Seattle – Sammamish

Ich bin in Seattle, gerade rechtzeitig vor dem Erdbeben in Chile konnte ich mit einigen Schwierigkeiten rausfliegen… Ein kleiner Buchungsfehler fuehrte dazu, dass man mich im PC nicht fand und ich tatsaechlich einen neuen Flug von Santiago nach Lima kaufen musste, bevor es weiterging.

Boese Zungen sagen, dass ich nur Schaeden hinterlasse, Cusco wurde von einer Schlammlawine getroffen und Touristen per Helikopter evakuiert, Machu picchu wurde geschlossen, der Inkatrail weggewaschen, aber ich war schon weg.In der Antarktis bricht ein Eisschelf ab so gross wie Luxemburg, ich war schon weg  (und eigentlich auch nie da wo das passiert ist) und nun kommt das siebtstaerkste Erdbeben seit den ersten Aufzeichnungen (1700) und ich bin grad weg. Anna, bei der ich gewohnt habe, berichtet mir taeglich ueber die Nachbeben und ich habe einen hautnahen Bericht der ersten Erdstoesse bekommen.

Als Aussenstehender kann man sich das weder vorstellen noch erahnen, in welcher Angst die Menschen leben. Chile ist an Erdbeben gewoehnt, deswegen hat es dieses starke Beben auch vergleichsweise gut ueberstanden, aber sogar in Santiago haben die Haeuser Risse im Putz, und Santiago lag weit entfernt vom Zentrum. In Annas Kueche sind die Olivenoelflaschen runtergefallen und kaputtgegangen, aber keine Weinflasche – ging auch gar nicht, waren alle geleert:-). Die Nachbeben erreichen teilweise ueber 6 auf der Richerskala und es gibt fast stuendlich Beben zwischen 4,8 und 5,5. Wer das verfolgen will, kann das auf der Homepage:

https://earthquake.usgs.gov/earthquakes/recenteqsww/Maps/region/S_America_eqs.php

Die Menschen in Santiago schlafen angezogen und mit griffbereiter gepackter Tasche und stellen sich bei jedem Beben erstmal in den Tuerrahmen, weil dort der sicherste Platz sein soll. Dann entscheiden sie sich drin zu bleiben, weil es aufhoert oder rennen raus, wenn es zu heftig ist. Anna sagt, man kann kaum laufen, so wackelt es und wenn alles rum ist zittern einem die Beine, dass man denkt, es bebt noch. Nachbeben dauern bis zu 90 Sekunden, – ganz schoen lange, wenn man Schiss hat. Seattle ist ebenfalls Erdbebengebiet, ich bin gespannt, was hier passiert wenn ich weg bin. Seattle, besser Sammamish, wo ich bei meiner Cousine fuer eine Woche untergekommen bin, ist regnerisch und im Vergleich zu Chile kalt. Dennoch kommt hier der Fruehling mit Macht, die ersten Zierkirschen, die Frosythien und die Osterglocken bluehen schon. Beim ersten Waldspaziergang gestern habe ich Heuschnupfen bekommen, es liegt also schon etwas in der Luft.

Ich gehe hier taeglich ins Fitnessstudio, weil ich seit September letzten Jahres keinen Sport mehr gemacht habe und wenigstens etwas fitter werden will, bevor ich in der kommenden Woche taeglich 2 Tauchgaenge auf Yap mache.  Seattle hat guten Wein, insbesondere haben meine Cousine und ihr Mann eine Beteiligung an einem Projekt, wo ein Dozent fuer Weinherstellung eigenen Wein produziert und sie bekommen ihren Anteil an ziemlich gutem Rotwein, dessen Bestaende seit dieser Woche sich dramatisch reduzieren…

Wir haben im Theatro Zinzanni eine Vorfuehrung gesehen, mit leckerem Abendessen nebenbei, bei der eine deutsche Schauspielerin und Saengerin die Hauptrolle hat. Sabine Hettlich, eine unglaubliche Stimme und ein gut gebauter Koerper, scheint auch in Paris und San Francisco schon grosse Erfolge gehabt zu haben. Sie kam an den Tisch und wir konnten einige Worte sprechen. Beeindruckende Persoenlichkeit. Wer sie sehen will sollte mal im Internet suchen, sie wohnt in Berlin und ist im Traenenpalast gelegentlich zu sehen und zu hoeren.

Donnerstag geht es nach Tokio, was mich wegen Ueberschreitung der Datumsgrenze einen Urlaubstag kostet, eine Nacht spaeter dann nach Guam und Yap.  In Yap bleibe ich eine Woche bevor ich nach Palau weiterfliege und dort hoffentlich weitere 10 Tauchgaenge machen kann. Bleibt zu hoffen, dass es keine neuen Beben gibt, die Tsunamis ueber den Pazifik schicken, damit die kleinen Inselchen trocken bleiben. Meine Hotels sind alle beide in unmittelbarer Strandnaehe, waere doof, wenn da nachts eine Welle ankaeme…

Noch 7 Wochen bleiben bis der Alltag wieder ruft, und ich spiele mit dem Gedanken, dass ich Australien einfach um 2 Wochen verlaengere.  Mal sehen wie es mir dann geht und wie es mit gefaellt. Der naechste Bericht wird erst aus Australien erfolgen, da auf den Pazifikinseln Internet nicht gerade billig, wenn ueberhaupt ausreichend schnell und funktionsfaehig sein duerfte.

© Copyright Praxis Dr. Tank