fernhalten, 24/7 auch draußen eine Maske tragen, die ich zum Essen, Trinken abnehmen darf – und wenn mir eine Hitzeschlag droht, – dann auch.

In Fahrstühlen, die ich mit mehreren benutze, darf ich nicht sprechen wegen der Aerosole, die ich trotz Maske ja versprühe, ebenso verhält es sich in Autos – von denen wir  nur die benutzen dürfen, die für uns vorgesehen sind. Dass wir täglich CoViD-Tests machen müssen versteht sich. Die Kontaktsperren gelten übrigens für alle, auch für die Athleten untereinander. Handballer trifft Ruderer etc. wird es wohl nicht geben.

Ich bin übrigens geimpft, hatte vorher Anfang 2020 unbemerkt die Erkrankung, wie Antikörper in meinem Blut bewiesen haben und bis auf einen Sportler sind in unserer Teilmannschaft alle geimpft. Aber Safety first…

Übrigens sind die Olympischen Spiele in Tokyo 1964 in den Oktober gelegt worden, weil es im August so heiß ist. Auch der Marathon 2021 findet in Sapporo statt, weil es in Tokyo hohe Temperaturen erwartet werden.

Ich bin schon gespannt, wie es bei 60° Sandtemperatur mit Maske so ist…

Aber zurück zur Reise. Vor HAM nach FRA dann nach HAN (Haneda. intern. Flughafen Tokyo) – allein das macht schon ca. 17 Stunden aus. Nach Ankunft muss ich meine App und den QR-Code zeigen, dann auf meinem Smartphone die COCOA-App aktivieren (entspricht in etwa der CoronaAPP), damit ich immer zu orten bin. Außerdem muss ich noch jede Menge Papier mitführen. Wenn ich kein Smartphone hätte – solche Teilnehmer gibt es ja auch – dann müsste ich mir eines leihen- ohne kommt man nicht rein. Als Sportler bekommt man eine neues Samsung-Smartphone geschenkt, als Funktionär sinnvollerweise eines zusätzliches vom DOSB gestellt.

Dann werden am Flughafen 9(!) Stationen abgelaufen, mit PCR-Test und Papierkontrolle – Dauer je nach Andrang zwischen 4 und 7 Stunden, in denen man nicht versorgt wird, nichts kaufen kann und eigentlich überwiegend wartet. Erst dann darf ich mein Gepäck holen und mich in die vorgegeben Gefährte ins olympische Dorf begeben.

Dort darf ich dann das Organisatorische für meine Teilmannschaft erledigen, die am nächsten Tag in Japan eintreffen wird.

Ich kann vielleicht auch noch das Olympische Dorf erkunden, essen gehen, und dann die letzte Nacht alleine schlafen, bevor Ekkehard kommt und das Bett neben mir belegt.

Da erinnere ich mich an eine Gespräch dass ich 1999 mit dem Sportdirektor Siggi Köhler führte: Ich wollte unbedingt  2000 nach Sydney zu den Spielen – wurde aber nicht nominiert. Siggi fragte mich: „Was willst Du bei Olympischen Spielen? Mehr Stress, weniger Kollegen, Atmosphäre wie in der Jugendherberge. Fahr doch zu ner Weltmeisterschaft – da hast Du ein tolles Sternehotel, Ruhe und kannst vernünftig arbeiten…“ Recht hat er. Nach inzwischen 11 Weltmeisterschaften, die ich betreuen durfte, muss ich ihm einfach zustimmen. Die reduzierte Anzahl an Akkreditierungen bei Olympischen Spielen, verlangt von allen Opfer – Sportlern  wie Funktionären. CoViD macht das Arbeiten noch einmal schwieriger – genauer gesagt, nicht das Virus, sondern die bei einem maximal kontrollierten und weitgehend geimpften Kollektiv verordneten und aus meiner Sicht zumindest teilweise überzogenen Maßnahmen lassen die Spiele 2021 nicht zu dem werden, was Olympische Spiele eigentlich sein sollen: eine Begegnung der Jugend der Welt. Die Japaner sprechen schon von den „verfluchten Spielen“. Jetzt kommt es auf uns an, das beste daraus zu machen.

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